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Analyse Zuversicht vor dem Fest

Die Einzelhändler im Rhein-Main-Gebiet hoffen auf ein Umsatzplus. Immer mehr Geschenke werden mittlerweile online gekauft.

Die Einzelhändler im Rhein-Main-Gebiet berichten mehrheitlich von einem guten Start ins Weihnachtsgeschäft. Schon jetzt seien die Umsätze etwa bei Spielwaren, Parfümerie, Kosmetik, Büchern, Süßigkeiten und Gutscheinen hoch, berichtet Michael Kullmann, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Hessen, im Gespräch mit der FR. Winterbekleidung laufe dagegen wegen der bisher sehr milden Temperaturen noch nicht besonders. Im Elektrobereich habe der „Black Friday“, die Rabattschlacht am Tag nach Thanksgiving, zu anschließend geringeren Umsätzen geführt. Mit weiteren großen Preisabschlägen würden sich die Händler auch deshalb in den kommenden Wochen zurückhalten, vermutet Kullmann.

Im Bundesschnitt sehen die Einzelhändler ihre Erwartungen dagegen noch nicht erfüllt. In vielen Innenstädten sei die Kundenfrequenz eher schwach gewesen; besonders kleinere Betriebe seien bisher unzufrieden, heißt es in einer Mitteilung des Handelsverbands Deutschland. Und das trotz der guten Konjunktur, der erneut gewachsenen Zahl von Menschen in Beschäftigung und im Schnitt gestiegenen Löhnen. 472 Euro wollen die Deutschen im Schnitt diesmal für Geschenke ausgeben, etwas mehr als im Vorjahr, deutlich mehr als zu Beginn des Jahrzehnts. Der Handelsverband Deutschland rechnet für das Weihnachtsgeschäft mit einem Umsatz-Plus von zwei, der hessische Handelsverband sogar von drei Prozent.

Doch Wachstum gibt es fast nur im Online-Bereich. Der wächst und wächst, legt nach Prognosen hessenweit um zehn Prozent zu – und kostet den stationären Handel in den Einkaufsstraßen kräftig Umsatz. Etwa jeder zehnte Euro im hessischen Einzelhandel wird inzwischen online erwirtschaftet, das spüren etwa die Textil- und Schuhhändler an der Zeil gewaltig.

Hohe Mieten als Problem

Selbst in den A-Lagen Frankfurts an der Hauptwache wächst zumindest der verdeckte Leerstand. Nach einer Untersuchung des Maklerhauses JLL war im April etwa jedes zehnte Geschäft oder Lokal im analysierten Areal „verfügbar“ – stand also sichtbar leer, war noch nicht vermietet, hatte einen innerhalb von 1,5 Jahren auslaufenden Mietvertrag oder wurde angeboten. Immer mehr Händler hätten Probleme, die sehr hohen Mieten in den A-Lagen zu zahlen, hieß es damals. Auch Joachim Stoll, der Vorsitzende der Frankfurter Einzelhändler, berichtete jüngst, dass bei vielen Händlern die Kosten stiegen, die Umsätze aber stagnierten.

Der Handelsverband und der Hotel- und Gaststättenverband sehen angesichts sinkender Passantenzahlen, stagnierender Umsätze, steigender Leerstände und verödender Innenstädte bereits die Landesregierung in der Pflicht, die Situation in einer „Innenstadtstudie“ wissenschaftlich zu analysieren, klare Zuständigkeiten für die Entwicklung der Zentren festzulegen und alle Förderinstrumente zu überdenken. „Die Veränderungen sind so drastisch, dass unsere Innenstädte Nutzungen neu erfinden müssen“, hieß es in einem Aufruf der Verbände vor der Landtagswahl.

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