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Alter fährt besser

Taxi-Unternehmer setzt auf Personal "50 plus"

06.12.2008 00:12
MARTIN MÜLLER-BIALON

Immerhin 40 Leute arbeiten im Betrieb von Ronny Wächter. Er selbst ist mit seinen 33 Jahren einer der Jüngsten. "Die Hälfte unserer Mitarbeiter ist 50 Jahre oder älter", sagt der Taxi-Unternehmer aus Bornheim. Mehr noch: Einige der Fahrer waren, bevor sie in eines der 13 Taxis von Wächter stiegen, jahrelang arbeitslos.

Für sein Unternehmenskonzept, gezielt ältere Bewerber als Fahrer auszusuchen, hat der Firmenchef jetzt eine Auszeichnung erhalten. Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) höchstselbst überreichte ihm im Rahmen einer Feierstunde in München die Urkunde "Unternehmen mit Weitsicht 2008". Der Preis wird jährlich an Firmen vergeben, die vorrangig Vertreter der Generation 50 plus einstellen.

"Ich habe mit diesen Leuten die besten Erfahrungen gemacht", beschreibt Ronny Wächter seine Gründe. "Für die älteren Kollegen ist das kein Job, den sie vorübergehend machen, sondern eine echte Lebensaufgabe." Entsprechend anders sei das Verhalten der Fahrer gegenüber den Fahrgästen - wie auch deren Fahrstil. Dem Unternehmer kommen solche Leute also gerade recht. Denn mit seinem Fuhrpark gehört Wächter der noch jungen Taxi-Zentrale "Frankfurts freundlicher Taxiruf" an. Wer dort fährt, muss die "sieben goldenen Regeln" beherzigen. Unter anderem verpflichten sich die Fahrer, den Fahrgästen die Tür aufzuhalten, weibliche Fahrgäste im Dunkeln bis vor die Haustür zu begleiten, defensiv zu fahren und einen freundlichen Umgangston zu pflegen. Dass sich der "freundliche Taxifahrer" auch bestens in der Stadt auskennt, versteht sich von selbst.

Um die Qualität des Personals zu sichern, betreibt die Funkzentrale eine eigene Schulung für Taxischein-Bewerber. "Da nehmen wir auch Leute auf, die länger arbeitslos waren", berichtet Wächter. Probleme mit regelmäßigen Arbeitszeiten, wie sie Langzeitarbeitslose oft haben, hätten sich meist in wenigen Wochen erledigt. Und auch mit Fahrern ausländischer Herkunft - sie stellen die Hälfte des Personals - gebe es keine Schwierigkeiten. Die jüngste Pleite der Frankfurter Taxifahrer beim bundesweiten ADAC-Test habe gezeigt, "dass eine Qualitätsoffensive dringend erforderlich ist", sagt Wächter. In seinem Betrieb hat er sie bereits vollzogen.

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