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Wiesbaden Theatermacher gehen in Klausur

Das Künstlerhauses 43 kann sich in Wiesbaden Festspiele à la Bad Vilbel vorstellen. Dort kommen zu den etwa 100 Vorstellungen pro Jahr etwa 100.000 Zuschauer. Aber zuvor muss die Finanzierung geklärt sein.

Stimmungsvolles Burgtheater. Foto: Künstlerhaus43

Wolfgang Vielsack, seine Frau Susanne Müller und das Team des freien Theaters Künstlerhauses 43 stecken derzeit die gesamte Energie in ihre Festspiele, die in wenigen Tagen in der Burgruine Sonnenberg das Publikum begeistern sollen. Dass die Theatermacher großen Spaß an dem haben, was sie tun, ist ihnen anzumerken. Wären da nicht die Geldsorgen, die sie seit jeher umtreiben.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Vielsack nach den Festspielen, die damals noch Burgfestspiele hießen, erklärt, dass es so finanziell nicht weitergehen könne. Vielsack hoffte damals noch auf einen höheren Zuschuss der Stadt für das Künstlerhaus 43 und somit für die Festspiele. Doch dieser blieb aus, und die Theatermacher mussten sich etwas einfallen lassen, um das ehrgeizige Projekt auch im fünften Jahr stemmen zu können.

Dichterstreit auf der Burg

So werden in diesem Juli nur noch zwei statt wie bislang drei eigene Produktionen gezeigt – „mehr können wir uns nicht leisten“, sagt Vielsack. Schließlich müssen die Schauspieler bezahlt werden, Technik, Kostüme und Werbung verschlingen zudem einen Großteil des Budgets, dessen Höhe Vielsack nicht preisgeben will.

Um den Zuschauern dennoch etwas zu bieten, werden die Stücke öfter gespielt. „Es wird in diesem Jahr mehr Vorstellungen geben als in den Jahren zuvor.“ Zudem wird im Jubiläumsjahr zu einem Dichterstreit, einem Open Air Poetry Slam eingeladen und Alice Hoffmann, die Hilde aus der Serie Heinz Becker, hat sich zu einem Gastspiel angekündigt.

Gespielt werden Pippi Langstrumpf und Kishons „Es war die Lerche“, eine Hommage an Shakespeare, der vor 400 Jahren starb. Das Stück um Romeo und Julia könnte nicht besser ins Jubiläumsjahr der Festspiele passen. „Schließlich war Romeo und Julia eine der ersten Produktionen des Künstlerhauses 43“, sagt Vielsack, der ankündigt, nach den Festspielen Bilanz ziehen zu wollen. „Wir werden in Klausur gehen und überlegen, wie es weitergeht. Wir müssen uns neue Finanzierungskonzepte überlegen.“

Theatermacher auf der Suche nach Sponsoren

Dürften sich die Theatermacher etwas wünschen, so wäre dies ein Sponsor, der ihnen mindestens für die nächsten fünf Jahre finanziell unter die Arme greift. „Dann hätten wir endlich Planungssicherheit und würden nicht mehr Jahr für Jahr ein solch großes Risiko eingehen. Schließlich steht und fällt eine solche Veranstaltung ja auch mit dem Wetter.“ Im vergangenen Jahr hatten die Festspiele mit einem Defizit abgeschlossen.

Es ist die Leidenschaft für die Schauspielerei, die Vielsack und sein Team jedes Jahr wieder dazu bringt, das Wagnis einzugehen. Und auch die Leidenschaft für die Kultur, die auf diese Art vermittelt werde, motiviert sie. Wolfgang Vielsack erinnert sich an die Aufführung des Stücks „Der Fischer und seine Frau“. Dieses hatte ein Übersetzer simultan für Flüchtlinge ins Arabische übersetzt. Die Aktion sei ein voller Erfolg gewesen. „Das könnten wir uns auch bei den Sommerfestspielen vorstellen“, sagt Vielsack. Der Übersetzer stehe bereits parat, jedoch würden auch hierfür Sponsoren gesucht.

5000 Gäste waren im vergangenen Jahr zu den Vorstellungen in der Burgruine gekommen. 1500 waren es 2014. „Das Potenzial ist groß“, sagt Vielsack. Er könne sich auch in Wiesbaden Festspiele à la Bad Vilbel vorstellen. Dort kommen zu den etwa 100 Vorstellungen pro Jahr etwa 100 000 Zuschauer. Aber zuvor muss die Finanzierung geklärt sein.

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