Lade Inhalte...

Wiesbaden Lehrreiche Blicke hinter die Kulissen

Das Foto-Projekt „Backstage“ ist Teil der Werkschau der Kommunikationsdesigner im Schaufenster Stadtmuseum. Es liefert einen Blick auf die ungeschminkte Realität in Wiesbaden.

Jennifer Roll hat das Erdbebengebiet in Nepal besucht. Foto: Jennifer Roll

Das Schaufenster Stadtmuseum erlebt vor seinem Abriss noch mal einen künstlerischen Höhepunkt, eine Frischzellenkur par excellence. Die Hochschule Rhein-Main, genauer gesagt der Fachbereich Kommunikationsdesign, präsentiert hier seine aktuelle Werkschau. Zu sehen sind Filme und Flyer, Websites und Plakate, Magazine und Marken, Apps und Bücher – eben all das, was die Studierenden der Hochschule als Abschlussarbeiten und herausragende Semester-Projekte präsentieren möchten.

Teil dieser Werkschau ist auch das Foto-Projekt „Backstage“ unter der Leitung des Dozenten Karsten Thormaehlen. Der in Wiesbaden lebende und international erfolgreiche Fotograf hat seine Studentinnen und Studenten vor die Tür geschickt, um einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Einen Blick auf die ungeschminkte Realität. Diese Blicke hinter die Kulissen sind wichtiger Teil der Fotografie-Geschichte und Basis beeindruckender Arbeiten und Zyklen.

Leidenschaft für das Ungesehene

Zum Beispiel Roxanne Lowit, die mehr als 30 Jahre lang hinter der Bühne der Laufstege, auf Designer- und Aftershow-Parties die Prominenten der Mode- und Kunstwelt für Hochglanzmagazine fotografierte. „Viele bezeichnen sie mittlerweile selbst als Künstlerin und sehen sie als eine moderne Nachfolgerin eines Édouard Manet oder Henri de Toulouse-Lautrec, die – in deren Tradition – das bunte, gesellschaftliche Treiben des 19. Jahrhunderts mithilfe einer Kamera im 21. Jahrhundert brillant und einzigartig dokumentiert“, erklärt Thormaehlen.

So weit die Arbeitsaufgabe an seine Klasse. „Es galt, sich mit ähnlicher Neugier und Leidenschaft einer Roxanne Lowit, hinter den Kulissen öffentlicher und privater Bühnen umzusehen, sich aber auch bewusst die Betriebsbereiche alltäglichen Lebens anzuschauen.“ Die Studierenden dokumentierten mit ihren Kameras diverse Situationen im Arbeitsumfeld verschiedenster Berufsgruppen, aber auch ihre WG oder Familie. Hierbei suchten sie den bewusst „neuen Blick auf allzu oft Gesehenes“, begaben sich auf Reisen, ohne auf Klischees, Kulissen, Abgedroschenes, vermeintlich „Sehens-Würdiges“ abzuzielen. Der Fokus der Kamera war laut Thormaehlen „auf Verstecktes, auf Motive, die man sucht, nicht unbedingt findet und meist erst auf den zweiten Blick erkennt“, gerichtet.

Der sturmerprobte Fotograf Thormaehlen hatte bei seiner Semesteraufgabe aber nicht nur die Ästhetik im Blick. Sie sollte die Studierenden auch auf das Berufsleben vorbereiten. Er wolle die Foto-Klasse „mit Realitäten konfrontieren, denen sie gewachsen sein sollten, um in einem kompetitiven Markt zu bestehen“, sagt Thormaehlen. Schwierig verständliche Sachverhalte oder Situationen seien so zu erfassen, dass eine verwertbare Bildserie entsteht. „Menschen oder Einrichtungen, mit denen man noch nie zu schaffen hatte, müssen überzeugt werden, wortwörtlich Türen zu öffnen und Einblicke – zum Teil auch in sehr Privates – zu gewähren.“ Das sei nicht immer einfach gewesen. Bestimmte Industriezweige, Dienstleister oder Berufsgruppen ließen sich nicht gerne über die Schulter schauen. „Auch gab es meist ablehnende Bescheide bei aktuell politisch brisanten Themen.“

Thormaehlen ist sehr zufrieden mit den Ergebnissen seines ersten Semesters an der Hochschule. Nebst klassischen, jedoch eigenwilligen Backstage-Einblicken an Theatern entstanden auch einfühlsame Serien über bildende Künstler, in Proberäumen verschiedener Bands oder sogar Schlafzimmer junger Musiker und ganz normaler Menschen.

„Viele Projektteilnehmer überzeugen mit ungewöhnlichen Einblicken in allzu Alltägliches. So begleitet zum Beispiel Dominik Jin-Sprenger eine alleinerziehende Mutter und ihren Sohn, Sabrina Wolf fertigt ungewöhnliche Portraits ihres ehemaligen Physiklehrers während einer Unterrichtsstunde an“, lobt der Dozent.

Nicht ganz alltäglich seien unter anderem der Blick hinter die Kulissen eines Bodybuilding-Wettkampfs, eine nächtliche Exkursion mit Graffiti-Künstlern und eine Reportage-Fahrt mit einem Leichenwagen zum Krematorium.

Termine: Donnerstag, 11. Februar, 19 Uhr, Schaufenster Stadtmuseum, Ellenbogengasse 3-7, sowie Freitag, 12. Februar, 17 bis 22 Uhr und Samstag, 13. Februar, 14 bis 20 Uhr.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen