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Wiesbaden Sexuelle Vielfalt sichtbar machen

Zum vierten Mal hat der Verein „Warmes Wiesbaden“ den Christopher Street Day (CSD) in der Wiesbadener Innenstadt veranstaltet.

07.06.2015 19:17
Jöran Harders
Vereint unter dem Regenbogen: Schwule und Lesben beim Zug durch die Wiesbadener Innenstadt. Foto: Michael Schick

Ein politisches Zeichen setzen – das wollten Christian und Till mit ihrem Besuch beim Christopher Street Day (CSD) in der Wiesbadener Innenstadt. „Bildung macht schlau, nicht schwul“, hieß diesmal das Motto der Demo-Parade. „Das ist ein wichtiges Thema, mit dem man sich öffentlich auseinandersetzen muss“, findet Christian, der sich als Lehrer und schwuler Mann von der Diskussion um die so genannten LGBT-Inhalte in den Lehrplänen von Schulen gleich doppelt betroffen fühlt. LGBT steht für Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender; es geht also um die Frage, welche Rolle die sexuelle Orientierung und die Geschlechtsidentität im Unterricht spielen soll.

Nicht nur die heterosexuelle Norm, sondern „die ganze sexuelle Vielfalt“ solle den Schülern nahegebracht werden, forderte CSD-Organisator Christian Kopp in seiner Rede vor dem Hessischen Landtag, wo sich die CSD-Teilnehmer zur Kundgebung versammelt hatten. „Die Argumente, die Gruppen wie die ,Besorgten Eltern‘ und andere fundamentalistische Organisationen gegen die Thematisierung nicht-traditioneller Lebens- und Beziehungsformen anführen, widersprechen allen aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen“, so Kopp. Denn niemand könne zu einer sexuellen Orientierung verführt oder gar gezwungen werden.

Intoleranz bekämpfen

Vielmehr sei es für Heranwachsende wichtig, sich offen mit dem Thema Sexualität auseinanderzusetzen. Nur so könne Intoleranz bekämpft und der demokratische Grundgedanke der Gleichheit aller Menschen in den Köpfen verankert werden. Daher müsse den Lehrern schon in der Ausbildung beigebracht werden, wie LGBT-Inhalte im Unterricht vermittelt werden können. „Die Akzeptanz sexueller Vielfalt kann nur dann gesellschaftliche Realität werden, wenn sie auch im Schulalltag sichtbar gemacht wird“, stellte Kopp fest. Wünschenswert sei es darüber hinaus, dass Lehrer auch Ansprechpartner für ihre Schüler würden, wenn es aufgrund der sexuellen Orientierung Probleme gebe.

Denn auch heute noch hätten junge Schwule mit Diskriminierungen oder Schwierigkeiten beim Coming Out zu kämpfen. „Das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung muss sich im Bildungssystem widerspiegeln. Das Bekenntnis der Landesregierung im Koalitionsvertrag, die sexuelle Vielfalt in die Bildungspolitik einfließen zu lassen, ist ein erster Schritt in die richtige Richtung“, sagte Kopp.

Zum vierten Mal

„Menschen verlieben sich in Menschen“, ergänzte die Vorsitzende des Vereins „Warmes Wiesbaden“, Mascha Holly. Zum vierten Mal hat der Verein den Wiesbadener CSD veranstaltet. In diesem Jahr nahmen rund 700 Personen an der Kundgebung vor dem Landtag teil. Mitmarschiert waren auch Aktivisten des Netzwerks „Pro plus“, das gegen die Stigmatisierung von Menschen mit HIV und Aids kämpft. Ihre auffälligen orangefarbenen Ganzkörperanzüge mit der Aufschrift „(un)sichtbar mit HIV leben“ sollten ein deutliches Zeichen setzen: „HIV ist ein Tabuthema“, meinte Aidshilfe-Mitarbeiter Björn. Wer HIV habe, könne darüber in der Regel nicht offen reden und müsse befürchten ausgegrenzt zu werden.

Für Manuel Wüst vom Verein „Warmes Wiesbaden“ hätte der CSD gar nicht besser laufen können. „Die Teilnehmerzahl der Parade und der Kundgebung hat unsere Erwartungen bei weitem übertroffen. Und auch das anschließende Sommerfest und die Party im Schlachthof waren mit jeweils rund 1000 Besuchern ein toller Erfolg“, bilanzierte Wüst. Die Akzeptanz des CSD sei ein Beweis für die erfolgreiche Arbeit des Vereins. Der habe seit seiner Gründung 2011 dazu beigetragen, dass sich in Wiesbaden wieder eine lebendige Szene habe entwickeln können.

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