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Wiesbaden Wiesbaden soll Filmstadt werden

Der Verein „Filmstadt Wiesbaden Netzwerk“ möchte die Filmbranche vernetzen und den „schlafenden Riesen“ wecken.

Filmstadt Wiesbaden Netzwerk e.V., Wiesbaden, Bild x von 1
Rüdiger Kortz und Birgit-Karin Weber präsentieren das Vereinslogo. Foto: Michael Schick (Michael Schick)

Wenn Rainer Hunold als Staatsanwalt im ZDF-Fernsehen ermittelt, dann hat Wiesbaden wieder seinen großen Auftritt. Dass die Krimi-Serie nicht nur in der Landeshauptstadt spielt, sondern auch von dem dort ansässigen Unternehmen Odeon-TV Film produziert wird, ist wenigen bekannt. Dabei gibt es 58 Produktionsfirmen im Bereich TV und Kino in der Stadt, von denen etliche Filme für ein breites Publikum drehen. Ein Verein möchte jetzt Wiesbaden als Filmstadt stärker ins Rampenlicht rücken.

„Die Branche ist in Wiesbaden ein schlafender Riese“, sagt der Kameramann Rüdiger Kortz, der gemeinsam mit der Regisseurin und Autorin Birgit-Karin Weber den geschäftsführenden Vorstand bildet. Den schlafenden Riesen soll der Verein „Filmstadt Wiesbaden Netzwerk“ nun wecken. Die Zeiten, in denen Romy Schneider im Heimatfilm „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“ in Wiesbaden auftrat und der Fernsehsender ZDF in der Straße Unter den Eichen bis in die 1980er Jahre hinein seinen Hauptsitz hatte, sind zwar längst vorbei. Aber inzwischen habe sich eine lebendige und hochkarätige Szene entwickelt, berichten die beiden. Es gebe Produzenten und Produktionsfirmen, Hochschulen und Ausbildungsmöglichkeiten, Archive und Institutionen und Festivals.

„Aber jeder schaut auf seinen eigenen Nabel“, sagt Kortz. Er und Weber sehen es als vordringliche Aufgabe des Ende 2017 gegründeten Vereins, die unterschiedlichen Akteure zusammenzubringen, in einer Art Plattform zum Austausch. Es gehe jetzt auch darum, den Zeitpunkt für den Schritt in die Zukunft nicht zu verpassen. „Bewegbild und digitale Transformation sind die Autoindustrie der Zukunft“, sagt Kortz mit Blick auf die Wirtschaftsunternehmen. Imagefilme, Werbefilme und Industriefilme würden mehr und mehr an Bedeutung gewinnen. „Wir möchten den Unternehmen klar machen, dass es zahlreiche Produktionsfirmen in Wiesbaden gibt. Da braucht man niemanden in Berlin oder München zu beauftragen“, sagt Weber. Menschen, die in Medien und Film tätig sind, sollten sich jetzt in Stellung bringen. Der Verein könnte daher auch Symposien organisieren darüber, was die digitale Transformation für die Medien und die Wirtschaft bedeutet. Möglich ist auch einen Juniorcampus ins Leben zu rufen, damit Schüler von jung auf Filme drehen, sich austauschen und an Praktika im Filmgeschäft kommen können. Kortz träumt von einem Wettbewerb mit der spanischen Partnerstadt San Sebastian, von einem digitalen Schaufenster für die Filmprodukte und Thementagen. „Nicht klein denken“, sagt er. Die Branche solle raus aus ihrer zögerlichen Haltung.

Die Initiatoren versprechen sich nicht nur einen Gewinn für die einzelnen Unternehmen der Branche. Von einem erstarkenden Filmgewerbe profitiere auch die Stadt. 35 000 Personen besuchten die Wiesbadener Filmfestivals im Jahr und 2000 Hotelübernachtungen gingen auf die Filmbranche zurück. „Wir sind ein Wirtschaftsfaktor“, sagt Weber, und der solle größer werden. Die Idee für das Netzwerk kam von der ehemaligen Kulturdezernentin Rose-Lore Scholz (CDU), die zu regelmäßigen Branchentreffen eingeladen hatte. Der Kulturdezernent und der Wirtschaftsdezernent sind als Beisitzer im erweiterten Vereinsvorstand vertreten. 25 Mitglieder hat der Verein bereits.

Dennoch sind die Filmleute auf die Unterstützung Dritter angewiesen. Die Stadt hat bereits zugesagt, auf ihrer Website Seiten bereitzustellen, auf denen sich Unternehmen über das Filmgewerbe informieren könnten. Was noch fehle sei Geld für Vereinsräume, Personal, Stipendien, Start-Ups und die Einrichtung eines Master-Studiengangs in Wiesbaden, sagt Weber und hofft auf die private Wirtschaft und öffentliche Träger.

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