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Wiesbaden Gefahr für Fledermäuse

Auch am dritten Tag im Erörterungsverfahren zu Windrädern auf dem Taunuskamm sieht sich der für Taunuswind tätige Umweltplaner Günter Ratzbor der Kritik ausgesetzt, schlampig gearbeitet zu haben.

17.03.2016 18:29
Peter H. Eisenhuth
Städter bekommen Fledermäuse nur selten zu Gesicht. Foto: REUTERS

Der Kampf um die große Sache erfordert Auseinandersetzung im Detail. Wer in den vergangenen drei Tagen am Erörterungstermin im Genehmigungsverfahren für die Windräder auf dem Taunuskamm teilgenommen hat, konnte einen Eindruck gewinnen, wie mühsam Demokratie mitunter ist. Allein am Mittwoch saßen Vertreter der Eswe-Taunuswind und Projektgegner bei der vom Regierungspräsidium Darmstadt (RP) anberaumten Veranstaltung im Kostheimer Bürgerhaus rund zwölf Stunden zusammen – auf einen Nenner kamen sie in keinem der Punkte, den die Einwender an den Gutachten der Projektplaner kritisierten.

Die Strapazen waren manch einem am Donnerstag anzusehen, hielt die Beteiligten aber nicht davon ab, auch bei den nächsten strittigen Fragen in den Clinch zu gehen. Dabei übernahmen Fledermäuse die Rolle, die am Vortag der Wanderfalke innehatte, und auch diesmal sah sich der für die Taunuswind tätige Umweltplaner Günter Ratzbor der Kritik ausgesetzt, schlampig gearbeitet zu haben. „Unvollständige Erfassung“ und „fachlich unzutreffend“ wirft Carsten Gödel von der Initiative „Rettet den Taunuskamm“ dem Gutachter vor – Zitate aus einer Expertise des Freiburger Instituts für Angewandte Tierökologie.

Innerhalb weniger Tage habe man zwei sogenannte Wochenstuben der Bechsteinfledermaus gefunden, sagte Gödel – Quartiere, in denen die Weibchen ihre Jungen zur Welt bringen. „Wenn man gründlich sucht, findet man wahrscheinlich noch mehr. Aber das muss man eben auch wollen.“ Die Gutachter hatten keine Quartiere entdeckt. Ulrich Hahn vom Bund für Umwelt und Naturschutz unterstützte Gödel. Wenn es auf der Hohen Wurzel solche Wochenstuben gebe, seien diese zwingend zu schützen, denn: „Die Zerstörung einzelner Quartiere kann zum Zusammenbruch ganzer Kolonien führen.“

Anwalt leicht genervt

BUND-Mann Hahn, selbst ein Befürworter des Windparks auf dem Taunuskamm, räumte ein, die Bechsteinfledermaus werde nur durch den Bau, nicht aber durch den Betrieb der Windräder gefährdet. „Das gilt allerdings für andere Arten“, weshalb seine Organisation eine Rotatoren-Schnellabschaltung fordere.

Mit einer erstaunlichen Gelassenheit nahm der immer wieder kritisierte Ratzbor alle Vorwürfe zur Kenntnis. Anders als sein Mitstreiter, Taunuswind-Anwalt Janko Geßner, der mit der Zeit leicht genervt wirkte und die Vorhaltungen der Gegenseite gerne knapp als unsachgemäß, falsch oder für das Genehmigungsverfahren irrelevant abbügelte, gab sich der Umweltplaner gelassen-fröhlich und fand auch noch die Muße für Bonmots. Dass den Gutachtern bei sechs Anläufen lediglich eine einzige männliche Große Bartfledermaus ins Netz gegangen sei, „ist kein Hinweis auf ein Vermehrungsquartier“, scherzte er. „Das ist aber auch kein Indiz für weitergehende Untersuchungen.“

Für die interessierten Laien im Publikum, deren Zahl im Laufe der drei Erörterungstage auf eine Handvoll schrumpfte, stellte sich häufig das Problem, die Argumente beider Seiten einzuordnen. Vor allem, wenn es darum ging, die inhaltliche Relevanz für das Prüfverfahren beim Regierungspräsidium einzuschätzen – welche Fakten sind tatsächlich geeignet, die Windpark-Pläne zu Fall zu bringen, welche stellen zwar gefühlte Katastrophen aus Sicht von Natur- und Tierschützern dar, sind aber bei der Genehmigung von untergeordnetem Interesse?

Hochriskant für Trinkwassergewinnung

Das betonte Janko Geßner beispielsweise bei der Diskussion über das Landschaftsbild, die Hartmut Fischer vom Rheinischen Verein für Denkmalpflege mit einem reichhaltig illustrierten Vortrag eröffnet hatte. Unter anderem prangerte er die Sichtveränderungen von der linken Rheinseite aus und die Verschandelung der jahrhundertealten Kulturlandschaft an. Gleichzeitig äußerte er den Verdacht, nach dem Bau der ersten zehn Windräder würden früher oder später die nächsten folgen. „Mit dem Argument, dass es darauf auch nicht mehr ankommt.“

Ein Pfund für die Projektgegner könnte allerdings ein Gutachten des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie sein, das die Errichtung und den Betrieb von Windenergieanlagen als hochriskant für die Trinkwassergewinnung für Wiesbaden und Taunusstein einstuft. An allen zehn Standorten werde die schützende Deckschicht abgetragen, Schadstoffe könnten ins Grundwasser gelangen. „Das kann auslaufendes Öl der mehreren Hundert Lastwagen sein, das können Exkremente von Tieren sein“, erläuterte Carsten Gödel. Dass die Taunuswind angekündigt habe, Plastikplanen auszulegen, hält der Projektgegner für einen Witz: „Die gehen kaputt, wenn man sich einmal auf dem Absatz herumdreht.“

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