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Wiesbaden Höchstgebot für den Babysitter

Mitglieder der anglikanischen Kirche in Wiesbaden versteigern am Samstag, 16. April, Zeit und Talent.

Talente und Zeit kommen in Wiesbaden unter den Hammer. Foto: Michael Schick

Wenn Pfarrer Christopher Easthill am Samstag in der anglikanischen Kirche zugegen ist, wird er nicht predigen. Vielmehr schlüpft der 55-Jährige in die Rolle eines Auktionators und versteigert Zeit. „Time & Talent“ heißt die Auktion, die um 14.30 Uhr in dem schmucken Gebäude an der Frankfurter Straße beginnt.

Neu ist die Idee nicht, gibt Easthill unverblümt zu. „Leider stammt sie nicht von mir, so originell bin ich nicht.“ Vielmehr seien solche Auktionen vor allem in den englischen und amerikanischen Kirchen weit verbreitet. Schließlich finanzieren die sich nicht über die Kirchensteuer, sondern über Spenden, Veranstaltungen und Fundraisingaktionen – wie eben die geplante Auktion am Samstag.

Etwa 200 Mitglieder, so schätzt Easthill, zählt seine Gemeinde. Sie kommen aus verschiedenen Ländern und Kulturen. Es sind Menschen, die laut Easthill viele Talente und Fähigkeiten haben und die ihre Zeit versteigern lassen wollen. „Es gibt zahlreiche Essensangebote, zum Beispiel soll französisch, indisch oder kenianisch gekocht werden“, sagt Easthill. Und englisch. „Meine Frau und ich werden zu einem britischen Sonntagsessen einladen.“

Fast 40 Angebote kommen am Samstag unter den Hammer: Taxifahrten zum Flughafen, ein Improtheater-Workshop, Kinderbetreuung, eine Tour, bei der die Nachtigall beobachtet werden kann, Babysitting. „Viele der Mitglieder sind zudem Künstler“, sagt Easthill. So biete eine Frau beispielsweise Gesangsunterricht an. „Wenn ich das machen würde, würde ich kein Geld nehmen. Aber die Dame kann richtig gut singen“, sagt Easthill und schmunzelt. Und auch über ein weiteres Angebot freut er sich besonders: Ein Gemeindemitglied will zwei Monate lang Wäsche bügeln. „Hoffentlich kommt viel Geld zusammen.“

Das soll laut Easthill dazu dienen, die Kirche zu unterhalten. „Es fließt jedoch nicht auf das Konto für die Kirchensanierung“, sagt er. Seit dem vergangenen Jahr wird das 150 Jahre alte Gebäude umfassend erneuert. Das Dach, die Fassade, die Gasheizung, die Innenwände und vieles mehr sind im Laufe der Jahr stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Und auch die elektrischen Leitungen und die Beleuchtung sollen erneuert, ein barrierefreier Zugang gebaut und die Toiletten sowie die Küche saniert werden.

Fünf Jahre lang sollen die Arbeiten dauern und etwa 500 000 Euro kosten. Fast die Hälfte will die Gemeinde mit Eigenmitteln stemmen, darüber hinaus hofft Easthill auf Unterstützung vom Denkmalschutz und Stiftungen. Zudem sei unter anderem ein großes Spenden-Konzert im Herbst geplant.

Angedacht ist übrigens auch, die Time-und-Talent-Auktion zu wiederholen. „Vielleicht nicht gleich im nächsten Jahr. Das ist zu aufwendig“, sagt Easthill. Zudem dauere es einige Zeit, bis alle Angebote eingelöst worden sind. „Ich erinnere mich noch an meine Münchner Zeit. Da haben wir auch eine Auktion gestartet.“ Seine Frau sei dem Bieter noch immer einen Nachtisch schuldig. Das Angebot sei damals nie abgerufen worden.

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