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Wiesbaden Der Aufstieg rückt näher

Rollstuhlbasketball unterscheiden sich gar nicht so sehr vom herkömmlichen Basketball: Die Spieler müssen dribbeln, wenn sie den Ball besitzen; statt Schrittfehler gibt es „Schubfehler. Die Rhine River Rhinos haben Ehrgeiz: Sie wollen in die zweite Bundesliga.

25.11.2013 11:18
Mirjam Ulrich
Die Rhine River Rhinos siegen beim Heimspiel gegen das Team 99 SG Aschaffenburg / Main-Kinzig. Foto: Michael Schick

Die Spieler sausen über das Feld, jagen dem Ball hinterher. Basketball ist ein schnelles Spiel, auch dann, wenn beide Mannschaften im Rollstuhl sitzen. Nico Dreimüller von den Rhine River Rhinos nimmt den Ball an, wirft und versenkt ihn im Korb. Die einheimischen Fans unter den etwa hundert Zuschauern in der Klarenthaler Sporthalle jubeln. Beim Spiel der Regionalliga Mitte hat das Team 99 der SG Aschaffenburg / Main-Kinzig gegen die Wiesbadener Mannschaft nur wenig Chancen. Die Rhine River Rhinos gewinnen mit 72:28.

Deren Ziel hängt höher als jeder Basketballkorb – gleich in seiner ersten Saison will das Team in die zweite Bundesliga aufsteigen. Die Mannschaft existiert erst seit August, ins Leben gerufen hat sie der Verein Inklusion durch Förderung und Betreuung (IFB). Bei Rollstuhlbasketball handele es sich um eine inklusive Sportart, weil auch Menschen mitspielen können, die nicht oder nur minimal behindert seien, erläutert Jürgen Zaunbrecher vom IFB. „Unsere Spieler wollen sich messen, darum zielen wir auf den Leistungssport ab.“

Der ehrgeizige Plan ist nicht aus der Luft gegriffen: „Wir starten mit zwei amtierenden Weltmeistern“, sagt Trainerin Christa Weber, die früher die Nationalmannschaft coachte. Neben den U23-Weltmeistern Nico Dreimüller und Lukas Jung gehören zwei ehemalige Nationalspieler und ein Ex-Bundesligaspieler zum Team – aber auch Neulinge ohne Ligaerfahrung wie Sabrina Busch.

Beim Tempo und Technik seien ihr die anderen noch voraus, erzählt die 24-jährige Lehramtsstudentin aus Wiesbaden. „Aber sie sind alle sehr geduldig, viel geduldiger als ich.“ Aufgrund ihrer vielen starken Spieler stiegen die Rhine River Rhinos auf Antrag sofort in die Regionalliga Mitte ein. Derzeit führen sie die Tabelle an.

Zweimal in der Woche trainiert Christa Weber die Sportler, von denen der Jüngste zwölf und der Älteste 53 Jahre alt ist. Gespielt wird auf einem gewöhnlichen Basketballfeld, der Korb hängt in normaler Höhe von 3,05 Metern. Die Regeln des Rollstuhlbasketballs unterscheiden sich gar nicht so sehr vom herkömmlichen Basketball. Die Spieler müssen dribbeln, wenn sie den Ball besitzen. Statt Schrittfehler gibt es „Schubfehler“, wenn ein Spieler mehr als zweimal am Greifring des Rollstuhls zieht, ohne zu dribbeln.

„Taktisch hat man beim Rollstuhlbasketball sehr viele Möglichkeiten“, erläutert Christa Weber. Fahrwege lassen sich mit dem Rollstuhl blockieren und somit Überzahlsituationen erreichen, die gute Wurfchancen ermöglichen. Die Sportrollstühle werden individuell angepasst. Auch wenn ein Spieler einmal im Eifer des Spiels herausfalle, passiere weniger als beim Fußgänger-Basketball, hat Christa Weber beobachtet. Doch die Rollstühle sind teuer: 5 500 Euro koste so ein Sportgerät, das von den Krankenkassen heutzutage meist nicht mehr bezahlt werde.

Die Rhine River Rhinos suchen deshalb dringend Sponsoren. „In der zweiten Bundesliga werden pro Saison rund 60 000 Euro benötigt“, sagt Jürgen Zaunbrecher. Vor allem die Fahrtkosten und Übernachtungen schlagen zu Buche. Ebenso willkommen seien ehrenamtliche Helfer, etwa als Fahrer oder für die Bewirtung bei Heimspielen. Zudem braucht das Team eine barrierefreie Halle, in der die Spieler auch die Duschen und Toiletten nutzen können.

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