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Wiesbaden Folklore-Festival Wiesbaden soll nicht zu Spießbaden werden

In der Landeshauptstadt regt sich breiter Widerstand gegen das mögliche Ende des Folklore-Festivals. Verhandlungen mit den Anwohnern, die sich durch den Lärm gestört fühlen, waren in der Vergangenheit immer wieder gescheitert.

Das Folklore-Festival, hier 2010, ist eine der wenigen Veranstaltungen für ein jüngeres Publikum in Wiesbaden. Foto: Rolf Oeser

Bürgermeister Arno Goßmann (SPD) hat extra seinen Urlaub verschoben. Wegen der Querelen um das diesjährige Folklore-Festival (die FR berichtete) ist er in Wiesbaden geblieben und harrt der Dinge, die da kommen. Am gestrigen Montag traf der angekündigte Drittwiderspruch in der Stadtverwaltung ein. Ein Anwohner fordert, die Verstärkeranlagen während des Festivals bereits um 20 Uhr auszuschalten.

Goßmann, leidenschaftlicher Verfechter des Folklore-Festivals, der sich zu dem Schreiben nicht näher äußern will, hat angekündigt, den Widerspruch sorgfältig zu prüfen. Während er das tut, wird der Widerstand in der Stadt immer größer. „Die Stadt Wiesbaden muss alle Mittel und Wege ausschöpfen, um das traditionsreiche Festival zu erhalten“, fordert die kulturpolitische Sprecherin der Grünen im Rathaus, Dorothea Angor. Man müsse sich mit den Anwohnern zusammensetzen und eine Lösung finden.

Mediation ist gescheitert

Das ist in der Vergangenheit bereits versucht worden. Eine vom Ortsbeirat Südost und der Stadt Wiesbaden initiierte Mediation verlief ohne Erfolg, beziehungsweise wurde von den Anwohnern nicht angenommen, schreibt Ortsvorsteher Uli Weimer in einer Pressenotiz.

Bereits am Freitag hatte er sich gegenüber dieser Zeitung geäußert und gefordert, das Festival zu erhalten. Vor dem Hintergrund der gescheiterten Mediation finde er immer weniger Verständnis für die Beschwerdeführer unter den Anwohnern, schreibt Weimer, der ankündigt, über neue Spielzeiten diskutieren zu wollen. 2007 hatte der Ortsbeirat beschlossen, dass die Bands lediglich bis 22 Uhr spielen dürften. Dieser Beschluss sei lange vor seiner Zeit gefasst worden, sagt Weimer, der seit diesem Jahr Ortsvorsteher ist.

Widerstand regt sich auch im Internet. Wenige Stunden nach Bekanntwerden der Nachricht um die Probleme des Festivals hatten die Jusos auf Facebook die Aktion „WI(r) für Folklore in Wiesbaden“ ins Leben gerufen. Bis Redaktionsschluss hatte sie bereits mehr als 2300 Unterstützer. „Das Festival ist eine wichtige Veranstaltung für Jugendliche und Familien“, schreibt Juso-Vorsitzender Sven-Andrej Scharf. Diesem Gemeinsinn entgegen zu stehen, zeuge von Intoleranz.

Wenige Feste für Jüngere


Zwar zeigen die Jusos auch Verständnis für das Anliegen der Anwohner. „Keiner möchte gerne Lärm in seinem Umfeld haben. Aber genau hier muss man sich die Frage stellen, in welchem Umfeld man leben möchte“, heißt es in der Pressenotiz. Wer in einem lebendigen, vielseitigen und jugendfreundlichen Wiesbaden leben möchte, „der sollte auch mal seine Interessen dem Gemeinschaftsinteresse unterordnen“, damit Wiesbaden nicht zu Spießbaden werde.

Auch die Jungen Piraten kritisieren in einem Schreiben das Verhalten der Anwohner rund um den Schlachthof. Es gebe in Wiesbaden tatsächlich einige Veranstaltungen. „Allerdings sind diese selten an ein jüngeres Publikum gerichtet“, schreibt Jung-Pirat Bernd Preismann.

Er weist darauf hin, dass beim Wilhelmstraßenfest und der Weinwoche die Bühnen auch unter der Woche teilweise bis 22 und am Wochenende bis 24 Uhr bespielt würden. „Sollte Folklore wegfallen, wird das Kulturangebot der Landeshauptstadt noch einseitiger“, heißt es.

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