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Wiesbaden Kunstausstellung Dialog zwischen Farbe und Form

Die Ausstellung „Embodying Colour“ in der Kunsthalle am Schulberg zeigt plastische Arbeiten von elf internationalen Künstlern. Sie ist so außergewöhnlich, dass das Vasarely Museum in Budapest sie übernehmen will.

21.10.2013 10:52
Mirjam Ulrich
Pressluft formte diese gelbe Skulptur aus Stahl. Foto: Michael Schick

Die Ausstellung „Embodying Colour“ in der Kunsthalle am Schulberg zeigt plastische Arbeiten von elf internationalen Künstlern. Sie ist so außergewöhnlich, dass das Vasarely Museum in Budapest sie übernehmen will.

In der amerikanischen Wildnis wären die beiden Künstler Michael Post und Heiner Thiel beinahe verdurstet. Sie überstanden ein Unwetter mitsamt Stromausfall und schwitzten in der Wüste. Insgesamt reisten sie 10.000 Kilometer durch die USA und Europa – und das alles für die aktuelle Ausstellung „Embodying Colour“ in der Kunsthalle am Schulberg, die die zwei kuratiert haben.

Dabei begann alles ganz harmlos: Das Kulturamt lud Michael Post und Heiner Thiel vor zwei Jahren ein, in der Kunsthalle ihre Werke auszustellen. Sie entwickelten eine andere Idee. „Unser Wunsch war es, mit weiteren Künstlern farbige, plastische Arbeiten zu zeigen, in denen der Dialog zwischen Farbe und Form eine zentrale Rolle spielt“, erläutert Thiel. Das Verhältnis von Farbe im Raum sei ein Thema der konkreten Kunst Europas wie auch der minimalistischen Kunst in den USA, ergänzt Post.

Die Stadt stimmte zu und die beiden machten sich auf, Kollegen in ihren Ateliers zu besuchen, um Werke auszuwählen. Auf dem Weg von Denver nach Santa Fe fuhren sie mit dem Auto durch die Rocky Mountains. Das Navigationsgerät leitete sie über einsame Pisten, bis sie schließlich im Sand stecken blieben. „Es gab keinen Handyempfang und wir hatten nicht genug Wasser dabei“, erzählt Thiel. Zum Glück trafen sie in der Einöde auf einen jungen Mann, der Hilfe holte.

In Santa Fe wollten sie zwei Tage später eine Ausstellung mit ihren eigenen Werken eröffnen. In der Stadt, die seit Jahren unter Dürre leidet, ging ausgerechnet am Eröffnungsabend ein Unwetter nieder. Überall fiel der Strom aus, die Ausstellung eröffnete im Dunkeln. Das erwies sich für die Künstler als Glücksfall: „Die Leute nahmen ihre Smartphones, um unsere Werke zu betrachten und schauten sie dadurch viel genauer an“, sagt Post. Am Ende verkauften sie alle in Santa Fe gezeigten Werke. Einen Teil des Geldes investierten sie in ihre Arbeit für die Ausstellung in der Kunsthalle. Die großzügige finanzielle Unterstützung der Stadt Wiesbaden und des Landes Rheinland-Pfalz ermöglichte den zweisprachigen Ausstellungskatalog, habe aber nicht alle Reisekosten decken können, berichtet Post.

Zu den Künstlern, die sie im Atelier besuchten, gehört Jeremy Thomas, der in der Wüste von New Mexico lebt. „Dort herrschen Temperaturen von 40 Grad – und dann warf er noch seinen Ofen an, um uns zu zeigen, wie er arbeitet“, sagt Thiel. Jeremy Thomas schweißt geometrische Figuren aus Stahl, die er im Ofen auf 1000 Grad glüht und mit Pressluft aufpumpt, um sie danach mit Pulverlackierung zu überziehen. Die Geometrie schaffe die Struktur und die Form entfalte sich aus der Struktur, erläutert Thomas „Der Betrachter soll den Druck visuell erfahren.“ Der Künstler kam mit zwei Kollegen aus den USA eigens zur Ausstellungseröffnung.

In „Embodying Colour“ sind die Werke von zehn Männern und einer Frau zu sehen. So verschieden ihre Arbeiten sind, eint sie doch eines: „Sie alle spiegeln die Realität, aber mit unterschiedlicher Wirkung“, sagt Post. Dass ihm und Thiel eine außergewöhnliche Ausstellung gelungen ist, zeigt sich auch daran, dass das Vasarely Museum in Budapest sie übernehmen will. Zwei deutsche Museen haben ebenfalls Interesse angemeldet.

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