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Wiesbaden Design und Wundertüten

Auf dem Kreativmarkt „Blaue Orangen“ bieten Künstler handgefertigte Kreationen an. Die Veranstaltung hat die Designerin Lucie Richter im September 2012 ins Leben gerufen, um jungen Designern und neu gegründeten Labels eine Chance zu geben, ihre Kreationen und handgefertigten Waren zu verkaufen.

14.12.2014 17:54
Von Mirjam Ulrich
Zahlreiche Besucher schauen nach Weihnachtsgeschenken, wie etwa die Schlüsselbretter mit Wiesbadener Motiven. Foto: Monika Müller

Rasch gleitet der Stift über das Papier. Mit sicherer Hand zeichnet der Wiesbadener Illustrator Florian Kremers ein schmales Gesicht, dunkle Locken, verschmitzte Augen und Grübchen. Die schwungvolle Linienführung erinnert etwas an das Design der 1920er Jahre. Es dauert nur wenige Minuten, bis das Schnellportrait fertig ist. Kremers zeigt es André Werner, der nickt und lächelt zufrieden. Werner hat seine Freundin zum fünften Kreativmarkt „Blaue Orangen“ im Kulturpalast und Tattersall begleitet. Während sie sich an den anderen Ständen umschaut, nutzt er die Gelegenheit, sich zeichnen zu lassen. Das Portrait will er zu Weihnachten verschenken.

Auf der Suche nach Geschenken sind auch Tina Stroschein und Thomas Lucius. „Die Verpackung haben wir schon einmal, jetzt fehlt nur noch das Geschenk“, sagt Lucius und deutet auf das Hammerschlag-Goldpapier, das seine Partnerin in einer Tüte trägt. Die beiden Wiesbadener kommen jedes Mal zum Kreativmarkt. Ihr gefalle das individuelle Angebot der Aussteller und die Atmosphäre, sagt Stroschein.

Die Veranstaltung hat die Designerin Lucie Richter im September 2012 ins Leben gerufen, um jungen Designern und neu gegründeten Labels eine Chance zu geben, ihre Kreationen und handgefertigten Waren zu verkaufen. „Andere Designmessen verlangen sehr hohe Standgebühren, das schreckt ab“, sagt sie.

Zweimal im Jahr

Mit ihren eigenen beiden Labeln Jutedude und Skjar machte sie auf Flohmärkten selbst die Erfahrung, dass die Kunden glaubten, alles sei für einen Euro zu haben. Als Lucie Richter dem Kulturpalast den Kreativmarkt vorschlug, bekam sie sofort eine Zusage. Seither veranstaltet sie ihn zweimal im Jahr.

„Der Name ‚Blaue Orangen‘ war der absurdeste, der mir eingefallen ist, damit er im Gedächtnis bleibt“, erzählt sie. Außerdem seien es die Farben von Wiesbaden und Nassau. Für den Kreativmarkt mit 85 Ständen bewarben sich 300 Austeller. Bei der Auswahl achte sie darauf, dass das Angebot vielfältig bleibe.

So gibt es neben Designer-Kleidung auch Accessoires, Schmuck, Alltagsgegenstände aus heimischen Hölzern, Lampen und Papierwaren – und sogar burleske Wundertüten für Erwachsene von der Nürnberger Illustratorin und Autorin „Frollein Eve“. Wer selbst kreativ werden möchte, findet dafür handgefärbte Wolle und bedruckte Stoffe oder nimmt an einem Bastelworkshop teil.

Vor allem aus der Region

80 Prozent der Aussteller kommen Richter zufolge aus der Region, wie etwa Christiane Schäfer alias „Miss Tula Trash“. Die Frankfurterin beteiligte sich von Anfang an bei den „Blauen Orangen“, das Geschäft laufe gut, sagt sie. Inzwischen habe sie Stammkunden, die ihre handgefertigten „Spooky Monsters“ sammeln und deshalb hinkommen. Überhaupt nehme das Publikum den Markt gut an. „Vorher gab es nichts Vergleichbares in Wiesbaden, schon gar nicht in der Größe“, sagt sie.

Für die Wiesbadener Designerin Katrin Wolff sind die „Blauen Orangen“ eine gute Möglichkeit, für ihr junges Label KWolf[f] zu werben. Die Standgebühren seien günstiger als bei anderen Designmärkten: „Man hat nicht so den Druck, unbedingt etwas verkaufen zu müssen.“ Viele Besucher nehmen die Flyer von ihren T-Shirts mit selbstentworfenen Tiermotiven mit.

Die Wildnispädagogin Ursula Chai-Stroux begeistert sich für Bäume. Am Stand von „Brettmän“ kauft sie drei Zollstöcke, bei denen jedes Glied aus einer anderen Holzsorte gemacht ist. Auf der Rückseite sind die Arten jeweils beschrieben und für was sie verwendet werden. Sie sei deshalb eigens wieder zum Kreativmarkt gekommen, erzählt sie. Im Frühjar habe sie sich bereits einen Zollstock gekauft, „aber den dann dummerweise verschenkt. Diesmal behalte ich einen für mich.“

Der nächste Kreativmarkt „Blaue Orangen“ ist für März 2015 geplant.

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