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Wiesbaden Noch ein neues Kraftwerk

Der Industriepark Infraserv möchte mehr Strom produzieren und beantragt den Bau eines neuen Gaskraftwerks.

Vor wenigen Monaten wurde bekannt, dass das Unternehmen Knettenbrech & Gurdulic in Wiesbaden ein neues Müllheizkraftwerk bauen möchte, und die Öffentlichkeit hat gerade begonnen, sich mit dem Projekt auseinanderzusetzen. Jetzt ploppt die Nachricht über ein weiteres neues Kraftwerk auf. Der Industriepark Infraserv in Biebrich möchte die Energieproduktion am Standort Kalle-Albert von 20 auf 80 Megawatt erhöhen und ein bestehendes Kraftwerk deutlich erweitern.

„Wir möchten unabhängiger von außen werden“, begründet Markus Schnitzler, technischer Projektleiter von Infraserv, die Pläne. Bislang kauft der Industriepark zwei Drittel seines Strombedarfs von außen ein. Das soll ein Ende haben. Infraserv möchte den im Industriepark angesiedelten Unternehmen eine höhere Versorgungssicherheit verschaffen. Dass beim letzten Stromausfall im November 2017 Infraserv für mehrere Stunden ohne Elektrizität dastand, spiele ein wenig in die Entscheidung mit hinein, sei aber nicht ausschlaggebend gewesen, betont Schnitzler.

Vorgesehen ist ein reines Gaswerk, das Dampf und Strom herstellt, eine Hocheffizienzanlage nach neuesten technischen Vorgaben und Möglichkeiten. Dies bedeutet, dass die neuen Anlage weniger Emissionen in die Luft blasen soll als die alte. Der Dampf wird von den Unternehmen am Standort Kalle-Albert für die Produktion benötigt. Die elektrische Leistung liegt bei 50 Megawatt. Zwei alte Kessel – ein Biomassekraftwerk, das Altholz verbrennt, und ein sporadisch genutzter Ölofen – werden stillgelegt. Das Biomassekraftwerk sei zu störanfällig, sagt Schnitzler.

Infraserv investiert 70 Millionen Euro in die neue Anlage. Der Bauantrag wurde vor wenigen Tagen beim Regierungspräsidium Darmstadt (RP) eingereicht. Ein immissionsschutzrechtliches Verfahren sei notwendig, teilte der RP auf Anfrage mit. Infraserv rechnet mit der Genehmigung zum Ende des ersten Quartals 2019. In Betrieb gehen soll das Kraftwerk im Sommer 2020.

Die eigene Produktion bedeutet nicht, dass Infraserv keinen Strom mehr zukaufen wird. „Wir werden uns wirtschaftlich verhalten“, sagt Schnitzler. Wenn im Sommer etwa wegen der höheren Stromproduktion durch Sonnenkraft die Strompreise sinken, werde Elektrizität eingekauft. Zudem werde überschüssiger Strom ins öffentliche Netz eingespeist.

Die Erweiterung des Gaskraftwerks bei Infraserv habe nichts mit dem Neubau des Müllheizkraftwerks Knettenbrech & Gurdulic zu tun, betont Schnitzler. Dies sieht auch Hans-Martin Kessler so, Stadtrat für Stadtentwicklung und Bau. „Zwei verschiedene Nutzer, zwei Zielrichtungen“, sagt Kessler auf Anfrage. Das Müllheizkraftwerk sei zuvorderst für die Entsorgung des Wiesbadener Restmülls notwendig und produziere hauptsächlich Fernwärme.

Kessler erfuhr nach eigener Aussage zu Jahresbeginn von dem Infraserv-Projekt, weil dies am Rande einer Wirtschaftsveranstaltung Thema gewesen sei. Ein Überangebot an Strom und Energie wird es Kessler zufolge nicht geben. Die Landeshauptstadt sei nicht für die Genehmigung der beiden Kraftwerke zuständig. Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens für die Infraserv-Anlage werde sie jedoch vom Regierungspräsidium um eine Stellungnahme gebeten werden.

Für die Müllverbrennungsanlage von Knettenbrech & Gurdulic ist das Genehmigungsverfahren beim RP noch nicht im Gange. Dem Vernehmen nach wird damit gerechnet, dass der Bauantrag Ende 2018 gestellt wird.

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