Lade Inhalte...

Wiesbaden Kein Mann großer Worte

Stadtrat Detlev Bendel ist dankbar für die Vielfalt der Aufgaben, an denen er mitwirken durfte. Nun geht er nach 17 Jahren in den Ruhestand.

Detlev Bendel
Im Stadtverordnetensitzungssaal verbrachte Detlev Bendel viele Stunden. Das ist nun vorbei. Foto: Michael Schick

Gerade hat Stadtrat Detlev Bendel wieder eine Gruppe Menschen mit Behinderung offiziell begrüßt, die für die Stadt Grünflächen und Friedhöfe pflegen sollen. Seit elf Jahren stellt die Landeshauptstadt im Rahmen des Beschäftigungsprogramms „Neue Wege in den Beruf“ des Amtes für Wirtschaft und Liegenschaften, dessen Dezernent Bendel ist, zehn Menschen mit Handicap befristet ein. So können sie ihre Fähigkeiten beweisen und haben auf dem ersten Arbeitsmarkt bessere Chancen. „Da wurde schon manch einer von Firmen abgeworben“, berichtet Bendel stolz.

Es sind auch Aufgaben wie diese, die den Christdemokraten mit Dankbarkeit erfüllen und ihn zu dem Satz veranlassen: „Es gibt Dinge im Leben, die muss man einfach tun.“ Für Bendel ist es die letzte Begrüßung für das Beschäftigungsprogramm. Am Sonntag hat der 65-Jährige seinen letzten Arbeitstag, bevor er nach 17 Jahren als Stadtrat in den Ruhestand wechselt. Er wird das Wiesbadener Stadtfest und den Herbst- und Kunsthandwerkermarkt begehen und am Sonntagabend beim Rathauspförtner seinen Autoschlüssel abgeben. „Ich hatte noch keine Zeit darüber nachzudenken, wie ich mich fühle“, sagt er. Aber er sei dankbar für die Vielfalt an Projekten, die Wiesbaden vorangebracht hätten und an denen er habe mitwirken dürfen.

Bendel geht als der Stadtrat in die Annalen ein, der zu Beginn und zum Ende seiner Amtszeit für Wiesbadener Großprojekte verantwortlich war: In den Anfangsjahren setzte er die Neugestaltung des Bowling Greens und den Bau der dortigen Tiefgarage durch. Die zum Großteil kranken Bäume vor dem Kurhaus mussten gefällt werden, was ihm damals viel Ärger einbrachte. Aber heute finde das wirklich grüne Bowling Green ohne den Parkplatz für über 150 Autos Zustimmung, sagt er. Im vergangenen Jahr konnte er das neu gebaute Rhein-Main-Congresscenter eröffnen, wofür er großes Lob erhielt, wurde das Kongresszentrum doch innerhalb der vorgesehenen Zeit und im Kostenrahmen fertig und ist zum Vorzeigeobjekt avanciert.

Die Lorbeeren heftet er sich nicht selbst ans Revers. Beide Projekte seien dank der guten Zusammenarbeit mit RMCC-Projektleiterin Evelyn Pflugradt und dem ehemaligen Kurdirektor Henning Wossidlo ermöglicht worden. „Es ist ja Glück, dass ich als Stadtrat ein solches Projekt verantworten durfte“, sagt er. Man könne nichts dafür, dass man gerade im Dienst sei, wenn der Bau eines Kongresszentrums anstehe. „Das muss auch gerade fällig sein“, sagt er.

Bendel, im Stadtteil Bierstadt aufgewachsen, hat Einzel- und Außenhandelskaufmann gelernt. Sechs Jahre war er Feldjäger bei der Militärpolizei. 20 Jahre leitete er die Geschäfte der Wiesbadener CDU. Von 1981 bis 2001 war er Stadtverordneter. Sein Handeln basiert auf guten Beziehungen zu den Menschen. Bendel hat sich eine unprätentiöse Verbindlichkeit bewahrt, er ist kein Mann großer Worte. „Da muss man gar nicht drüber reden“, ist auch so ein Satz, den er gerne sagt.

Als während der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 Hochwasser das Kurhaus flutete, habe der Krisenstab, dem Bendel angehörte, vor der Frage gestanden, das Public Viewing auf dem Bowling Green ausfallen zu lassen. „Am Samstagmittag saßen wir zusammen“, erzählt Bendel. Da das Fluchtmanagement wegen des Stromausfalls nicht funktionierte, habe das Fußball-Event auf der Kippe gestanden. Da habe das Technische Hilfswerk spontan die Stromversorgung zugesichert, die Fluchtwege konnten beleuchtet werden. Am Sonntag wurde Deutschland Weltmeister - auch unter dem Jubel der Wiesbadener. „In Wiesbaden hilft man sich“, sagt Bendel, das sei das Schöne an einer mittleren Großstadt.

Wenn er nach schwierigen Sitzungen ärgerlich sei, fahre er manchmal durch die Stadt, bewundere die Schönheit des Kurhauses und schaue sich die vielen Orte an, an deren Werden er beteiligt war. Dies wird er nun häufiger öfter tun können, wenn ihm seine Familie – er ist verheiratet, hat Sohn und Enkelkind –, und das Golfspielen ihm Zeit lassen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen