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Wiesbaden Unwetter Nach der Flut

Ein heftiges Unwetter hat über Wiesbaden gewütet. Die Rambacher feierten trotz der Wassermassen ihr 750-Jahre-Fest. Die Flut richtete allerlei Unheil an. So bleibt das Kurhaus vorerst geschlossen.

13.07.2014 18:01
Jana Kinne
Der Salzbach hatte Rambach überflutet. Foto: Gert Neitmann

Am Morgen nach der Flut scheint die Sonne über Rambach. Wassertropfen glitzern auf weißen Plastiktischdecken, Helfer bringen Fett zum Frittieren von Pommes frites und Popmusik beschallt die Ortsmitte. Nur die Schlammspuren an den Häusermauern verraten, wie hoch das Wasser am Freitagnachmittag, als der Salzbach über die Ufer trat und sich als stürzender Bach über den Ort ergoss, stand.

Kurz nach 16 Uhr war es, als der in Teilen unterirdisch verlaufende Bach nach einem Unwetter aus seinem vorgefassten Bett trat und über Ablaufgitter, die von Zweigen und Geröll verstopft waren, schwappte. 70 Keller liefen in Rambach voll. Auch Nauroder Bürger meldeten Schäden. Das Zentrum Rambachs, in dem bereits Buden und Bierzeltganituren für das 750-Jahre-Fest bereit standen, wurde überschwemmt. Auch in die Wiesbadener Innenstadt trug der Bach die Wassermassen. Die Wilhelmstraße und die Straßen an den Quellen wurden überflutet. Keller und Tiefgarage des Kurhauses liefen voll, das Studio des Staatstheaters stand unter Wasser.

„So ein Hochwasser habe ich noch nie erlebt“, sagt die Rambacher Ortsvorsteherin Erika Nissen (SPD). Sie will sich vom Umweltamt beraten lassen, wie so ein Unglück künftig zu verhindern sei, doch zunächst kümmere sie sich um die Aufräumarbeiten.

Schon am Abend des Unwetters hatten rund 100 Menschen mit Schippen und Besen den Ort vom Schlamm befreit. Junge und alte Menschen – Seite an Seite. „Das sagt viel über den Zusammenhalt im Ort aus“, sagt Nissen. Bürgermeister Arno Goßmann (SPD) und Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) waren da, um zu helfen und am Ende auch mit den Rambachern zu feiern.

Gert Neitmann vom Vereinsring Rambach organisiert seit zwei Jahren gemeinsam mit Verantwortlichen aus 20 Vereinen das Jubiläumsfest. „Das Hochwasser kann die Rambacher nicht abhalten, auch am Samstag wieder zu feiern“, sagt er. Das Programm sei um Elemente des Vorabends ergänzt worden. Feiertagslaune statt Schockstarre vermitteln die Rambacher.

Auch Beate Lugner lässt sich vom Wasser nicht unterkriegen. Emsig arbeiten die Helfer in ihrem weiß gefliesten Keller, den die Therapeutin als Praxis nutzt. Freunde und Familie sind vor Ort, um den braunen Schlick aus dem Haus zu putzen.

Doch auch Ortsfremde werkeln im Rambacher Keller. Carla Spellerberg ist am Samstagmorgen einem Facebook-Aufruf gefolgt. Direkt nach der Flut hatte Mario Bohrmann die Gruppe „Fluthilfe Wiesbaden“ gegründet. Rund 660 Menschen haben sich dort zusammengeschlossen, um zu helfen. Sie räumen auf oder bringen geschmierte Brote.

Auch vor dem Lager von Elektro-Hohl wird am Samstag noch gearbeitet: Lena (7) schiebt mit energischen Bewegungen schlammiges Wasser vom Hof. Das Lager des Elektrogeschäfts war am Freitag vollgelaufen. Zwei Autos des Betriebs schwammen im Wasser. „Ich hoffe, dass die Versicherung zahlen wird“, sagt Claudia Übel, die Tochter des Inhabers.

Tiefgarage überspült

Für die Wiesbadener Feuerwehr und das Technische Hilfswerk ist der Großeinsatz auch am Sonntag nicht beendet. „40 Einsatzkräfte sind weiterhin im Kurhaus tätig, um Keller und Tiefgarage vom Wasser zu befreien“, sagt Christian Füllert vom Lagedienst der Berufsfeuerwehr. Bei der Flut war die Tiefgarage unter dem Bowling Green, in der 70 Autos parkten, überspült worden.

Oberbürgermeister Sven Gerich rechnet im Kurhaus mit einem Millionenschaden: Wir können ihn noch nicht genau beziffern, aber er wird höher sein als 1999, als eine Flut dort zwei Millionen D-Mark Schaden verursachte“, sagt er. Er rechne damit, dass das Kurhaus einige Wochen geschlossen bleiben müsse, weil die Haustechnik betroffen sei. Nach der Flut verspricht der Oberbürgermeister den Hochwasserschutz auf den Prüfstand zu stellen.

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