Lade Inhalte...

Wiesbaden „Wir suchen noch nach weiteren Angeboten“

Stefanie Bernzott kümmert sich um die Unterbringung der Flüchtlingsfamilien. Im FR-Interview spricht sie über das Engagement der Wiesbadener.

Stefanie Bernzott (50) kümmert sich seit 22 Jahren im städtischen Sozialamt um die Aufnahme und Unterbringung von Flüchtlingen. Sie weiß um die desolate Wohnungssituation vieler und wünscht sich, dass mehr Wiesbadener mithelfen.

Frau Bernzott, wie viele syrische Familien leben derzeit in Wiesbaden bei Verwandten?
Seit Anfang 2014 leben in Wiesbaden etwa 85 syrische Flüchtlinge, also etwa 25 Familien in privaten Wohnverhältnissen.

Nach welchen Kriterien haben Sie die Familien ausgewählt, die nun in das ehemalige Kloster ziehen?
Diese beiden Familien waren räumlich so sehr unter Druck, dass sie mehrfach um Hilfe bei der Unterbringung ihrer syrischen Verwandten gebeten haben.

Wie groß ist das Engagement der Wiesbadener, Privatwohnungen für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen?
Bisher gab es einige Angebote, die auch realisiert werden konnten. Wir suchen allerdings noch nach weiteren Angeboten. Bürgerinnen und Bürger, die Wohnraum an Flüchtlinge vergeben möchten, können sich gerne bei uns melden.

Warum engagieren sich nicht mehr Wiesbadener?
Warum es nicht mehr sind, mag am Wiesbadener Wohnungsmangel liegen oder aber an der Unsicherheit, wie das Ganze zu organisieren ist.

Der Flüchtlingsrat sowie einige Rathausfraktionen haben vor Kurzem die Pläne, in Biebrich Container für Flüchtlinge aufzustellen, heftig kritisiert. Gibt es Ihrer Ansicht nach überhaupt eine andere Möglichkeit, Flüchtlinge unterzubringen?
Container sind nur eine von mehreren Möglichkeiten, die wir für die Unterbringung der Flüchtlinge nutzen wollen. Darüber hinaus wird es Anmietungen von geeignetem Wohnraum im gesamten Wiesbadener Stadtgebiet geben.

Frau Chabo wünscht sich mehr Unterstützung. Wie müsste die aussehen?
Aufgrund ihrer gelungenen Integration hat Frau Chabo viele Behördengänge und Probleme selbst lösen können, bei denen Flüchtlingsfamilien normalerweise auf Hilfe durch Sozialarbeiter oder Dolmetscher angewiesen sind: neben der räumlichen und finanziellen Entlastung, dem Organisieren einer Privatwohnung, verbunden mit den Anmeldungen etwa bei Wohnbaugesellschaften und Versorgern, wird in der Folge Hilfe benötigt, um die Kinder einzuschulen, Kindergartenplätze zu sichern oder einen Deutschkurs zu finden. Auch Hausaufgabenhilfe, die die Eltern in deutscher Sprache häufig nicht leisten können, ist eine wichtige Hilfestellung.

Ist die Stadt Wiesbaden überhaupt auf so viele Flüchtlinge eingerichtet?
Wir unternehmen alles, um zeitnah auf die ständig und schnell wachsende Zahl von Flüchtlingen zu reagieren.

Was erwarten Sie von der Bundesregierung?
Natürlich sollte der Bund das Land und die Kommune finanziell besser ausstatten, damit wir den Ansturm personell bewältigen und geeignete Unterkünfte zur Verfügung stellen können.

Interview: Ute Fiedler

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum