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Altersarmut in Hessen Zahl der ärmeren Senioren nimmt weiter zu

In Frankfurt brauchen immer mehr Menschen Grundsicherung im Alter. Auch der hessische Trend sieht eine steigende Zahl der Bedürftigen. Viele schämen sich Hilfe anzunehmen.

Senioren
Wenn die Rente zu gering ist, brauchen ältere Menschen Unterstützung. Doch aus Scham nutzt nicht jeder die ihm zustehenden Möglichkeiten. Foto: Thomas Peter (REUTERS)

Ein Mann sitzt auf dem Gehweg, vor ihm steht ein Becher. Einige Passanten eilen an ihm vorbei, ohne ihn zu beachten, manche halten an und werfen ein paar Münzen in den Pappbecher. Nur wenige Meter weiter kramt eine Frau im Mülleimer der Fußgängerzone. Sie zieht einen Wagen, gefüllt mit Pfandflaschen, hinter sich her. Weil sie bei diesem Abfalleimer nicht fündig wird, geht sie weiter zum nächsten.

Szenen wie diese lassen sich in Frankfurt, aber auch in anderen Städten, immer häufiger beobachten. Man könnte denken, dass es Obdachlose oder Migranten ohne Bleiberecht sind, doch trifft oft weder das eine noch das andere zu. Immer mehr Menschen, die Pfandflaschen sammeln oder betteln müssen, sind in die Armut gerutscht, nur weil sie alt geworden sind. Weil ihr Berufsleben zu Ende ging, die Rente aber nicht zum Leben reicht.

„Seit einigen Jahren beobachten wir eine leichte Steigerung“, sagt Manuela Skotnik, Sprecherin der Frankfurter Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld. 2015 bekamen von damals 113 735 Menschen über 65,5 Jahren 8,5 Prozent Grundsicherung im Alter. 2017 waren es nach vorläufigen Zahlen 8,8 Prozent von 112 909 Menschen über 65,5 Jahren. Die Zahl der Personen mit Grundsicherung stieg von 9645 (2015) auf 9889 (2017).

Auffällig sei dabei auch, dass mehr Frauen als Männer Grundsicherung im Alter beantragten. 2017 waren es 5363 im Vergleich zu 4528 Männern. „Vor einigen Jahrzehnten war es so, dass der Mann allein gearbeitet hat, sein Lohn zum Leben reichte und die Frau deshalb zu Hause blieb und sich um die Familie kümmerte“, sagt Skotnik.

Frankfurt versucht Ausgleich zu schaffen

Die Sprecherin der Dezernentin prophezeit, dass das Problem auch in den kommenden Jahrzehnten erhalten bleibt. Frauen, die nach der Geburt eines Kindes nur in Teilzeit arbeiteten, bekämen später auch entsprechend weniger Rente. Wer weniger als 1000 Euro Rente bekomme, sollte prüfen lassen, ob er einen Anspruch auf Grundsicherung habe.

Die Stadt Frankfurt versuche, für ältere Menschen mit wenig Rente einen Ausgleich zu schaffen, bekräftigt Skotnik. Ein bewährtes Mittel dafür sei der Frankfurt-Pass. Bei einem Einpersonenhaushalt besteht ab 912 Euro Nettoeinkommen ein Anspruch auf den Pass. Er ermöglicht etwa vergünstigte Eintritte in Zoo, Palmengarten, Museen und Hallenbäder. Außerdem sind Monats- und Jahreskarten des RMV rabattiert. Weitere Angebote wie Altentreffs und vergünstigte Theaterbesuche für Senioren sollen die Teilhabe am sozialen Zusammenleben erhöhen. Zudem bezuschusst die Stadt den Service Essen auf Rädern. Die größte Hürde bei der Thematik sei aber die Scham.

Wer einen Frankfurt-Pass habe, sei für sein Gegenüber immer als bedürftig identifizierbar. Hier müsse immer wieder sensibilisiert werden. Beispielsweise mit Sozialhelfern, die auf Senioren mit geringer Rente zugingen. „Daran müssen wir immer wieder arbeiten“, sagte Skotnik. Außerdem sei es eine gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe.

Beim Blick über Frankfurt hinaus zeigt sich ein ähnlicher Trend. Nach Zahlen des hessischen Ministeriums für Soziales und Integration lag das Armutsrisiko für ältere Menschen ab 65 Jahren im Jahr 2007 bei 10,7 Prozent. 2017 waren es schon 14,1 Prozent. Das Ministerium spricht von einer unterdurchschnittlichen Armutsgefährdung älterer Menschen – weil das Risiko 1,3 Prozentpunkte unter dem Bundesdurchschnitt im Jahr 2017 lag.

Der hessische Landessozialbericht weist zudem die Unterschiede in den Altersschichten aus. Im Jahr 2014 lag das Armutsrisiko der 65- bis 69-Jährigen bei 14,3 Prozent, während es bei den über 80-Jährigen bei 19,4 Prozent lag.

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