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Wiesbaden Internetbetrug Keine Panik in Malaysia

Ein junger Mann ist vor der Großen Jugendstrafkammer am Landgericht Wiesbaden des versuchten und vollendeten Internetbetrugs in 1704 Fällen angeklagt. Doch er erscheint nicht vor seinen Richtern. Er hat sich nach Malaysia abgesetzt.

Sie wacht über Recht und Ordnung: die Justizia. Foto: FR/Arnold

Nach acht Jahren zäher Ermittlungen haben sie sich endlich getroffen: Richter, Staatsanwalt, zwei Verteidiger: 1704 Fälle von versuchtem und vollendetem Internetbetrug standen auf der Tagesordnung der Großen Jugendstrafkammer am Landgericht. Wer nicht kam, war der Hauptangeklagte. Er konnte nicht geladen werden.

Sein Mandant habe seinen Lebensmittelpunkt mittlerweile nach Malaysia verlegt, sagte sein Anwalt. Dort habe er eine Wohnung und eine Arbeitserlaubnis – für Internetgeschäfte. Wegen solcher „Geschäfte“ soll sich Brian David C., zum Tatzeitpunkt im Jahr 2005 20 Jahre alt, jetzt verantworten. Auf Seiten wie probenzauber.de, probenexpress.de oder simsen.de soll er arglose Internetnutzer in die Abofalle gelockt haben.

Kein Auslieferungsabkommen

C. gab sich als Vermittler aus: Wer sich kostenlos registriert, werde in sämtlichen Plattformen für Produktproben und Gewinnspiele eingetragen. Auf Gratisparfum und satte Bargeldgewinne warteten die Nutzer aber vergebens. Stattdessen bekamen sie die Rechnung: ein Zwei-Jahres-Abo für insgesamt 84 Euro. Die meisten Anzeigen wurden von Leuten aufgegeben, die gar nicht erst bezahlt haben, auch nicht, nachdem Brian David C. entsprechende Inkassobüros eingeschaltet hatte. Das war sein Fehler. Viele meldeten sich daraufhin bei der Staatsanwaltschaft Wiesbaden, um Anzeige zu erstatten. 2200 waren es bislang. Wie viele insgesamt in die Abofalle getappt sind und bezahlt haben, kann niemand sagen.

Mit Malaysia hat die Bundesrepublik kein Auslieferungsabkommen. Zudem gibt es dort kein Meldesystem. „Wir haben nur die Position seines Handys“, sagte der Staatsanwalt in der Verhandlung. „Wir wissen nicht, wo er wirklich steckt.“ Formal habe sich der Angeklagte abgesetzt. Der Staatsanwalt forderte einen Haftbefehl und dass das Verfahren gegen C.’s der Beihilfe angeklagten Vater abgekoppelt und sofort verhandelt wird. Die Richterin lehnte beides ab: „Derzeit ist nicht ersichtlich, dass sich der Angeklagte dem hiesigen Verfahren entziehen wird.“ Für einen neuen Verhandlungstermin soll er unter der bekannten Adresse geladen werden. 2015 verjährt die Tat.

C. könnte sich in Malaysia zurücklehnen, wenn er wollte. Vielleicht ist es aber, wie sein Anwalt sagt: „Mein Mandant will sich dem Verfahren nicht entziehen.“

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