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Wiesbaden Drahtloses Graswurzel-Netzwerk

Die Initiative „Freifunk“ will stadtweit mobiles Internet anbieten und sucht weitere Mitstreiter. Die Idee ist, dass sich möglichst jedes Haus in Wiesbaden (oder mindestens ein Bewohner eines jeden Hauses) mit seinem WLAN-Router an einem großen Netzwerk beteiligt.

Router aller Städte! Vereinigt Euch! Foto: REUTERS

Drahtloses Internet, immer und überall verfügbar und das auch noch kostenlos für die Nutzer – das muss in modernen Zeiten doch machbar sein. Das denkt sich ein Zusammenschluss von jungen IT-Experten mit gewissen Verbindungen zu den Chaos Computer Clubs aus Mainz und Wiesbaden. Im Schulterschluss mit der Fraktion der Linken und Piraten haben sie nun einen Vorstoß im Ausschuss für Bürgerbeteiligung, Völkerverständigung und Integration gewagt und schlagen ein von den Bürgern getragenes Netzwerk unter dem Namen „Freifunk“ vor.

Die Idee ist, dass sich möglichst jedes Haus in Wiesbaden (oder mindestens ein Bewohner eines jeden Hauses) mit seinem WLAN-Router an einem großen Netzwerk beteiligt. „Jeder dem Netzwerk hinzugefügte Router ist ein weiteres Puzzleteil und erweitert das WLAN-Netz um einen Radius von rund 100 Metern“, erklärt Markus Stein von der Freifunk-Initiative. „Im Idealfall entsteht ein lückenloses und für alle Nutzer offenes WLAN-Netz, das nur an wenigen Punkten über eigene Server mit dem Internet verbunden ist.“

Gesurft wird im Freifunk also nicht mehr über die Server der Telekom oder anderen kommerziellen Anbietern. Im Grunde tritt Freifunk als Provider auf, der einzelne Mitfunker muss sich laut Stein keine Gedanken darüber machen, ob ein anderer Nutzer illegale Transaktionen über seinen Router ausführt. Gruppenhaftung gebe es hier nicht.

„Der Freifunk wird in Wiesbaden von einer Gruppe von Freiwilligen in Gemeinschaftsarbeit gepflegt“, ist in einem Flugblatt der Freifunk-Community zu lesen. Die Aktivisten wollen dafür sorgen, dass die kleinen Internetknoten tadellos im Gesamtkonzert funktionieren, die Software pflegen und erweitern, den Freifunk auf öffentlichen Veranstaltungen vorstellen.

Das ist durchaus auch als politisches Statement zu verstehen: „Sich Informationen beschaffen und bearbeiten zu können, gehört zu den wesentlichen Voraussetzungen einer

Diese Graswurzel-Idee ist nicht neu. In anderen Städten wie Berlin existiert und funktioniert das zumindest auf Quartiersebene. „Wir in Wiesbaden würden das gerne in Kooperation mit den Mainzer Freifunkern auch über die Grenze nach Rheinland-Pfalz ausdehnen. Das wäre einzigartig in Deutschland“, sagt Gunnar Langer von den Linken in Wiesbaden. Der Vorstoß seiner Fraktion im Ausschuss trug am Dienstag erste Früchte: Die Parlamentarier entschlossen sich dazu, den Antrag als gemeinsamen Antrag des Ausschusses zu übernehmen.

Der Freifunk kann jede Unterstützung gebrauchen. Im Moment ist es laut Markus Stein nämlich noch so, dass jeder einzelne Freifunk-Knoten über einen gesicherten Internet-Tunnel direkt mit Freifunk-Servern und dort mit dem Internet verbunden ist. „Die Knotenpunkte sind noch zu weit voneinander entfernt, als dass sie via WLAN direkt miteinander kommunizieren könnten“, erklärt Stein.

Sollte sich aber das Netz erweitern und dabei immer engmaschiger werden, so docken sich die neuen Knotenpunkte irgendwann an einem mit dem Internet-Tunnel verbundenen Router an und können eine Internet-Verbindung aufbauen, ohne selbst direkt mit dem Internet verbunden zu sein.

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