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Wiesbaden Gestaltungsbeirat Die Architekten-Polizei

Der neu konstituierte Gestaltungsbeirat soll städtebauliche und architektonische Fehlentwicklungen in Wiesbaden verhindern. Schon in seiner ersten Sitzung zeigt der Beirat, dass er seine Aufgabe ernst nimmt.

Auch bei den Planungen zum Kureck könnte der Gestaltungsbeirat mit ins Boot geholt werden. Foto: Michael Schick

Es war eine schwere Geburt. Nach gut drei Jahren zähen Verhandlungen und einer langwierigen Suche nach Experten hat der Gestaltungsbeirat seinen Dienst aufgenommen. Sieben unabhängige Berater für Baustilfragen sollen städtebauliche und architektonische Fehlentwicklungen verhindern.

Lange hatte die Bürgerliste Wiesbaden (BLW) auf die Einrichtung eines solchen Gremiums gedrängt, das den Architekturbeirat ersetzt. BLW-Chef Michael von Poser erhoffte sich dadurch, dass „endlich Schluss damit ist, dass immer nur elende Kästen und scheußliche Klötze gebaut werden“, sagte er vor zwei Jahren.

Dass sie unabhängig agieren und auch mal den Finger in die Wunde legen wollen, machten die sieben Architekten und Baudenkmalpfleger des Beirats mehr als einmal deutlich. Sie sind für zwei Jahre gewählt und dürfen während dieser Zeit sowie zwei Jahre vor und nach ihrem Engagement keine Projekte in Wiesbaden übernehmen. Sie arbeiten ehrenamtlich und erhalten für ihr Engagement lediglich eine Aufwandsentschädigung. Vier Mal pro Jahr werden sie in Wiesbaden zusammenkommen und beraten. „Es sei denn es gibt so viele Bauvorhaben, dass Sondersitzungen anberaumt werden müssen“, sagte Stadtentwicklungsdezernentin Sigrid Möricke (SPD). Für die Arbeit des Gestaltungsbeirats sind im Haushalt rund 80 000 Euro bereitgestellt.

OB Sven Gerich (SPD) erhofft sich von der Arbeit des Gremiums, dass die Emotionen, die bei vielen Vorhaben aufkochten, mehr gezügelt werden. Er nehme das Gremium sehr ernst und erwarte durch den fachlichen Blick von außen spannende Diskussionen. Sowohl Gerich als auch Möricke wollen den Beirat von Bauherren und auch Architekten als Mehrwert verstanden wissen. „Niemand soll sich gegängelt fühlen“, sagte Möricke. Doch die Empfehlungen sollten ernst genommen werden.

"Wir lassen gewiss nichts durchgehen"

Das erhofft sich auch Gesine Weinmiller, die Vorsitzende des Gestaltungsbeirats. Bereits einmal habe sie erlebt, dass ein solcher Beirat lediglich als Feigenblatt für die Politik gesehen wurde. Doch sie habe auch gute Erfahrungen gemacht. Sie freue sich auf die Zusammenarbeit und wies darauf hin, dass die Stadt nun sieben Mitstreiter auf dem Weg zum Weltkulturerbe gefunden habe. „Wir lassen gewiss nichts durchgehen.“

Dass sie das durchaus ernst meinte, zeigte sich in einer öffentlichen Sitzung, in der unter anderem die Vorschläge zur City-Passage scharf kritisiert wurden.

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