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Wiesbaden Schick mit Fahne zum Einkaufen

Die Tragetasche „Lilybag“ entsteht aus ausrangierten Fahnen / Preisgekröntes Projekt weiter erfolgreich

19.05.2015 18:42

Die Wiesbadener Recycling-Tragetasche „Lilybag“ ist ein lokales Symbol für Umweltschutz und gewann im vergangenen Jahr den Wiesbadener Umweltpreis. „Dabei fing alles klein an“, sagt Anke Trischler, Entwicklerin der Lilybag und Geschäftsführerin der das Projekt umsetzenden Unternehmenskooperation Wiesbadener Salon.

Die Idee kam Trischler vor zweieinhalb Jahren, als sie durch die beflaggte Wilhelmstraße fuhr. Auf jeder der Fahnen wurde eine Veranstaltung angekündigt, mit Datum und Ort des Geschehens. „Was wohl mit den Flaggen nach der Veranstaltung geschieht“, fragte sich Trischler und erhielt die Antwort, dass die Flaggen eingelagert und neue Banner produziert würden. Trischler erinnerte sich an den hohen Pro-Kopf-Verbrauch von Plastiktüten und das daraus resultierende Umwelt-Problem und dachte nach. „Immer wieder müssen neue Tüten, auch Baumwolltaschen, hergestellt werden. Dabei werden Ressourcen verbraucht“, sagt Trischler. Bei den Flaggen habe sie gedacht: Warum können wir nicht sinnvoll mit ihnen leben, jetzt, da sie schon einmal produziert sind?

So entstand die Idee, aus dem Flaggenmaterial Einkaufstaschen herzustellen. Und Trischler kam zupass, dass sie gerade in einem sozialen Integrationsprojekt Arbeitslose aus der Region durch Näharbeiten in Arbeit bringen wollte. Damit waren die Grundsteine der Lilybag gelegt.

Nachdem das grobe Konzept stand, „musste die Tasche eine Persönlichkeit bekommen, beispielsweise einen Namen erhalten“, erzählt Trischler. Für den regionalen Bezug musste dieser etwas mit Wiesbaden zu tun haben. Von den Flaggen war der Weg nicht weit zum Stadtwappen und dessen Lilien.

Auftraggeber gesucht

Trischler reichte die Idee beim Rheingau-Tourismuspreis 2013/2014 ein und wurde prompt nominiert. Den Preis gewann sie noch nicht, wurde allerdings in ihrem Vorhaben bestärkt und erhielt erste Großaufträge. Das Projekt begann allmählich erfolgreich zu werden. Auch im Unternehmensnetz Wiesbadener Salon, in dem derzeit 32 Unternehmen aktiv sind, konnte sie Menschen überzeugen. Letztlich waren es sechs regionale Unternehmen, die sich federführend an der Lilybag beteiligten.

Das Konzept Lilybag funktioniert konkret so: Auftraggeber, meist Unternehmen, Verbände oder Veranstaltungsorganisatoren, beauftragen Trischler, ihnen aus alten Fahnen Lilybags zu nähen. Die Auftraggeber stellen die alten Flaggen selbst. Üblicherweise ordert der Kunde größere Mengen. „Dann geht es an Layout, Nähen und Lieferung“, erklärt Trischler.

„Die Taschen kommen sehr gut an“, sagt Trischler. „Auch weil es Einzelstücke sind.“ Inzwischen wurden bereits neun Großaufträge angenommen und 1000 Lilybags ausgeliefert. „Wir arbeiten nur mit Auftrag“, sagt Trischler, entsprechend dem ursprünglichen Konzept: „Den schon vorhandenen Rohstoff stellt der Kunde. Den Rest übernehmen wir“.

Der Erfolg sei so groß, dass geplant sei, das Konzept auch auf andere Regionen auszudehnen. Das Projekt müsse vor Ort realisiert werden, um die Grundidee beizubehalten: durch regionale Arbeit Ressourcen schonen. „Es macht einfach keinen Sinn, ausrangierte Flaggen aus Italien quer durch Europa zu fahren, um sie hier nähen zu lassen.“

Der Preis von derzeit 14,50 Euro orientiert sich Trischler zufolge an der Anzahl der durchschnittlich verbrauchten Plastiktüten pro Kopf und Jahr. Derzeit sind dies laut Wiesbadener Umweltamt 76. „Wir haben uns gesagt: Du verbrauchst 76 20-Cent-Plastiktüten pro Jahr, dann kostet dich die Lilybag genauso viel, nämlich 14,50 Euro.“ (nst)

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