Lade Inhalte...

Wiesbaden Eine Sprache, die verbindet

Der Welt-Jugendkongress der Esperanto-Sprecher beginnt am Sonntag, 2. August, an der Wiesbadener Jugendherberge. Er geht bis 9. August. Ulrich Matthias und seine Frau Nan sprechen Esperanto.

Esperanto wird rund um den Globus gesprochen. Foto: REUTERS

Wer spanisch und französisch sprechen kann und es vielleicht auch noch bis zum kleinen Latinum geschafft hat, der wird Ulrich Matthias bisweilen verstehen, wenn der in seiner Herzenssprache loslegt. Der 49-Jährige spricht Esperanto und dass diese Sprache, die Menschen miteinander verbindet, zeigt seine Geschichte, die er ab dem Wochenende während des Jugend-Weltkongresses in Wiesbaden sicherlich erzählen wird.

Ein Flyer in der Mensa der Heidelberger Uni brachte Matthias 1989, damals Mathematikstudent, dazu, einen Esperanto-Kurs zu belegen. „Ich fand es spannend, eine Sprache zu lernen, die es zum Ziel hat, Brücken zwischen Kulturen und Völkern zu schlagen“, sagt der Wiesbadener. Innerhalb weniger Wochen konnte Matthias die Sprache lesen, wenige Monate später sie sprechen – „obwohl ich kein Sprachgenie bin“, erzählt er.

Die Sprache besticht laut Matthias durch ihre Einfachheit. Die Wörter bestehen vor allem aus unveränderlichen Elementen. „Die Grammatik ist klein, alles ist logisch aufgebaut.“ Substantive enden beispielsweise alle auf -o, wie „digno“, was auf deutsch Würde bedeutet. Zeit-Adverbien enden auf -i. Vieles ist dem Wortschatz romanischer Sprachen entlehnt.

Der Wiesbadener, der damals noch in Heidelberg lebte, fing an, an Jugendtreffen in der ganzen Welt teilzunehmen, sich mit anderen Esperanto-Fans auszutauschen. Die Angaben über die Anzahl der Sprecher variieren stark. Matthias schätzt etwa zwei bis drei Millionen Sprecher. Etwa 5500 Mitglieder hat der größte Dachverband, der Esperanto-Weltbund. In Wiesbaden gebe es nur vereinzelt Interessenten, was er jedoch gerne ändern möchte. „Es wäre schon schön, wenn sich mehr Wiesbadener für diese Sprache begeistern würden.“

Eine beherzte Mitstreiterin hat Matthias bereits: seine Frau Nan. Während eines Esperanto-Treffens in Hongkong vor 15 Jahren hatte er sie kennengelernt. Es funkte, ein Jahr später heirateten die beiden. Auch Nan Matthias-Wang, die aus China stammt, spricht Esperanto – „wie viele Chinesen“, sagt sie. In China gebe es sogar vom Staat geförderte Rundfunksendungen auf Esperanto.

Sie selbst entschied sich nach einer Radio-Sendung über Esperanto, diese Sprache zu lernen. „Weshalb soll ich französisch oder englisch sprechen, wenn ich mich mit nur einer Sprache weltweit verständigen kann, habe ich mich damals gefragt.“ Die heute 40-Jährige lernte ebenfalls schnell. „Esperanto ist viel einfacher als französisch oder deutsch.“

Auch wenn Matthias-Wang mittlerweile fließend deutsch spricht: Ab und zu kommuniziert das Ehepaar aus Wiesbaden in Esperanto – „meist dann, wenn uns niemand verstehen soll“, sagt der 49-Jährige und lacht. Ihre beiden Kinder, Christina Yali (13) und David (9), sind jedoch nicht allzu begeistert von der fremden Sprache. „Wir waren zwar schon auf einigen Kongressen, aber so wirklich fasziniert hat Esperanto die beiden nicht“, sagt Ulrich Matthias.

Und auch das hofft der Mathematiker ändern zu können. Am Sonntag, 2. August, beginnt der Jugend-Weltkongress der Esperanto-Sprecher in Wiesbaden. Eine Woche lang treffen sich an der Jugendherberge mehrere Hundert junge Menschen aus mehr als 40 Ländern. Tagsüber gibt es Vorträge, Arbeitsgruppen, Esperanto-Sprachkurse sowie Sitzungen der Welt-Esperanto-Jugend. Am Abend wird gefeiert, beim gemeinsamen Konzert- oder Discobesuch.

Auch Familie Matthias wird vor Ort sein: Ulrich Matthias wird einen Vortrag zum Thema „Esperanto und Entwicklungsarbeit“ halten, seine Frau Nan wird Tai-Chi-Kurse anbieten. Und die Kinder? „Die werden hoffentlich viele neue interessante Kontakte knüpfen.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen