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Wiesbadener Kulturpreis Musikalische Botschafter

Die Kooperative New Jazz erhält den Kulturpreis der Stadt Wiesbaden. Einen Sonderpreis gibt's für den Dirigenten und Komponisten Siegfried Köhler. Von Mirjam Ulrich

12.02.2009 10:02
MIRJAM ULRICH
Kulturpreisträger 2008: die Kooperative New Jazz. Foto: FR/Oeser

Ungewöhnliche Klänge produziert der niederländische Vokalkünstler Jaap Blonk mit seiner Stimme und seinen Wangen. "Backen-Synthesizer" nennt er sein "Instrument", das er zu Ehren der Kooperative New Jazz bei der Verleihung des Kulturpreises der Stadt Wiesbaden am Dienstagabend im Rathaus spielte.

Die sieben Profi-Musiker der Kooperative New Jazz/Artist im Exil erhielten den mit 5000 Euro dotierten Kulturpreis 2008 für ihre langjährige Arbeit, mit der sie Wiesbaden zu einem Zentrum improvisierter Musik gemacht haben. "Neben der kontinuierlichen und hochwertigen Konzertarbeit war es für die Jury auch wichtig, dass sich der Verein seit vielen Jahren aktiv bei sparten- und vereinsübergreifenden kulturellen Projekten in Wiesbaden mit engagiert und einbringt", begründete Kulturdezernentin Rita Thies (Grüne) die Entscheidung. So arbeiten die Musiker etwa mit Filmemachern, Tänzern, bildenden Künstlern und Autoren zusammen.

Dass die Musiker den Preis in einer Zeit erhalten haben, in der das Primat der Wirtschaftlichkeit regiere, freute Dirk Marwedel besonders. Statt ein Mittel zu sein, um Mehrwert zu erwirtschaften, berge die Musik einen fundamentalen Nährwert in sich. Marwedel wurde gemeinsam mit Ulrich Böttcher, Jörg Fischer, Uwe Oberg, Ulrich Phillipp, Margret Trescher und Wolfgang Schliemann geehrt.

Die Kooperative New Jazz fand sich 1979 als gemeinnütziger Verein zusammen. Vier Jahre lang, von 1983 bis 1987, betrieb die Initiative einen eigenen Jazz-Club, das "Artist" an der Friedrichstraße.

Nachdem den Musikern die Räume gekündigt wurde, fanden sie keine eigene Spielstätte mehr. Seither tragen sie den Zusatz "Artist im Exil" im Namen, und die Improvisation bestimmt nicht mehr nur ihre Musik, sondern auch ihre Vereinsarbeit. An 25 verschiedenen Auftrittsorten hat der insgesamt etwa 50 Mitglieder zählende Verein mittlerweile mehr als 800 Einzelveranstaltungen verwirklicht.

Die Musiker veröffentlichten nicht nur zahlreiche Tonträger, sondern riefen 1989 auch den "HumaNoise Congress - Tage Improvisierter Musik" ins Leben. Mit dem "Improvisohrium" im Kunsthaus bieten sie monatlich eine offene Bühne für junge Musiker. Zudem gründeten sie das internationale Jazz-Festival "Just Music", das 2000 aus einer gleichnamigen Konzertreihe hervorging.

Dabei pflegen sie seit vielen Jahren eine intensive Partnerschaft mit Musikern aus Deutschland, Europa, Kanada und den USA und machten dadurch Wiesbaden international bekannt. Laudator Gerhard Westerath bezeichnete sie darum auch als "Botschafter Wiesbadens".

Als solcher gilt auch der Dirigent und Komponist Siegfried Köhler, der von 1974 bis 1988 Generalmusikdirektor am Staatstheater Wiesbaden war. Die Stadt ehrte Köhler nun mit einem Sonderpreis für sein künstlerisches Lebenswerk. Er habe, erläuterte Dezernentin Thies, das Kulturleben der Stadt nachhaltig geprägt und beeinflusst und sie über ihre Grenzen hinaus bekannt gemacht. Auch nach seinem beruflichen Ausscheiden blieb er der Stadt verbunden und engagierte sich musikalisch.

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