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Windenergie Schelte für Regierungspräsidium

Landesregierung entwertet Windkraft-Gutachten der Eswe.

Foto: Sascha Rheker

Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst hat sich in einem Schreiben, das dieser Zeitung vorliegt, gegen das Gutachten des Büros "Schmal & Ratzbor" gewandt. Die von der Eswe Taunuswind in Auftrag gegebenen Gutachten dienen dem Regierungspräsidium Darmstadt (RP) als Grundlage, um über eine Vorplanung der Stadt zum Bau von Windenergieanlagen (WEA) auf dem Taunuskamm zu entscheiden.

Das Ministerium bezieht sich auf den gutachterlichen Teilaspekt des Denkmalschutzes und bekräftigt hierbei eine Stellungnahme des Landesamts für Denkmalpflege (LfDH), das sich gegen den Bau der WEA auf der Hohen Wurzel ausgesprochen hat (die FR berichtete).

"In der Presse betont Eswe, dass durch die Prüfung des Regionalpräsidiums eine Verunstaltung der Landschaft ausgeschlossen wird. Es wird aber nicht erwähnt, dass sich diese Prüfung bisher einzig auf das Gutachten des Büros Schmal & Ratzbor stützt", so das Ministerium.

Teilaspekte ignoriert

Das Gutachten berücksichtige zwar wichtige Aspekte des Denkmalschutzes, ist aber lückenhaft und kommt zu anderen Bewertungen und Empfehlungen als das LfDH. "Das Büro Schmal und Ratzbor trifft eine Auswahl von Denkmälern. Weiter verwendet es Untersuchungs- und Betroffenheits-Radien, die nicht mit den fachlichen Standards übereinstimmen." Bisher hatte die Stadt stets betont, dass die Gutachten von Schmal & Ratzbor seitens des RP als methodisch untadelig zu bewerten seien.

"Der Aspekt der historischen Kur-landschaft in der Umgebung von Wiesbaden wird nicht seiner Bedeutung entsprechend behandelt", urteilt das Ministerium. Historische, bewusst gestaltete Blickbeziehungen vom Rhein und Rheingau aus blieben unberücksichtigt. Zudem weist das Ministerium darauf hin, "dass auch öffentliche Belange im benachbarten Bundesland Rheinland-Pfalz betroffen sein können, was bisher wohl weder natur- noch denkmalrechtlich berücksichtigt wurde."

Dass die Einwände des LfDH so spät zu Gehör kommen, sei ein Fehler des RP, dass das Amt nicht als Träger der öffentlichen Belange bei der Ausweisung der WEA-Baugebiete erachtet. Das sieht das Ministerium grundsätzlich anders: Zu den Aufgaben des LfDH gehört auch der Umgebungsschutz für Kulturdenkmäler, was die Kulturlandschaft einschließt. Das im Teilplan "Erneuerbare Energien" des Regionalplans benannte Windvorranggebiet beeinträchtige nicht nur die Gesamtanlage Wiesbadens und seine umgebende Kurlandschaft erheblich. Aufgrund der enormen Höhe der WEA, der Beleuchtung und der ständigen Bewegung sei grundsätzlich von visuellen Beeinträchtigungen auszugehen.

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