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Wiesbaden Schätze auf vier Rädern

Mehr als 130 Fahrzeuge sind bei der internationalen Oldtimer Rallye Wiesbaden mit von der Partie und begeistern die Zuschauer.

17.05.2015 16:41
Mirjam Ulrich
Roberto Blanco trifft am Ziel ein. Foto: Renate Hoyer

In der Luft hängt der Geruch von verbleitem Benzin. Motoren blubbern und die Augen der Zuschauer glänzen genauso sehr wie die Karosserien: Oldtimer Rallye in Wiesbaden. Zum 32. Mal veranstaltet der Hesse Motor Sports Club (HMSC) den internationalen, dreitägigen Wettbewerb, bei dem mehr als 130 historische Fahrzeuge gestartet sind. Nach insgesamt 450 Kilometern endet die Rallye vor dem Kurhaus. Als erster Wagen fährt ein schokoladenbraunes BMW 502 V8 Autenrieth Cabrio aus dem Jahr 1955 ins Ziel. Am Steuer des „Barockengels“ sitzt der Wiesbadener Wolfgang Rücker, auf dem Beifahrersitz Roberto Blanco.

„Er war ein sehr guter Navigator“, lobt Rücker seinen Co-Piloten. Alle Teams müssen auf der Fahrt verschiedene Prüfungen ablegen, wie beispielsweise einen bestimmten Abschnitt in einer festgelegten Zeit zu fahren. Wo es lang geht, steht im „Roadbook“. Die Co-Piloten müssen nicht nur die „Chinesenzeichen“ darin, also die Piktogramme, die die Strecke beschreiben, verstehen und ansagen. Sie dürfen auch keinen der „stummen Wächter“ übersehen. Dabei handelt es sich um Schilder am Straßenrand, auf denen Zahlen stehen. Die tragen die Teams auf der Bordkarte ein, um nachzuweisen, dass sie keine Abkürzung genommen haben. Am Ende zählt die Gesamtpunktzahl.

Wolfgang Rücker, der Gründer der Ingenieurdienstleistungsgesellschaft, sammelt seit 30 Jahren historische Fahrzeuge. Mit dem Rücker Classic Club hat er gleich neun seiner Autos an den Start geschickt. Die Autos müssen bewegt werden, sonst gehen sie kaputt, sagt Rücker.

Seltener Oldtimer gewinnt

„Im Schnitt werden alle Fahrzeuge mit H-Kennzeichen nur 37 Stunden im Jahr gefahren“, weiß HMSC-Präsident Friedhelm W. Eickhorn. „Die übrige Zeit werden sie gepflegt.“ Kein Wunder angesichts ihres Werts: Einige der Autos, die bei der Wiesbadener Oldtimer Rallye mitfahren, bringen es laut Eickhorn sogar auf mehrere Millionen Euro. Solche Schätze wollen aber auch gezeigt werden.

Die Gelegenheit, sie zu bewundern, nutzt das Publikum auch beim „Concours d’Elegance“ sonntags im Kurpark – erstmals bei freiem Eintritt. Der HMSC wolle die Vielfalt historischer Automobile einer breiten Öffentlichkeit präsentieren, sagt Pressesprecher Thomas Aukamm. Immerhin seien etliche einzigartige Fahrzeuge darunter. Auch Roberto Blanco begeistert sich für die schönen Oldtimer. Der Künstler, der von 1957 bis 1969 in der Landeshauptstadt lebte, wo seine Karriere begann, nahm die Einladung Rückers, bei der Rallye mitzufahren, sofort an. „Ich kehre immer wieder gern in mein Wiesbaden zurück.“

Zu den geladenen Gästen zählt zudem die amerikanische Standortkommandantin Colonel Mary L. Martin. Schließlich wurde der HSMC 1954 von motorsportbegeisterten US-Amerikanern gegründet, die hier stationiert waren. Heute gehören dem Motorsportclub nur noch Deutsche an. An der Oldtimer Rallye nehmen aber nicht nur Teams aus ganz Deutschland teil, sondern auch aus Österreich, der Schweiz und sogar ein Fahrer aus Namibia. Am Ende siegen in der Gesamtwertung Wilfried Schaefer und Sandra Hübner in einem nachtblauen Invicta S-Type Low Chassis aus dem Jahr 1932. Von dem Sportwagen wurden nur drei Stück mit dieser Karosserie gebaut.

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