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Wiesbaden Gegner kritisieren Gutachten

Am zweiten Tag des Erörterungsverfahrens um die Windräder auf der Hohen Wurzel wird der Ton schärfer. Die Gegner des Windparks kritisieren das Gutachten.

16.03.2016 20:00
Peter H. Eisenhuth
Das Thema Windkraft ist umstritten (Symbolfoto). Foto: dpa/Symbolbild

Dass sie Zweifel an der Wissenschaftlichkeit seiner Methoden hegen, hatten die Gegner des geplanten Windparks auf der Hohen Wurzel dem für die Eswe-Taunuswind arbeitenden Umweltplaner Günter Ratzbor gestern des Öfteren unter die Nase gerieben. Gegen Mittag packte Carsten Gödel dann die schweren Geschütze aus und stellte auch die Glaubwürdigkeit des Gutachters infrage.

Beispielsweise sei Ratzbor Mitinitiator des Projektes „Windkraft im Visier“, also an einem Ausbau der Windkraft interessiert. Als Referent eines Windbranchenforums habe er dafür geworben, das Artenschutzrecht in Planungs- und Genehmigungsverfahren nicht zielgerichtet anzuwenden; Kollisionen von Vögeln mit Windrädern kämen so selten vor, dass sie nicht mehr als „hinzunehmende Einzelverluste“ oder „beiläufiges Töten“ seien. Und dann zitierte Gödel, Sprecher des Vereins „Rettet den Taunuskamm“, aus einem drei Jahre alten Urteil des Verwaltungsgerichts Gera – darin werde Ratzbor bescheinigt, „von seiner Ausbildung her nicht über biologische und spezifisch ornithologische Kenntnisse“ zu verfügen, weshalb es geboten sei, seine Stellungnahmen zu entsprechenden Themen mit Vorsicht zu bewerten.

Keine Frage: Der Ton wurde schärfer am zweiten Tag des vom Regierungspräsidium Darmstadt (RP) anberaumten Erörterungstermins im Genehmigungsverfahren für die Windräder auf dem Taunuskamm. Unterm Strich ließ sich Gödels Kritik an Ratzbor dahingehend zusammenfassen, dass ein Windkraft-Lobbyist ein Gutachten zum Artenschutz anfertigen durfte. Es war der erste Moment in der bisherigen Erörterung, in dem Rechtsanwalt Janko Geßner, der Sprecher der Taunuswind-Vertreter, merklich nervös wurde. Gödels Ausführungen gingen am Thema vorbei und seien scheinheilig: „Wäre es Ihnen denn lieber gewesen, wir hätten keinen Gutachter beauftragt?“

Wanderfalken Thema

Ansonsten stand der zweite Tag lange im Zeichen des Wanderfalken. Zwar war dieser nur einer aus mehr als einem halben Dutzend Vogelarten, die nach Auffassung von Ingo Hausch durch Bau und Betrieb der Windräder gefährdet wären – doch in den nächsten mehr als anderthalb Stunden drehte sich die Diskussion einzig um den „Falco peregrinus“ und um die „inhaltlichen und methodischen Fehler“, die der Wiesbadener Vorsitzende der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) dem Gutachten vorwarf.

Wenn es zutrifft, was Hausch und andere Projektgegner anführten, stimmt in der Ratzbors Stellungnahme, angefangen bei der Zahl der nachgewiesenen Falken-Horste (laut Ratzbor 28, laut HGON 75), nahezu nichts. Allerdings war auch fraglich, ob Ratzbor seine Untersuchungen überhaupt in den richtigen Zeiträumen angestellt hatte; in dieser Hinsicht ließen selbst seine eigenen widersprüchlichen Angaben Zweifel zu.

Gleichwohl taten die Vertreter der Projektplaner die Argumente der Gegner durchweg als falsch oder irrelevant ab. Den Vorwurf, er zeigte zwar Konflikte zwischen Windrädern und Vogelwelt auf, gehe aber bei der Bewertung dieser Konflikte dazu über, Tatsachen zu verdrehen oder auszulassen, wies Günter Ratzbor unter Verweis auf seine Aufgabe zurück: „Ich versuche, die voraussichtlichen Auswirkungen zu projizieren“, erläuterte er. „Aber es fällt mir schwer, zu sagen: Der Wanderfalke wird hier zu Tode kommen.“ Denkbar sei dies zwar, aber denkbar sei auch, im Lotto sechs Richtige plus Superzahl zu haben. „Aber heißt dies, dass es in den nächsten 10 oder 15 Jahren passieren wird?“

Janko Geßner betonte, im Genehmigungsverfahren gehe es nicht um die Prüfung aller möglichen Belange, sondern darum, ob das strenge Artenschutzrecht eingehalten werde. Maßgebend dafür sei der aus dem Jahr 2012 stammende hessische Leitfaden. Einen Verbotsgrund stelle laut Gesetzgebung lediglich „ein signifikant erhöhtes Tötungsrisiko“ dar, sagte der Taunuswind-Anwalt. „Das ist nicht gegeben.“ Eine Einschätzung, die die Projektgegner weder für den Wanderfalken noch für Kraniche oder den Roten Milan teilen. „Vögel können die Bewegung der Rotoren nicht einschätzen“, sagte Ingo Hausch. „Das gehört nicht zum natürlichen Feindschema“ – die Wahrscheinlichkeit, dass die Tiere zu Opfern der Windräder würden, sei hoch.

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