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Wiesbaden Straße in Schierstein ist nach dem Falschen benannt

Nach Bernhard Schwarz wurde eine Straße benannt. Jetzt steht der Verdacht im Raum, dass der Falsche geehrt wurde.

17.03.2012 21:43
Fabian Siegel

Ehre, wem Ehre gebührt. Doch was, wenn plötzlich der Falsche geehrt wird? Die Anwohner in Schierstein sind davon überzeugt, dass genau das in ihrem Stadtteil passiert ist: Namensgeber für die „Bernhard-Schwarz-Straße“ am Schiersteiner Hafen soll nämlich ein ganz anderer sein als der, der im Moment auf den kleinen Erklärungsschildern unter dem Straßennamen steht.

„Evangelischer Geistlicher und Schriftsteller, 1844 bis 1901“ prangt da in schwarzen Buchstaben auf weißem Grund. Doch diesen Bernhard Wilhelm Schwarz, Afrika-Forscher in den deutschen Kolonien, verbinde so gut wie nichts mit Wiesbaden – außer, dass er am 4. Februar 1901 in der heutigen Landeshauptstadt gestorben sei, sagt Martin Lutz, Kantor der evangelischen Christophorusgemeinde in Schierstein.

„Nach allem, was wir wissen, hat dieser Bernhard Schwartz nur seinen Ruhestand hier verbracht“, sagt er. Bei der Umbenennung der Straße im Jahr 1955 sei stattdessen ein ganz anderer gemeint gewesen: Bernhard Schwartz mit „tz“, erster Pfarrer der Christopherusgemeinde und rund 100 Jahre vor dem Afrikaforscher geboren. „Unter diesem Bernhard Schwartz wurde von 1752 bis 1754 die Christopheruskirche gebaut, deren erster Pfarrer er anschließend wurde“, sagt Robert Schäfer, Ehrenvorsitzender des Heimatmuseums Schierstein. Nachforschungen hätten ergeben, dass Schwartz aus Walsdorf stammte. 1736 wurde er evangelischer Pfarrer in Schierstein.

Als die Christopheruskirche Mitte der 1950er Jahre unter einem eifrigen Gemeindepfarrer renoviert worden sei, habe dieser auch die Umbenennung der Straße in die Wege geleitet, sagt Robert Schäfer. Demnach wäre damals allerdings das „t“ im Nachnamen unterschlagen worden. „Als dann vor einigen Jahren die Erläuterungsschilder angebracht wurden, hat man wahrscheinlich den erstbesten Bernhard Schwarz genommen, der im Internet zu finden war“, vermutet Kantor Lutz. Schon vor einigen Jahren habe er die Ortsverwaltung auf den möglichen Fehler hingewiesen, passiert sei aber nichts.

Die Grünen haben deswegen beim Schiersteiner Ortsbeirat beantragt, die Namensgebung der Straßen zu prüfen und gegebenenfalls zu korrigieren. Uwe Conrad vom Tiefbauamt verspricht bereits jetzt, die Namensnennung prüfen zu lassen. „Wir werden nachforschen, ob tatsächlich der Gründer der Christopherusgemeinde gemeint war oder doch der Bernhard Schwarz, der dort jetzt steht“, sagt er. Fehle tatsächlich seit 60 Jahren das „t“ im Namen, bedeute das ja auch, dass die Straße in allen Karten und Postadressen falsch aufgeführt würde.

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