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Wiesbaden Einsatz für das Queer-Sein

Stefan Kräh will ein Klima schaffen, in dem andersgeschlechtliche Lebensweisen wirklich akzeptiert sind.

Stefan Kräh
Eine Stadt, in der sich alle Menschen wohl fühlen können, so wie sie sind, wünscht sich Stefan Kräh. Foto: Michael Schick

Sie tun nichts Böses und sie sehen auch noch nett aus.“ Die Chancen, dass Menschen dies beim Anblick einer Christopher- Street-Day-Demonstration denken, sind für Stefan Kräh gar nicht so gering. Deshalb hält er solche Demos für wichtige Ereignisse in einer Stadt, um Vorurteile gegen Menschen mit anderen sexuellen Lebensweisen abzubauen. „Oft fußt Diskriminierung auf Unwissenheit“, sagt er. Aufklärung sei notwendig, um ein Klima zu schaffen, in denen es allen Menschen gut gehe.

Stefan Kräh ist die erste Person, welche die neu geschaffene LSBT*IQ-Koordinierungsstelle der Landeshauptstadt besetzt. LSBT*IQ, kurz „Queer“ genannt, steht für lesbische, schwule, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen. Krähs Aufgabe ist es, mit der queeren Community zusammenzuarbeiten, Ansprechpartner und Bindeglied zwischen Betroffenen, Fachstellen und Stadtverwaltung zu sein. Dass es diese Stelle gibt, ist der Wunsch des Runden Tisches mit den queeren Organisationen und Vereinen, der seit 2014 tagt.

Der 31-jährige Soziologe bringt viel Erfahrung für dieses Arbeitsfeld mit. Sein Studienschwerpunkt Geschlechtersoziologie an der Technischen Universität Darmstadt bereitete ihn passgenau auf seine neue Tätigkeit vor. Seit mehr als zehn Jahren engagiert er sich auch ehrenamtlich in queeren Organisationen. Er ist seit 2010 Vorsitzender des queeren Vereins „vielbunt“ in Darmstadt und hat das 2017 eröffnete Queere Zentrum Darmstadt mitinitiiert und mitgegründet. Als freier Mitarbeiter ist er zudem bei der Stabsstelle Antidiskriminierung im hessischen Sozialministerium mit den queeren Themen befasst. „Ich hatte ein frühes Outing schon in der Schulzeit“, sagt er über sich. Ohne große Konflikte. In seiner Familie und im Freundeskreis sei sein Schwulsein auf Akzeptanz gestoßen. Allerdings kenne er wie alle Homosexuellen Homophobie im erweiterten Bekanntenkreis oder von Fremden.

Etwa 20.000 Betroffenen

Wiesbaden möchte sich als vielfältige und weltoffene Stadt verstehen, in der sich Menschen wohlfühlen können, „als die Person, die sie sind“, sagt Kräh. Die Stadt geht von etwa 20 000 Betroffenen aus, über sieben Prozent der Einwohner. Die Akzeptanz andersgeschlechtlicher Lebensweisen fördern, um Sensibilität im Umgang damit werben, Aufklärungsarbeit leisten, Hilfsangebote entwerfen sowohl für die Personen der Stadtgesellschaft als auch die Beschäftigten in der Stadtverwaltung, dafür ist Kräh nun da. Die Probleme könnten ja ganz profan sein, sagt er. Eröffne etwa ein Beschäftigter seinem Chef, dass er das Geschlecht wechseln werde, brauche dieser Unterstützung dabei, es den Kollegen mitzuteilen. Oder Formulare müssten wegen der Ehe für alle angepasst werden: Dort ist häufig von Ehefrau und Ehemann die Rede. Was aber, wenn zwei Frauen heiraten?

Von einer positiven Grundhaltung der Queer-Community gegenüber profitieren laut Kräh alle Bewohner. Denn Ablehnung schaffe schlechte Stimmung und breche Bahnen für die Diskriminierung anderer Minderheiten. Akzeptanz dagegen befördere den gesellschaftlichen Frieden.

Die kommenden Wochen wird Stefan Kräh dafür nutzen, sich bei den Gruppen wie „Warmes Wiesbaden“ oder der Aidshilfe in der Stadt vorzustellen und Netzwerke aufzubauen. Von Januar 2019 an möchte er Betroffene auch beraten.

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