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Wiesbaden Umweltfestival mit Touch

Besucher genießen beim Umweltfestival die Atmosphäre im Aukammtal.

Apothekergarten
Landschaftsarchitekt Thomas Wenzler (in orangenen T-Shirt) führte durch den Apothekergarten. Foto: Monika Müller

Gänseblümchen für die Schönheit, Goldrute für eine bessere Spermienqualität – und der bei Gartenbesitzern so verhasste Giersch soll gegen Gicht helfen. Doch Vorsicht, es gebe auch ein paar giftige Doppelgänger, warnt Thomas Wenzler auf seinem Wildkräuterspaziergang die Teilnehmer. Der Landschaftsplaner und gelernte Gärtner kann seinen etwa 70 Zuhörern den Giersch diesmal nicht zeigen, im Landschaftspark Aukammtal finden sich wegen der Dürre kaum Wildkräuter.

Deshalb verlegt Wenzler den Spaziergang, den er anlässlich des Umweltfestivals anbietet, kurzerhand in den besser bewässerten Apothekergarten. „Mein Anliegen ist, dass sie hinterher anders über Pflanzen denken“, hat er vorab den Teilnehmern erläutert. „Und dass sie künftig alle mehr Wildkräuter – sogenannte Unkräuter – essen.“ Zwei Jungen probieren es gleich aus, sie pflücken jeder ein Gänseblümchen und stecken es sich in den Mund.

Zum zweiten Mal hat der Integrationsbetrieb Grünklusion das zweitägige Umweltfestival im Landschaftspark Aukammtal organisiert. Das gemeinnützige Unternehmen erbringt durch Menschen mit Behinderungen Dienstleistungen im Natur- und Umweltschutz, Naturpädagogik sowie Gewässer- und Hochwasserschutz. Das Festival wiederum bietet bei freiem Eintritt den Besucher vielfältige Informationen zu Umweltthemen und die Gelegenheit, die Arbeit verschiedener Initiativen, Projekte, Vereine und Organisationen kennenzulernen.

„Viele Wiesbadener interessieren sich für Natur- und Artenschutz“, weiß Roland Petrak aus der täglichen Arbeit des städtischen Umweltladens. Der Diplom-Biologe leitet die Umweltberatung und –information des Umweltamts. Rund 15 000 Ratsuchende wenden sich pro Jahr an den Umweltladen, erkundigen sich zum Beispiel nach Abfallvermeidung und –entsorgung, Recycling sowie Mobilität oder wollen sich selbst engagieren. „Entweder haben sie schon konkrete Vorstellungen oder sie wollen einen Überblick über die Gruppen für Erwachsene oder Kinder in Wiesbaden.“ Die Stadt ist mit mehreren Ständen des Umweltamts auf dem Festival dabei und unterstützt es zudem mit 15 000 Euro.

Zahlreiche Familien machen mit

Zahlreiche Familien mit Kindern sind am Samstagnachmittag ins Aukammtal gekommen und probieren die naturpädagogischen Angebote aus. An der Feldschmiede der Moccasin Tracks Wildnisschule erfragt ein Elternpaar die Angebote für Kindergeburtstage. Die beiden Söhne binden sich die langen Schürzen um. Gleich werden sie mit dem Schmied Hubert Glücksbringer aus eisernen Hufnägeln anfertigen.

Das Ehepaar Helga und Joachim Schulze aus Hofheim-Wildsachsen interessiert sich für Naturschutz und Slowfood. Am Stand des Rhein-Taunus-Klubs Wiesbaden (RTKW) nehmen sie einen Flyer mit den Terminen für die nächsten Wanderungen mit. Auf ihren Touren auf eigene Faust haben sie festgestellt, dass auf Wanderwegen öfter die Wegmarken fehlen oder unklar sind.

„Die Wegmarken-Schilder werden häufiger einmal als Souvenir mitgenommen“, sagt Markus Kairies, der stellvertretende Vorsitzende des RTKW. Der 1982 gegründete Verein mit 380 Mitgliedern sucht weitere Wegepaten wie auch neue Wanderfreunde. „Der Vorteil unserer Touren ist, dass man auch einmal andere Wege geht als in den Wanderführern stehen – ohne sich zu verlaufen“, erläutert Kairies.

Stephan Michel und Annette Schröder aus Wiesbaden sitzen essend auf einer Bank im Schatten und hören den fünf Musikern zu, die nebenan spielen. Die beiden besuchen das Festival, um die Diskussion über nachhaltige Mobilität in Wiesbaden und das Streitgespräch über die Citybahn zu hören. Außerdem hatten sie gehört, „dass das Umweltfestival so ist wie ‚Folklore im Garten‘ am Anfang“, sagt Michel: „Einen Touch davon hat es.“

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