Lade Inhalte...

Angriff auf Zeltlager Neonazis prügeln Kinder

Neonazis haben ein Sommercamp der Linksjugend in Nordhessen überfallen. Ein 13-jähriges Mädchen wurde dabei krankenhausreif geprügelt. Von Joachim F. Tornau

Bereits einen Tag nach dem brutalen Überfall von Neonazis auf ein Sommercamp der Linksjugend in Nordhessen hat die Polizei die vier mutmaßlichen Täter festgenommen. Drei von ihnen gehören der rechten Szene an, teilte Polizeisprecher Markus Brettschneider in Homberg mit.

Gegen einen 19-Jährigen sei Haftbefehl wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung ergangen. Er soll bei dem Angriff ein 13-jähriges Mädchen "mit verschiedenen Gegenständen" krankenhausreif geprügelt haben. "Sie ist aber außer Lebensgefahr", sagte Markus Lange von der Basisgruppe Schwalm-Eder der Linksjugend solid, die das Zeltlager in Neuenhain organisiert hatte.

Die Neonazis hatten das Camp am Sonntagmorgen überfallen - wohl aus Rache für eine Antifa-Demonstration mit 200 Teilnehmern am Vortag in Schwalmstadt. Zwei schlugen wahllos auf ein Zelt und die darin schlafenden Geschwister ein. Die anderen zerstörten die Heckscheiben dreier parkender Autos.

Erst Anfang Juni waren linke Jugendliche in Todenhausen - einem Ortsteil von Frielendorf, nicht weit von Neuenhain entfernt - von einer Gruppe Rechtsextremer verprügelt und mit Pflastersteinen beworfen worden. Auch hier war die Attacke offenbar gut organisiert: Nach Augenzeugenberichten sollen die Rechten frühmorgens mit vier Autos in das Dorf gekommen sein, um sich vermummt vor dem örtlichen Jugendclub auf die Lauer zu legen.

Wie weit die Suche nach den Schlägern in diesem Fall gediehen ist, möchte Polizeisprecher Brettschneider "aus ermittlungstaktischen Gründen" nicht verraten. Trotz der beiden brutalen Angriffe auf Nazi-Gegner aber bestreitet er, dass es "vernetzte Strukturen" der Rechten in der Region gebe.

Nicht nur die Linksjugend solid, sondern auch die Ortsgruppe Schwalm-Eder der Antifaschistischen Bildungsinitiative e.V. sieht das ganz anders: Bei allem, was sie gegen Rechts tun, würden sie von den Neonazis der "Freien Kräfte Schwalm-Eder" beobachtet, bedroht, fotografiert, berichtet der Vizevorsitzende der Antifa-BI, Jeffrey Heindl. "Die fahren regelrecht Patrouille." Und sie seien so straff organisiert, dass sie meist binnen weniger Minuten eine erkleckliche Zahl an Gesinnungsgenossen alarmieren könnten.

Wer sich in Schwalmstadt und Umgebung gegen die Nazis engagiert, muss mit Einschüchterungsversuchen rechnen - mit Pöbeleien auf der Straße, Aufklebern an seiner Haustür, Drohungen per SMS. Und nicht erst seit den jüngstne Vorfällen mit Gewalt: Wenn sich die Rechten auf einer Dorfkirmes Mut angetrunken hätten, würden sie auch zur Jagd auf ihre Widersacher blasen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen