Lade Inhalte...

Wiesbaden Stadtmuseum Noch wie eine kühle Kunsthalle

Der Gestaltungsbeirat der Stadt hat den Plan von Architekt Helmut Jahn für den Bau des Stadtmuseums hart kritisiert. Der Innenraum entspreche nicht den Anforderungen. Von Material und äußerer Gestaltung zeigt sich der Beirat ebenso wenig überzeugt.

So soll‘s aussehen, das neue Stadtmuseum. Den Entwurf fertigte der deutsch-amerikanische Architekt Helmut Jahn. Foto: dpa

Die Lobeshymnen über den Entwurf des Stadtmuseums sind verstummt. In der gestrigen Sitzung des Gestaltungsbeirats kassierte der verantwortliche Stararchitekt Helmut Jahn Kritik für seine Idee vom Stadtmuseum. „Es steckt noch viel Arbeit in diesem Gebäude“, sagte die Vorsitzende des Beirats Gesine Weinmiller. Sie nannte den Entwurf eine „Kunsthalle“ in die erst noch ein Stadtmuseum einziehen müsse.

Doch leider war der Verfasser des Entwurfs nicht einmal persönlich anwesend. Er weile auf einer Biennale in Venedig, hieß es. Stattdessen stellten Vertreter des auftraggebenden Projektbüros OFB und Steffen Duemler, Architekt in Jahns Büro, dem Gremium nocheinmal die Pläne für Wiesbadens Herzenswunsch vor.

Der Entwurf zeigt an der Wilhelmstraße, Ecke Rheinstraße ein modern aussehendes, rechteckiges Gebäude aus Glas und Stahl mit einem ausladenden Vordach an dem eine riesige Leinwand hängt. Darunter ergibt sich eine Fläche, auf der die bereits bestehende Grünfläche erhalten bleiben soll. Außerdem sei Platz für den Außenbereich eines Cafés, das im Stadtmuseum unter kommen werde und ein „Ort der Begegnung“ entstehe, erläuterte Architekt Duemler.

Material und Konzept überzeugen Beirat nicht

Die Räume gestalten sich alle weitläufig und mit hohen Decken. Im Erdgeschoss befindet sich ein riesiger Eingangsbereich mit gläserner Front, Büroräume, Raum für den Ticketverkauf, eine Garderobe und ein Multifunktionsraum, in dem „auch mal ein Jazzkonzert stattfinden kann“, sagte OFB Chef Alois Rhiel. Der gesamte hintere Bereich ist für die Dauerausstellung des Museums vorgesehen und nach außen verkleidet, sodass kein Tageslicht herein kommt.

Zentral führt eine Treppe in den ersten Stock. Im vorderen Bereich sind hier 600 Quadratmeter für Sonderausstellungen angedacht. Die Front in Richtung Westen lässt Tageslicht und einen Blick auf die Wilhelmstraße zu. Jedoch werde das Dach und die Leinwand für ausreichend Schatten sorgen, so Duemler. Auch im ersten Stock ist der hintere Bereich für die Dauerausstellung reserviert. Insgesamt entstehen 800 Quadratmeter Fläche für die Dauerausstellung.

Doch das, was Rhiel in der Sitzung anpreiste, wie etwa dass das Gebäude durch sein Material, als „Kontrapunkt“ zu den umliegenden auffällig werde, oder das Konzept von einem „Museum, dass nicht nur ein Museum sein will“, schien die Mitglieder des Gestaltungsbeirats gar nicht zu überzeugen. Beiratsmitglied Rena Wandel-Hoefer appellierte an die Architekten sich bei der Gestaltung des Innenraums noch einmal intensiv mit den Anforderungen eines Stadtmuseums auseinander zusetzten.

Die bisherige Raumkonfiguration mute nämlich bisher eher wie eine kühle Kunsthalle an, als ein erlebbares Stadtmuseum. Das müsse schließlich auch Kleinteiliges unterbringen. „Ich rate ihnen dringen zum Dialog mit den späteren Nutzern“, sagte Wandel-Hoefer.

Entwurf soll nochmal besprochen werden

Das Äußere blieb auch nicht von Kritik verschont. Ob das Gebäude überhaupt kräftig genug sei, um sich durch eine neue Materialität an dieser Stelle zu behaupten, fragte sich der Beirat. „Die Materialität sollten sie noch einmal grundsätzlich überdenken“, so Wandel-Hoefer. Auch das markante Dach des Gebäudes bezeichnete der Beirat „als kein ganz neues Signé“.

„Ist das schon der Weißheit letzter Schluß“, fragte Wandel-Hoefer. Die Leinwand solle auch geprüft werden: „Es sieht im Entwurf so aus, als ob die Leinwand hinter den Platanen, die an der Wilhelmstraße stehen, hängt und nicht ganz zu sehen ist“, sagte Wandel-Hoefer. Da jedoch Helmut Jahn, als Verfasser des Entwurfs nicht bei der Sitzung anwesend war, kam auf de Kritik des Beirats hin kein Dialog zustande. OFB Chef Rhiel und Architekt Duemler nahmen die Anregungen des Beirats auf und einigten sich, in einer Sondersitzung zusammen mit Jahn das Gespräch fortzusetzen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen