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Wiesbaden Ich bin Moslem, keine Panik

Eine Schülerausstellung im Aktiven Museum Spiegelgasse will das Stigma Migration auflösen.

Knackige Sätze, deutliche Statements. Foto: Michael Schick

Da stehen sie, lebensgroß, und halten ihre Botschaft vor sich. Auf eine Tafel haben Jugendliche mit Kreide aufgeschrieben, was sie der Welt zu sagen haben: „Egal ob schwarz oder weiß, Mensch ist Mensch“, steht da oder „I’m Muslim, don’t Panic“. Eine Gestalterin hat alle Schüler mit ihren Tafeln fotografiert. Das Ergebnis ist eine Ausstellung mit einer gemeinsamen Botschaft: „Ich weiß, wer ich bin und was ich will“.

Angefangen hat alles mit einem Projekt der Jugendinitiative Spiegelbild. Projektleiterin Andrea Gotzel bekam die Aufgabe, das Wort „Migration“ mit Schülern aus Wiesbaden zu bearbeiten. Daraus entwickelte sich nach einiger Zeit die „Task Force Migration“, das sind zwanzig Schüler im Alter von 15 bis 17 Jahren von der Albrecht-Dürer-Schule und der Wilhelm-Heinrich-von-Riel-Schule.

Die Gruppe trifft sich seit einem Jahr jeden Freitag im Aktiven Museum Spiegelgasse, um zu diskutieren. Am Anfang ging es dabei um Migration, doch die Jugendlichen entdeckten, dass dahinter noch viele andere Themen stecken: „Migration bedeutet auch Rassismus und Diskriminierung“, sagt Alia (15).

Die „Task Force“ plante eine Aktion in der Wiesbadener Fußgängerzone. Unter dem Motto „we are all monkeys“ verteilten sie Bananen und fotografierten sich mit den Passanten: „Wir wollten darauf aufmerksam machen, dass wir alle gleich sind“, sagt Alia.

Bei ihren Treffen setzten sie sich auch damit auseinander, wie sie in Wiesbaden wahrgenommen werden: „Viele haben Vorurteile, denken wir Jugendlichen würden nur abhängen oder mit Handys kommunizieren“, sagt Maryan (16). In der Ausstellung und in einem dreißig minütigen Film fassen die Schüler nun alle ihre Gedanken und Erkenntnisse zusammen: „Mit unserer Ausstellung wollen wir auch beweisen, dass wir uns mit ernsten Themen auseinandersetzen, uns engagieren und die Gesellschaft mitgestalten wollen“, sagt Maryan.

Auf ihrer Tafel steht der Satz „Deutsche Kanacke“. Sie ist in Deutschland geboren, doch Marokko gehöre als das Herkunftsland ihrer Familie in ihr Leben. „Es ist doch egal, ob mit Migrationshintergrund oder ohne, was zählt ist die Person“, sagt sie.

Die Schüler haben die Ausstellung zum Mitmachen konzipiert. Besucher können auf eine Tafel ihr eigenes Statement zur Frage „Wer bist du und was willst du“ schreiben. So sollen sie sich mit Identität, Diskriminierung und Migration und damit mit Themen der Jugend auseinandersetzen. „Wir wollen dass das Stigma Migration verschwindet“, sagt Alia. Noch immer würden Jugendliche, selbst wenn sie in Deutschland geboren sind, wegen ihrer Herkunft in „Abteilungen“ einsortiert, sagt sie. „Wir wollen, dass das ganz aufhört, es geht um den Menschen, der ist wichtig“.

Eröffnet wird die Ausstellung im Aktiven Museum am Montag, 7. Juli, 14.07 Uhr. Sie geht bis zum 31. Juli.

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