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Wiesbaden HSK-Ärzte klagen über Stress

Der Marburger Bund, eine Gewerkschaft der Ärzte, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Führung der Horst-Schmidt-Kliniken. Die Arbeitsbedingungen sollen sich dort so verschlechtert haben, dass die Ärzte selbst von ihrer Arbeit krank würden.

An den HSK haben Ärzte alle Hände voll zu tun. Foto: Michael Schick

Der Marburger Bund, eine Gewerkschaft der Ärzte, schlägt Alarm: Seit der Übernahme der Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) durch den Klinik-Konzern Helios im vergangenen Jahr hätten sich die Arbeitsbedingungen so sehr verschlechtert, dass die Ärzte selbst von ihrer Arbeit krank würden. Das habe eine Umfrage des Marburger Bundes ergeben.

Rund 100 Mediziner haben laut Marburger Bund an der Umfrage teilgenommen. An den HSK sind nach Informationen der Geschäftsleitung rund 450 Ärztinnen und Ärzte beschäftigt, die sich in 400 Vollzeitstellen aufteilen. An der Studie teilgenommen hat also rund ein Viertel der Belegschaft. Und auf dieses Viertel beziehen sich die vom Marburger Bund zitierten Prozentzahlen. Dennoch haben die Zahlen eine gewisse Aussagekraft, wenn sie auch gewiss nicht für die gesamte Belegschaft sprechen können. Laut der Umfrage haben 94 Prozent der Teilnehmer angegeben, dass die Arbeit seit der Helios-Übernahme zugenommen hat. Zwei Drittel berichteten von steigenden Patientenzahlen, teilt der Marburger Bund mit.

Ärzte zum Ausstechen genötigt

Alarmierend sind Aussagen über die persönliche Gesundheit der Ärzte: „Als die HSK noch zu 100 Prozent in kommunaler Hand war, hatten 32 Prozent der Ärzte das Gefühl, dass ihre Gesundheit, zum Beispiel in Form von Schlafstörungen oder häufiger Müdigkeit, beeinträchtigt wird. Dies ist unter Helios auf 75 Prozent angestiegen“, berichtete der Marburger Bund am Montag. Also fühlen sich mindestens 75 Ärzte geschlaucht, etwa 20 Prozent der Belegschaft.

Die vom Marburger Bund erhobenen Vorwürfe wiegen zum Teil schwer: Um der Patientenflut Herr zu werden, würden die Ärzte zu drastischen Maßnahmen genötigt. Laut der Umfrage fühlen sich 19 Prozent der Teilnehmer „unter Druck gesetzt auszustechen, um dann weiter zu arbeiten“. Zudem hätten etwa 80 Prozent angegeben, dass seit der Übernahme ärztliche Stellen in ihrer Abteilung abgebaut wurden. „Die Verantwortlichen der HSK sind aufgefordert, die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten so zu gestalten, dass eine gute Patientenversorgung sichergestellt werden kann, ohne dass die Arbeit die Ärztinnen und Ärzte selbst krank werden lässt“, sagt Susanne Johna, Landesverbandsvorsitzende des Marburger Bundes Hessen. Die Vorwürfe seien der Geschäftsführung bekannt.

Honorata Doba, Sprecherin der HSK-Geschäftsführung, wehrt sich im Gespräch mit der FR gegen die erhobenen Vorwürfe. „Abgesehen von der mangelnden Repräsentativität der Umfrage ist es nicht so, dass uns Verstöße beim Ausstechen angezeigt wurden. Uns ist kein einziger, derartiger Fall bekannt. Sollten wir einen Hinweis dazu aus der Belegschaft bekommen, werden wir dem mit Entschlossenheit nachgehen und es unterbinden, denn solche Vorgehensweise stellt einen Verstoß gegen das geltende Recht dar. Sie ist weder gewünscht noch wird sie von der Geschäftsführung geduldet“, so Doba auf Anfrage.

Auch könne die HSK-Leitung die generelle Arbeitsverdichtung nicht bestätigen. „Die Anzahl der Patienten im ersten Halbjahr 2015 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2014, also zum Zeitpunkt der Übernahme der Anteile durch Helios, ist nicht gestiegen. Wir bewegen uns auf genau gleichem Niveau wie im vergangenen Jahr“, so Doba.

Geschäftsführung will tätig werden

Auch die Anzahl der Mitarbeiter im ärztlichen Dienst habe sich nicht wesentlich verändert: „Wir haben heute im Vergleich zum Vorjahr 15 Stellen weniger, was bei einer Zahl von knapp 400 Vollzeitstellen im ärztlichen Dienst einem Anteil von weniger als vier Prozent entspricht.“

Die Klinikleitung sei bestrebt, die Arbeitsbedingungen im Einklang mit der wirtschaftlichen Lage des Hauses zu optimieren. „Wir arbeiten derzeit an der Neugestaltung der Abläufe in der Klinik und an der Überarbeitung der Bereitschaftsdienst- und Arbeitszeitmodelle, um die Anzahl der Überstunden zu reduzieren, deren Anzahl übrigens aktuell auf vergleichbarem Niveau liegt wie unter dem kommunalen Träger.“

Erst im Frühjahr waren die HSK in der Presse: Die Leitung musste vor dem Beteiligungsausschuss des Stadtparlaments rechtfertigen, warum im vergangenen Jahr 90 000 Überstunden geleistet wurden. „Wir haben das einfach vorgerechnet: Bei 2800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind das bei 220 Arbeitstagen pro Jahr sieben Minuten pro Mitarbeiter und Tag.“

Nun, da die Vorwürfe des Marburger Bundes auf dem Tisch liegen, werde das Thema in den regelmäßigen Runden mit den Chefärzten thematisiert.

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