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Wiesbaden Streit um Hilfen für Hebammen

Der Hebammenmangel in Wiesbaden ist dramatisch. Die Stadtverordneten machen dem Gesundheitsamt schwere Vorwürfe.

Frauen in Hessen
Wiesbadens Frauenbeauftragte Saskia Veit-Prang setzt sich leidenschaftlich für die Hebammen in der Stadt ein. Foto: Rolf Oeser

Der kommunalen Frauenbeauftragten Saskia Veit-Prang drohte im Ausschuss für Frauen und Wirtschaft am Dienstag der Kragen zu platzen. „Die arbeitenden und erfahrenen Hebammen sind unser höchstes Gut“, sagte sie in einer leidenschaftlichen Rede. Sie zu verlieren, müsse unbedingt verhindert werden. Eine Umfrage habe ergeben, dass von 35 befragten Wiesbadener Hebammen elf ihre Tätigkeit einschränken wollten. Deshalb sei es unsinnig, Geld für die Werbung von Hebammenschülerinnen auszugeben, die erst in drei Jahren die Ausbildung beginnen und in sechs abschließen würden. Dies hatte die Leiterin des Gesundheitsamts, Kaschlin Butt, als eine der Hilfen für die Hebammen vorgeschlagen.

Die Hebammenschule der Horst Schmidt-Kliniken beginnen nur alle drei Jahre mit einer Ausbildung, gerade hat wieder ein Jahrgang angefangen. Die Stadt hatte im Februar 30 000 Euro für die Unterstützung der Wiesbadener Hebammen genehmigt, um deren akute Notlage zu lindern und ihren Beruf attraktiver zu machen. Angekommen ist davon noch nichts.

Der Hebammenmangel ist dramatisch. In der Stadt können nur noch die Hälfte der Wöchnerinnen von niedergelassenen Hebammen versorgt werden, weil viele ihren Beruf aufgeben oder Nachwuchskräfte fehlen. „Wir müssen schnell Vertretungsnetzwerke und einen zentralen Hebammenruf aufbauen, die Kolleginnen sind überlastet und laufen uns in Scharen davon“, erklärte eine Hebamme. Judith Jeron, Sprecherin der Gruppe „Hebammen in Wiesbaden“, sagte, die 30000 Euro seien nur ein Signal, weitere Hilfen müssten folgen.

Wie das Geld einzusetzen wäre, hat die Gruppe nach jahrelanger Gremienarbeit detailgenau in ein Konzept eingearbeitet und dem Gesundheitsamt vorgelegt. Eigentlich sollte schon danach gearbeitet werden. Doch passiert ist nichts. Gesundheitsamtsleiterin Kaschlin Butt musste sich deshalb schwere Vorwürfe anhören. „Es ist nicht nachvollziehbar, warum das Gesundheitsamt nicht mitteilt, wie das Konzept umgesetzt wird“, schimpfte Anita Hebenstreit, frauenpolitische Sprecherin der SPD.

„Die Situation brennt in Wiesbaden, es ist nicht klar, warum der akute Finanzbedarf nicht gedeckt wird“, sagte Gabriele Enders, FDP. SPD-Stadtverordnete Christa Knauer sprach gar von Unterlassung, für die Butt verantwortlich sei, das Vertrauen ins Gesundheitsamt sei angekratzt. Weder liege das Konzept der Hebammen noch eines des Gesundheitsamts vor, wurde moniert. Butt trug mündlich vor, dass sie plane, 10 000 Euro, ein Drittel der freigegebenen Summe, dafür auszugeben, in den Abschlussklassen für den Hebammenberuf zu werben, und Existenzgründungsseminare und Imagekampagnen anzustoßen, allerdings ohne Zeitplan. Dies gefiel dem Gremium nicht.

Der Ausschuss beschloss einstimmig, dass das Gesundheitsamt mit dem zuständigen Dezernenten Detlev Bendel, CDU, und den „Hebammen in Wiesbaden“ sofort festlege, welche Vorschläge aus deren Konzept umgesetzt werden. Dieses enthält finanzielle Hilfen für Existenzgründungen, Qualitätsmanagement und eine Koordinationsstelle.

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