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Altenplan Offenbach braucht mehr Jobs für Ältere

Der neue Altenplan für Offenbach weist Handlungsempfehlungen für eine lebenswerte Stadt aus. Aber er zeigt auch Mängel auf.

Offenbach
Immer mehr ältere Menschen leben in Offenbach. Foto: dpa

Immer mehr ältere Menschen leben in Offenbach: Im Jahr 2016 waren rund 21 700 Einwohner über 64 Jahre alt, 16,3 Prozent mehr als im Jahr 2000. Das geht aus dem neuen kommunalen Altenplan hervor, den der Magistrat vorgelegt hat. Gemeinsam mit den Trägern der Altenhilfe, Vertretern von Seniorengruppen und Altenplanerin Heidi Weinrich ist der Plan fortgeschrieben worden.

„Insgesamt waren rund 70 Personen an dem Plan beteiligt“, sagt Weinrich, „wir konnten damit die wichtigsten Bereiche sehr gut abbilden.“ Der Plan sei als Leitfaden für das zukünftige Handeln der Stadt zu verstehen, sagt sie. „Wir haben nun die Daten und Zahlen vorliegen, um bedarfsorientiert für die Bürger in Offenbach handeln zu können.“

Der Plan ist in fünf Schwerpunkte, Entwicklungsbereiche genannt, gegliedert. Dazu gehören die Bereiche Erwerbstätigkeit im Alter, soziale Teilhabe oder Wohnen und Stadtgestaltung. Manche der Empfehlungen, wie mehr öffentliche Toiletten und sichere Gehwege, sind wenig überraschend, andere Daten dagegen eher.

So nutzen laut der Erhebung nur vier Prozent der Älteren das Angebot von Senioreneinrichtungen. „Unser Ziel ist es, die Angebote bekannter zu machen, dass wir eine Quote von zehn Prozent erreichen“, sagt Bürgermeister und Sozialdezernent Peter Schneider (Grüne).

Dringend benötigt würden auch mehr Fachärzte, besonders solche, die sich auf psychische Erkrankungen spezialisiert haben. Durch die Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten habe sich nach dem Zweiten Weltkrieg das Problem älterer Menschen mit Behinderung oder psychischen Erkrankungen in den ersten Jahrezehnten der Bundesrepublik kaum gestellt – nun, da die Menschen deutlich länger leben würden, werde es akut. „Was geschieht etwa mit Menschen mit psychischer Erkrankung, die bisher von den Eltern gepflegt wurden, wenn die Eltern sterben? Da müssen wir Antworten liefern und Angebote schaffen“, sagt Weinrich.

Auch um vor Altersarmut zu schützen, müssten gemeinsam mit der IHK Angebote für Ältere gemacht werden. „Es werden in Zukunft noch deutlich mehr Zuverdienstmöglichkeiten als heute für ältere Menschen benötigt“, sagt sie. Ebenfalls verbessert werden muss die Vereinbarkeit von Arbeit und Pflege für jüngere Menschen, damit diese ihre Eltern in vertrauter Umgebung pflegen könnten. Die aus finanziellen Gründen eingestellte Senioreninfobörse sollte nach Weinrichs Ansicht wieder aufgelegt werden. Auch eine zentrale Koordinierungsstelle für offene Seniorenarbeit sei nötig. „Wir müssen das bestehende und künftige Angebot weithin bekannt machen – nur gemeinsam können wir uns in der Stadt den Aufgaben stellen.“

Bürgermeister Schneider setzt Hoffnungen in das Pilotprojekt Gescco (Generierung von Sharing und Caring Communities) von Stadt und Evangelischer Hochschule Darmstadt. „Der Seniorentreff Nordend arbeitet da mit“, sagt er, „es geht darum dafür zu sorgen, dass die Menschen möglichst lange in ihren Quartieren bleiben können und auf Strukturen zur Hilfe zugreifen können.“ Dazu, fügt Weinrich an, sei es notwendig, die Nachbarschaftshilfen auszuweiten. „Wir brauchen ein Bewusstsein, dass wir uns unterstützen müssen in der Altenarbeit“, sagt sie.

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