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Wiesbaden Leerstand bei Linde

Seit vier Jahren produziert Linde in Wiesbaden keine Kühlgeräte mehr. Seitdem träumt die Stadt vom Wohnen am Wasser. Doch der nötige Investor dafür will einfach nicht anklopfen.

11.08.2010 15:33
Sabine Müller
Noch stehen die alten Werkshallen. Foto: Rolf Oeser

Unkraut wuchert auf dem ehemaligen Mitarbeiter-Parkplätzen, Sommerflieder und Essigbäumchen wuchern, kein Mensch ist zu sehen. Vor vier Jahren wurde die Produktion auf dem elf Hektar großen Linde-Gelände in Kostheim eingestellt. Und seitdem tut sich nichts.

Dabei sollte 2010 der Spatenstich sein, für eines der wichtigsten Teilprojekte des Stadtumbauprogramms Kostheim: das neue Wohnviertel Linde-Quartier.

600 Wohneinheiten mit Blick auf den Rhein wünscht sich Stadtentwicklungsdezernent Joachim Pös (FDP) dorthin, wo früher Kühlgeräte fabriziert wurden – und noch immer die alten Produktionshallen stehen. „Die Entwicklung des Linde-Areals sei eine der bedeutendsten Zukunftsaufgaben der Stadtentwicklung Kostheim“, heißt es auf der Homepage des Stadt.

Planungsrechtlich sind die Weichen für das Projekt gestellt: Der Architektenwettbewerb ist seit zwei Jahren abgeschlossen, Die Regionalversammlung hat den Regionalplan geändert. Und das Stadtplanungsamt hat einen für die Genehmigung bereiten Flächennutzungsplanentwurf in der Schublade liegen.

Fehlt nur noch ein Investor, der dem in München ansässigen Unternehmen Linde das riesige Grundstück in Kostheim abkauft – und der Stadt den Traum vom Wohnen am Wasser erfüllt.

Nur der ist bislang anscheinend nicht in Sicht. Linde-Konzernsprecher Uwe Wolfinger sagt zu dem Thema nicht viel. Nur: „Wir suchen einen Investor.“ Warum das so lange dauert, mag er nicht erklären.

Die Vermutung liegt nahe, dass Linde auf bessere Zeiten für den Verkauf wartet. Der Grundstücks- und Immobilienmarkt läuft nach der Bankenkrise noch immer ziemlich mau. Und das Unternehmen hat – anders als die Politik – keine Eile mit dem Verkauf ihres einstigen Stammwerks.

Erschwert wird die Suche nach einem Investor durch die Vorgaben der Stadt. Gebaut werden soll, was den kommunalen Planern gefällt. Und die wollen etwa auch, dass im neuen Wohnquartier nicht nur Eigentumswohnungen, sondern auch Miet- und Sozialwohnungen entstehen sowie Kindergarten und Schule. Der Investor soll sich beim Kauf des Grundstücks in einem städtebaulichen Vertrag verpflichten. „Das ist nicht einfach“, räumt Planungsamtsleiter Dirk Metz ein. Aber es sei im Sinne der Allgemeinheit.

Metz glaubt, dass es trotz aller Schwierigkeiten mit dem Linde-Quartier klappen wird. Gerade erst habe es wieder Gespräche mit Linde, Stadt und potenziellen Investoren geben. Die Wirtschaftskrise sei ein „entscheidender Rückschlag“ für das Projekt gewesen, und habe den Spatenstich 2010 verhindert. Aber vielleicht klappe es ja 2011. Bis dahin sollten die Planer freilich auch geklärt haben, wie sie die vier Millionen Euro teure Entschlammung des alten Floßhafens finanzieren wollen. Laut Metz sei man noch immer auf der Suche nach Fördermöglichkeiten durch Land oder Bund. Ohne Entschlammung hat das Quartier schlechte Karten. Wegen der Mücken und der miesen Aussicht.

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