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Wiesbaden „Zwei neue Ortskerne für Kastel“

Baudezernent Hans-Martin Kessler über neue Akzente in der Stadtentwicklung, steigende Lebensqualität und wie die Stadt der Zukunft aussehen kann.

Hans-Martin Kessler
Hans-Martin Kessler leitet das Stadtplanungsdezernat Wiesbadens. Foto: Michael Schick

Der Bauboom in Wiesbaden läuft gerade richtig heiß. Die Stadt hat das Ziel, dass 1200 neue Wohnungen im Jahr entstehen, ein Drittel davon baut die städtische Wohnungsbaugesellschaft. Damit es nicht zu einem städtebaulichen Wildwuchs kommt, hat sich die Stadt ein Entwicklungskonzept gegeben. Was das für die Zukunft bedeutet, fragen wir den Stadtentwicklungsdezernenten.

Herr Kessler, woran arbeiten Sie gerade?
Am Linde-Areal in Kostheim, einer Konversionsfläche, für die der Magistrat einen Bebauungsplan verabschieden wollte. Weil eine Kooperationsfraktion, die SPD, noch Diskussionsbedarf anmeldete, ist das verschoben worden. Das ist irritierend, weil wir uns verständigt hatten, möglichst schnell Wohnungen zu bauen. Hier geht es um 800 Wohneinheiten, davon 167 mit Sozialbindung, das wirft uns zurück.

Seit einem halben Jahr sind Sie Stadtentwicklungsdezernent, was haben Sie schon auf den Weg gebracht?
Mein erstes Ziel war, die Altlasten, also die seit Langem unfertigen Projekte, voranzubringen wie das Linde-Areal. Für das Baugebiet Rudolfstraße haben wir schon einen Bebauungsplan verabschiedet. Beim Baugebiet Erbenheim-Süd sind wir in den letzten Verhandlungen mit dem Vorhabenträger.

Unter Ihrer Leitung wurde das Stadtentwicklungskonzept Wiesbaden 2030+ fertig gestellt.
Begonnen wurde es drei Jahre vor meiner Zeit, mit langen Planungsphasen und einer umfassenden Beteiligung. Zahlreiche vorhandene Konzepte und Studien etwa zur Bevölkerungsentwicklung oder zum Verkehr aus den Ämtern wurden nun zusammengetragen und übergreifend ausgewertet. Die Zusammenführung der Positionen war noch nicht vorhanden. Es handelt sich um eine interdisziplinäre Betrachtung der Handlungsfelder; bestehende Konzepte wurden mit Erwartungen der Bevölkerung, der Fachämter, der Politik und des Stadtentwicklungsdezernats erweitert. Die Frage ist: Wohin wollen wir uns entwickeln?

Und wohin?
Die Entwicklungen künftiger Lebensstile wurden skizziert, Ansprüche an die Umwelt, Freiräume, Flächenverbrauch, innovative Fortbewegung, neue Arbeitsprozesse, Digitalisierung ...

... was sich alles städtebaulich niederschlagen soll ...
Vor Jahrzehnten waren wir eine autogerechte Stadt mit geplanten und vorhandenen Hochstraßen, jetzt geht es in Richtung umweltverträglicher Öffentlicher Nahverkehr, Autos mit anderen Antrieben, Stadt der kurzen Wege ...

Das Konzept hat drei Stadträume für die Entwicklung benannt.
Ja, die Kernstadt, die östlichen Vororte und die Stadtteile am Rhein, die sich jeweils in Impulsräume differenzieren. Die Potenziale der Kernstadt, wo es unter anderem um Innenentwicklung und Verdichtung geht, sind andere als in den Vororten.

Was bedeutet das Konzept für die Stadt von morgen?
Ich halte es für fahrlässig, dass WiSeK, wie das Konzept auch genannt wird, die Stadt von morgen beschreiben soll. Wir definieren den Rahmen, in dem sich Wiesbaden entwickeln kann – und zwar so, dass die Lebensqualität so gut bleibt wie jetzt oder sich erhöht. Es wird einen erheblichen Bevölkerungszuwachs im Rhein-Main-Gebiet geben, steigende Mobilitätsansprüche und bauliche Erweiterungen. Dafür brauchen wir Flächen für Sport und Bewegung. Die neuen Quartiere werden teils eine höhere Qualität als manche alten haben.

Heiße Sommer wie dieser werden künftig häufiger vorkommen. Geht WiSeK darauf ein?
Es wird vermutlich keine großen Sprinkleranlagen geben, aber wir nehmen bei Neubaugebieten Rücksicht auf Zuluftströme, stärken die Begrünung, halten Steinflächen klein und bringen Wasser an die Oberfläche. Die Aufenthaltsqualität auf den Plätzen und Verkehrswegen wird sich erhöhen. Es wird mehr Radwege geben, und wir planen die Citybahn ins Neubaugebiet Ostfeld/Kalkofen so, dass sie schon da sein sollte, wenn die ersten Bewohner einziehen.

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