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Wiesbaden Fax an die Psychiatrie

Anwalt wegen versuchter Gefangenenbefreiung vor Gericht / Fragmente auf PC.

Als die Ermittler Mitte Juni 2014 den Computer des 55-jährigen Beschuldigten untersuchen, entdecken sie Fragmente eines Faxes, das den Anwalt in gehörige Schwierigkeiten gebracht hat. Mit diesem soll der Wiesbadener versucht haben, Gustl Mollath aus einer Psychiatrie in Bayreuth zu befreien. Deshalb – und wegen Urkundenfälschung – muss sich der Mann derzeit vor dem Wiesbadener Amtsgericht verantworten. Gestern berichteten Ermittler von den Hausdurchsuchungen.

Der 55-Jährige streitet die Vorwürfe nach wie vor ab. Ein Mandant habe das Schreiben von seinem Anschluss aus gesendet. Dieser Mann, dessen Identität der Anwalt aus Gründen der Schweigepflicht nicht preisgeben will, soll das Anschreiben und einen Beschluss des Landgerichts Regensburg samt Stempel gefälscht haben. Das offizielle Anschreiben, den Briefkopf habe sich sein Mandant aus dem Internet besorgt. Anschließend habe er sein Faxgerät so manipuliert, dass beim Empfänger als Absender die Nummer des Landgerichts Regensburg auftauchte, erklärt der 55-Jährige.

Nicht erklären kann er sich hingegen, wie die Ermittler Fragmente des Faxes auf seinem Computer finden konnten. Doch auch dafür könnte sein Mandant verantwortlich sein. Er soll das Schreiben auf einem USB-Stick gespeichert, diesen mit dem Computer verbunden und es über ein Faxprogramm versendet haben, sodass Daten auf seinem PC gespeichert wurden.

Ob sich das Geschehen so zugetragen haben könnte, dazu wurden gestern Polizeibeamte aus Regensburg und Wiesbaden befragt, die die Daten gesichert hatten. Sichergestellt worden seien jedoch nur Fragmente des Anschreibens, keine des richterlichen Beschlusses. Das müsse jedoch nicht bedeuten, dass das Schreiben sich nie auf dem PC befunden habe, sagte ein Polizist aus. Es könnte sein, dass bestimmte Bereiche der Festplatte bereits überschrieben worden seien. Doch dies wies der Beschuldigte energisch von sich.

Rätselhafte E-Mail an die Psychiatrie

Er hatte bereits am ersten Verhandlungstag ausgesagt, dass er genügend Zeit gehabt hätte, die Festplatte auszutauschen und alle Spuren zu beseitigen – wenn er das Schreiben verschickt hätte. Er habe kein Motiv und wisse, dass er bei einer Verurteilung seine Zulassung als Anwalt verlieren könnte. Seinen Mandant hingegen habe der Fall Gustl Mollath sehr beschäftigt. Immer wieder habe er über die Ungerechtigkeit der bayerischen Justiz gesprochen, erklärte der 55-Jährige.

Er könnte sich vorstellen, dass sein Mandant mit dem Fax ein Zeichen setzen wollte, sagte der Anwalt. Es sei jedoch klar gewesen, dass ein solches Schreiben nicht ausreiche, einen Gefangenen zu befreien. „Ein solches Fax hätte Mollath eher geschadet als genützt.“ Zudem habe das Gericht erst wenige Tage vor dem Fax angeordnet, Mollath nicht zu entlassen. Da müsse dem Schreiber doch klar gewesen sein, dass man in der Psychiatrie besonders aufmerksam war.

In dem Krankenhaus in Bayreuth war wenige Tage nach dem Fax auch eine E-Mail mit ähnlichem Inhalt eingegangen. Von einer unbekannten Adresse eines Providers in Kanada. Der Absender: Faxenmacher. Es sei versäumt worden zu ermitteln, wer dahinter stecke, kritisiert der Anwalt des 55-Jährigen. Zudem sei die E-Mail verschwunden.

Der Prozess wird am Mittwoch, 4. Mai, 9 Uhr, fortgesetzt.

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