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Wiesbaden SPD verliert Stimmen an AfD

Das Statistikamt zeigt in seiner Analyse Wählerwanderungen in Wiesbaden auf. Die SPD verliert demnach viele Stimmen an die AfD.

25.03.2016 18:54
Von Peter H. Eisenhuth

In die Deutung seiner Zahlen möchte Ersin Özsahin nicht einsteigen. „Das machen wir ungern“, sagt der Mitarbeiter des Wiesbadener Amtes für Strategische Steuerung, Stadtforschung und Statistik. Die Analyse der Wählerwanderung bei der Kommunalwahl soll für sich stehen, und daraus Schlüsse zu ziehen, wird letztlich Aufgabe der Parteien sein.

Doch auch, wenn die Ausarbeitung nichts von dem auf den Kopf stellte, was Özsahin und seine Kollegen vermutet oder erwartet hatten: Das eine oder andere überraschende Ergebnis kam dabei doch heraus. Zum Beispiel, dass der CDU bei Weitem nicht so viele Wähler in Richtung AfD abhandengekommen sind, wie beschworen wurde. „Das war nicht die große Masse“, sagt Özsahin. Nach den Schätzungen der Statistiker wählten diesmal 7,8 Prozent jener Wähler die AfD, die vor fünf Jahren noch ihr Kreuz bei der CDU gemacht hatten.

Von den unzufriedenen ehemaligen Unionswählern profitierte die FDP: 16,4 Prozent der bisherigen CDU-Stimmen griffen die Liberalen ab. Bezieht man die umgekehrte Wanderungsbewegung mit ein, bleibt unterm Strich ein Plus von rund 3500 Stimmen für die FDP. Bundesweite Untersuchungen lassen den Schluss zu, dass es sich auch bei dieser Gruppe zum größten Teil um Wähler handelte, die mit der Haltung des Bundeskanzlerin unzufrieden waren – die aber nicht den Parolen vom rechten Rand des Parteienspektrums folgen mochten. Die Trennlinie zwischen diesen beiden der CDU abspenstig gewordenen Gruppen lässt sich weitgehend an wirtschaftlichen Unterschieden ablesen. Amtsleiter Christian Hepp hatte schon bei der ersten Auswertung der Ergebnisse gesagt: „In den bürgerlichen Stadtteilen verliert die CDU an die FDP, in den eher prekären Milieus an die AfD.“

Nichtwähler schaden Grünen

Letzteres gilt auch und in noch viel stärkerem Maße für die SPD. Die Sozialdemokraten, die aus den jüngsten Wahlen als stärkste Kraft im Stadtparlament hervorgingen, mussten zu keiner Partei nennenswerte Abgänge befürchten – außer zur AfD: Fast 22 Prozent ihrer Wähler von 2011 entschieden sich diesmal für die Rechtspopulisten. Dass dafür keine kommunalen Themen wie der Streit ums Alte Gericht oder der Grundstücksdeal mit der OFB den Ausschlag gaben, liegt auf der Hand. Wer nur seinem Protest gegen die Arbeit der Großen Koalition Ausdruck verleihen wollte, hatte dafür reichlich andere Alternativen.

Die SPD verzeichnete ihre stärksten Verluste an den rechten Rand dort, wo sie traditionell sehr stark ist. „In den ehemaligen Arbeitervierteln hat die AfD besonders gut abgeschnitten“, berichtet Özsahin. „Teilweise hat sie hier die CDU als zweite Kraft abgelöst.“ Gepunktet haben die Genossen jedoch diesmal besonders bei den Jüngeren. „Da spielen sicher viele Dinge rein, die man nicht sauber trennen kann“, erläutert Özsahin. Faktoren könnten das junge Spitzenpersonal der Partei um den Fraktionsvorsitzenden Christoph Manjura oder die größere Präsenz in den sozialen Medien gewesen sein.

Anders als beispielsweise bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz war es in Wiesbaden die SPD, die am meisten Nichtwähler mobilisierte. 1,8 Prozent derjenigen, die 2011 zu Hause geblieben waren, votierten diesmal für die Sozialdemokraten; die AfD kam auf 1,2, die CDU auf 1,1 Prozent. Insgesamt spielten die Nichtwähler allerdings keine so ausschlaggebende Rolle für den Wahlausgang wie auf der anderen Rheinseite; die Wahlbeteiligung in Wiesbaden lag mit 43,4 Prozent lediglich um zwei Punkte über der von vor fünf Jahren.

Viele Unterstützer ans Lager der Nichtwähler verloren haben allerdings die Grünen: 10,4 Prozent – das ist mit Abstand der Höchstwert unter den in der Stadtverordnetenversammlung vertretenen Parteien, wenn man die Sonstigen (16,1) außen vor lässt. Und mit 58,2 Prozent schnitten die Grünen besonders schlecht ab, was die Bindung der alten Wähler anging. Zum Vergleich: Die SPD konnte fast 69 Prozent ihrer Wähler von 2011 halten, die CDU immerhin noch mehr als 64 Prozent, die Linke sogar 75 Prozent.

Nur die FDP stand noch schlechter da: Nur 45,7 Prozent hielten ihr die Treue; dem Zugang aus dem CDU-Lager standen beispielsweise 14,3 Prozent gegenüber, die sich diesmal für die SPD entschieden und 9,7 Prozent, die gar nicht erst zur Wahl gingen.

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