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Wiesbaden Theater, Spiel und Kunst

Seit zehn Jahren betreiben Wolfgang Vielsack und Susanne Müller das Künstlerhaus43

19.11.2015 17:25
Irmela Heß

Er liebe es, in scheinbar ausweglosen Situationen zu geraten. Und er finde es spannend, wenn etwas schief läuft. Kein Wunder, dass Wolfgang Vielsack ein Faible für Improvisationstheater hat. Und für noch viel mehr: Der 51-Jährige betreibt mit seiner Frau Susanne Müller unter anderem seit zehn Jahren das Künstlerhaus43 an der Oberen Webergasse; ein Haus für Theater, für Workshops, für Kulturfeste und Ausstellungen. Wie lange es das Künstlerhaus43 in seiner jetzigen Form noch gibt, weiß der künstlerische Leiter nicht. Noch nicht. Aber eines weiß er: „Wenn die Stadt die Zuschusslage nicht ändern kann, können wir so nicht weiter machen.“

Vielsack war Bauzeichner, Kraftfahrer, vegetarischer Koch und begann er mit 26 eine Schauspielausbildung; seine Frau ist Medienwirtin. Dass ihr Konzept sie über zehn Jahre trägt, hätten die beiden wohl eher nicht geglaubt – wenn sie denn darüber nachgedacht hätten. Haben sie aber nicht, sondern leidenschaftlich losgelegt nach dem Motto: „Der Weg entsteht beim Gehen.“

Als das alte Arbeiterhaus bei ihnen um die Ecke günstig zu vermieten war, griffen sie zu – obwohl Wolfgang Vielsack eigentlich nur ein Büro suchte, weil die Wohnung nach der Geburt des Nachwuchses zu klein wurde.

Wolfgang Vielsack und Susanne Müller entwickelten ein Theater-Konzept für das Gebäude, das in früheren Jahren als Kulturhaus, aber noch nicht als Theaterbühne genutzt worden war – und dafür eigentlich wegen der kleinen Räume ungeeignet ist. Aber es hat eine eigene Atmosphäre – deshalb gibt es seit zehn Jahren Theater ohne Bühne für jeweils etwa 45 Zuschauer.

Wolfgang Vielsack und wechselnde Schauspieler, darunter seine Frau, die sich auch um Bühnenbild, Kostüme und Maske kümmert, spielten und spielen Stücke, die er oder ein beauftragter Künstler speziell für die Inszenierung im Künstlerhaus43 geschrieben hat: „Romeo und Julia im Bergkirchenviertel“ – ein bisschen Shakespeare und viel Improvisation – oder „Napoleon erobert Wiesbaden“.

Kulinarische Todsünden

Zurzeit steht „Der kleine Prinz“ auf dem Spielplan, selbstverständlich abgewandelt, ohne allerdings die wesentliche Aussage zu verändern. Und weil es „Dinnertheater“ heißt, können die Zuschauer sieben kulinarische Todsünden genießen.

Außer den Theateraufführungen gibt es viele andere Veranstaltungen im Künstlerhaus43, Abende mit Poetry Slam etwa oder mit Kabarett. Und als wenn es nicht genug Arbeit wäre, ein kleines Theater zu betreiben, sucht sich Vielsack, der auch als Clown „Dr. Hugo Schnipsel“ in Seniorenheimen auftritt und regelmäßig Theater-Workshops leitet, stets neue Projekte: Zweimal organisierte er den Theatersommer, zweimal die Burgfestspiele, ein aufreibendes Unterfangen, das nur deshalb in diesem Jahr einigermaßen gelang – mit einem Minus von 12 000 Euro –, weil er „wahnsinniges Glück“ hatte: Das Wetter war schön, und es gab einen Überraschungssponsor. Gibt es eine Fortsetzung der Burgfestspiele im nächsten Jahr? Und wie sieht überhaupt die Zukunft aus?

„Ich weiß nicht, wovon wir nächstes Jahr leben werden“, sagt Vielsack gelassen und meint mit „wir“ seine zwei Kinder und seine Frau. Bedrückt oder ängstlich ist er deshalb nicht. „Es hat keinen Sinn, zu weit voraus zu denken. Im Leben gehen immer wieder neue Türen auf.“

Ideen und Wünsche hat er selbstverständlich: „Wir suchen ein größeres Theater, denn du brauchst eine gewisse Größe, um in die Nähe von Wirtschaftlichkeit zu kommen.“ Und eine Freiluftspielstätte für die Sommermonate hätte er auch gern.

Rund 27 000 Euro Zuschuss hat er in den vergangenen vier Jahren pro Jahr von der Stadt erhalten, hat mit großem Engagement rund 140 Veranstaltungen pro Jahr angeboten. Der Blick zurück macht ihn zufrieden und dankbar. Nach wie vor steht er gern auf der Bühne, improvisiert, inszeniert, denkt sich Neues aus. Aber er merkt auch, dass er heute die 16-Stunden-Arbeitstage nicht mehr so leicht wegsteckt.

Trotzdem ist er mit sich im Reinen und will weiterhin Theater machen. „Wenn ich in einem normalen Beruf geblieben wäre, hätte ich jetzt ein Haus und würde mehrere Wochen im Jahr Urlaub machen. So aber gleicht unser Leben ein bisschen einem Zirkus – nur dass wir nicht hin und her reisen. Aber das ist in Ordnung so.“

„Der kleine Prinz“ wird in diesem Jahr noch an folgenden Tagen gespielt: 20. November, 21. November, 18. Dezember 2015, jeweils um 20 Uhr. Infos unter www.kuenstlerhaus43.de.

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