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Wiesbaden Windkraft Sturm gegen Windkraft

Die Sitzung des Umweltausschusses kannte nur ein Thema: die Windräder auf dem Taunuskamm. Nach hitziger Diskussion und Präsentation des Eswe-Gutachtens stellt der Ausschuss die Weichen für den Windpark und empfiehlt die Abkehr vom FFH-Schutzgebiet.

Bürger machen viel Wind gegen Windkraft. Ob auf der Hohen Wurzel überhaupt genug Wind weht, weiß noch niemand. m.sch Foto: Michael Schick

In einer Sitzung des Umweltausschusses am Dienstag wurde das Thema Windkraft auf dem Taunuskamm erneut heftig diskutiert. Streitpunkt war das von der Betreiberfirma „Eswe Taunuswind GmbH“ in Auftrag gegebene Gutachten des Ingenieurbüros Schmal und Ratzbor über Auswirkungen durch den Bau von Windrädern. Doch stritten sich nicht die Fraktionen, sondern anwesende Bürger und Mitglieder des Vereins „Rettet den Taunuskamm“ mit Gutachter Günter Ratzbor.

„Eigentlich ist ein Ausschuss keine Plattform für Bürgerinitiativen“, mahnte der Vorsitzende des Umweltausschusses Ronny Maritzen (Grüne). Vielmehr sollten die Parlamentarier über den Stand der Dinge informiert werden.

Maritzen ließ trotzdem eine lange Bürgerfragestunde zu und der Ausschuss stimmte einem Rederecht für den Vereinsvorsitzenden von „Rettet den Taunuskamm“, Carsten Gödel, zu. Dieser kritisierte Ratzbors Gutachten, nannte es „unvollständig, und nicht fachkundig“. Gödel warf Ratzbor Befangenheit vor: „Sie sind nicht unabhängig, das Gutachten als Grundlage ist für diese Entscheidung nicht geeignet.“

Ratzbor war nach seinen Untersuchungen zu dem Ergebnis gekommen, dass Windräder auf der Hohen Wurzel nicht im Widerspruch zu den Zielen eines FFH-Gebiets stehen, dass Arten nicht gefährdet sowie Landschaftsbild und Erholungswert nur in „erträglichem Maße“ eingeschränkt würden.

Das Gutachten im Auftrag der Eswe ebnet den Weg für Windräder nahe der Stadt

Dies sei vor allem aus Wiesbadener Sicht der Fall, Taunusstein hingegen habe „freien Ausblick auf die Windräder“, sagte Ratzbor hämisch und machte damit die Bürger noch wütender. „Wenn sie kommen, hat der Wald keine Chance mehr“, rief einer. Ratzbor schien sein Auditorium nicht zu überzeugen. Die Fragen häuften sich: Ob das Grundwasser gefährdet sei, wie gefährlich es wird für Fledermäuse, Kraniche oder die Bewerbung zum Weltkulturerbe. Auf all diese Fragen hatte Ratzbor nur dünne Antworten.

Gödel hatte eigene Gutachten im Gepäck, die, wie er sagte, alle Argumente für Windkraft auf der Hohen Wurzel von Ratzbor entkräften würden. Er bat die Parlamentarier, sich die Ergebnisse der Nachforschungen anzuhören. Darüber wollte der Ausschuss zunächst beraten.

Die Frage nach der Wirtschaftlichkeit der Anlagen wurde lauter. Ein Vertreter der Eswe sprach zwar von 4,5 Prozent des Strombedarfs der Stadt Wiesbaden, den zehn Windräder auf dem Taunuskamm decken würden. Doch Messergebnisse über Windgeschwindigkeiten auf der Hohen Wurzel konnte er nicht vorlegen. Die würden erst noch vorgenommen.

Ausschuss will FFH-Gebiet verkleinern, damit Windräder gebaut werden können

Das kritisierte FDP Fraktionsvorsitzender Christian Diers als „verantwortungslose Zeitverschwendung“, schließlich wolle die Große Koalition die Entscheidung bereits im Herbst 2014 treffen. Auch Diers hielt Ratzbor für nicht unabhängig. Er sei „ein Berater und Mitstreiter der Eswe.“
Bürgerlistenchef Michael von Poser forderte den Ausschuss auf, sich vor einer Entscheidung die Untersuchungsergebnisse der Windkraftgegner anzuhören und alle Fragen zu klären.

Trotz schwebender Diskussionen stimmte der Ausschuss mehrheitlich einer vielleicht folgenschweren Magistratsvorlage zu: Die Stadt spricht sich gegenüber dem Regierungspräsidium Darmstadt dafür aus, das FFH-Gebiet auf der Hohen Wurzel zu verkleinern, damit dort überhaupt Windräder gebaut werden können. Nur die FDP stimmte dagegen. Umweltdezernent Arno Goßmann (SPD) war erleichtert: Man sei einen kleinen Schritt weiter.

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