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Wiesbaden Flagge zeigen

Beim Christopher Street Day demonstrieren 200 Menschen für gleiche Rechte. Die Demonstranten wünschen sich mehr Beteiligung der Wiesbadener - immerhin sehen sie eine rückwärts gewandte Tendenz in Europa.

03.08.2014 15:51
Mirjam Ulrich
Farbe bekennen für mehr Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transsexuellen. Foto: Michael Schick

Die giftgrünen Haare der Perücke fallen über die Schultern bis zur knallroten Korsage. Dazu ein Mini aus schwarzem Tüll, endlose Beine und hohe Stilettos, dass einem schwindelig werden kann: Zarah hat sich für die Demo am Wiesbadener Christopher-Street-Day in Schale geworfen. „Wenn ich im Jogginganzug demonstriere, beachtet mich keiner“, sagt sie. Diese Selbstdarstellung provoziere zwar, helfe aber zugleich, die Botschaft herüberzubringen. „Bei uns Drag Queens gucken die Leute eher ‘mal hin“, ergänzt Vanessa P. „Da dachte ich mir: Mache ich mich ‘mal zum Banner.“ Sie breitet ihre Arme aus, um ihren kurzen weißen Umhang auseinanderzufalten: „Time to act“ steht darauf.

Es sei Zeit zu handeln, findet Zarah. Europaweit gebe es wieder eine rückwärts gewandte Tendenz. „Dagegen müssen wir Präsenz zeigen.“ Sie bedauert, dass beim dritten CSD in Wiesbaden noch nicht so viele mitmachen, wie in anderen großen Städten. Auf rund 200 schätzt die Polizei die Zahl der Demonstranten.

Skeptische Blicke

Auch Stefanie Schäfer wünscht sich mehr Beteiligung von Wiesbadenern. In Frankfurt sei der CSD längst in der Normalität angekommen, in Wiesbaden wirken die Zuschauer auf sie etwas aggressiver. „Beim ersten CSD 2012 wurden wir hier plötzlich von einer Frau Mitte 40 lautstark beschimpft.“ Dieses Jahr zücken die Passanten reihenweise ihre Kameras und Smartphones, wo immer der Demonstrationszug in der Innenstadt auftaucht.

Doch es gibt auch skeptische Blicke. Sie könne diese Ignoranz nicht verstehen, sagt Heike Blum. Die 60-jährige Wiesbadenerin ist heterosexuell, sie hat sich eine Blumenkette in den Farben des Regenbogens umgehängt und demonstriert für die Akzeptanz und rechtliche Gleichstellung homo-, bi- und transsexueller Menschen. „Ich bin einfach nur solidarisch.“

Matt ist 17, transsexuell und mit zwei Freundinnen extra aus Kassel nach Wiesbaden gekommen. „Ich weiß nicht, ob ich später tatsächlich einmal heiraten oder Kinder haben will, aber ich will das Recht dazu haben.“ Matt hat sich mit Linda aus dem Rheingau zur Demo verabredet. Die 15-Jährige findet es seltsam, dass man sich überhaupt outen und davor so viel Angst haben müsse. „Viele Eltern reagieren darauf immer noch schlimm“, sagt sie. Neue Freunde ließen sich notfalls nach dem Coming out suchen, bei den Eltern gebe es keine Wahl.

Schillernde Seifenblasen

Über dem Demonstrationszug steigen schillernde Seifenblasen auf. Martin Wolf aus Offenbach geht unter einer Regenbogenfahne, an der Spitze der Stange ist eine Christusfigur am Kreuz befestigt. „Jesus ist auch für uns Schwule und Lesben gestorben“, sagt er dazu. Er ist Mitglied der evangelischen Kirche. In Hessen und Nassau sei die schon sehr fortschrittlich. Es gebe Segnungen für gleichgeschlechtliche Paare und einige offen homosexuell lebende Pfarrerinnen und Pfarrer.

„Liebe ist ohne Wenn und Aber – sie ist einfach“, sagt Susanne Stadtfeld vom Verein Warmes Wiesbaden, der die Demonstration unter dem Motto „WI ist Liebe?!“ veranstaltet. Auf der Kundgebung spricht sie über die alltägliche Diskriminierung und Ausgrenzungen von Lesben, Schwulen, Bi- und Transexuellen. Die beginne damit, als „schrill und bunt“ bezeichnet zu werden und ende längst nicht bei der rechtlichen Ungleichbehandlung bei Ehe, Adoption und Erbrecht.

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