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Wiesbaden BI befürchtet Qualitätsverlust

Das Bündnis „Gemeingut in BürgerInnenhand – für eine kommunale HSK“ rügt den Sparkurs der HSK-Geschäftsführung und befürchtet einen Qualitätsverlust. Kritik gibt es außerdem an der Arbeit des Betriebsrats.

Bislang wurde der geplante Abbau von 391 Vollzeitstellen an den Wiesbadener Horst-Schmidt-Kliniken nicht öffentlich mit dem drohenden Verlust medizinischer Qualität in Verbindung gebracht. Weder die neuen Geschäftsführer aus dem Helios-Klinikkonzern, noch der Betriebsrat der HSK wollten ein derartiges Statement in der Zeitung lesen. Zu geschäftsschädigend sei diese Diskussion, ist hinter vorgehaltener Hand zu hören.

Bodo Kaffenberger, Sprecher des Bündnisses „Gemeingut in BürgerInnenhand – für eine kommunale HSK“, spricht diesen Punkt offen an: „Bereits jetzt gibt es einen Qualitätsverlust bei den HSK, der direkt mit der Kündigungswelle zu tun hat. Die Mitarbeiter, die jetzt einen Aufhebungsvertrag mit einem vielleicht erst 2016 wirksamen Austrittstermin unterschreiben, verabschieden sich bereits im Geiste von ihren Kollegen“, so Kaffenberger im Gespräch mit der FR. Das sei psychologisch leicht nachvollziehbar.

Die Qualität, so Kaffenberger, verschlechtere sich weiter, wenn dann die Kolleginnen und Kollegen tatsächlich aus dem Dienst ausscheiden. „Der derzeitige Morgenschicht-Stellenschlüssel von drei Pflegekräften pro Station soll auf zwei reduziert werden. Das geht nicht ohne Qualitätsverlust“, sagt Kaffenberger. Eine Station habe zwischen 33 und 36 Betten. „Das ist jetzt schon zu viel.“

Corinna Glenz, die für die HSK zuständige Geschäftsführerin bei Helios, begründete in der Vergangenheit die Strategie damit, dass andere Maximalversorger im Konzern die Leistung auf Station auch mit weniger Personal erbrächten. Das habe eine Konsultation des konzerninternen „Benchmarking“, also der konzernweiten Messlatte, ergeben.

Nicht Äpfel mit Birnen vergleichen

Das lässt Kaffenberger aber nicht gelten: „Das ist, als würde man Äpfel mit Birnen vergleichen“, sagt er. Die vermeintliche Vorzeige-Klinik in Erfurt habe im Gegensatz zur HSK keine Herzchirurgie, was in Wiesbaden neben der „Stroke Unit“, also der Notaufnahme für Schlaganfall-Patienten, ein echter Umsatzbringer sei. „Insgesamt werden 50 Prozent der Betten in Wiesbaden über die Notaufnahme belegt. In Erfurt ist das ganz anders.“

Glenz habe seiner Meinung nach „keine Chance, das Ding in den Griff zu kriegen“. Der Personalabbau führe dazu, dass die Patienten wegblieben und damit breche auch der Umsatz ein. „Das tägliche Geschäft wird sich nicht mehr rechnen, tut’s ja angesichts des Defizits ja jetzt schon nicht.“

Vor der Teilprivatisierung habe der Verlust der HSK bei mehr als 20 Millionen Euro, bei der Übernahme der Rhön-Anteile von Helios bei 13 Millionen Euro. Kaffenberger schätzt, dass sich das Defizit unter Glenz‘ Führung und unter Einbezug der Kosten für den Klinik-Neubau noch weiter erhöhe – auf bis 50 Millionen Euro. „Die offiziell kommunizierten Zahlen sind alle gemauschelt“, sagt Kaffenberger. Nicht minder hart geht der Gewerkschafter Kaffenberger mit seinem Kollegen Michael Drott, dem HSK-Betriebsratsvorsitzenden, ins Gericht.

Derzeit schiebe allein der Pflegebereich 70 000 Überstunden vor sich her. „Angesichts dieser Zahlen hat Helios vor dem Arbeitsgericht keine Chance, betriebsbedingte Kündigungen auszusprechen“, erklärt Kaffenberger. Das Problem sei, dass der Betriebsrat diese Überstunden nicht ausreichend dokumentiere. „Drott müsste Leute dafür abstellen, die Arbeitszeiten zu kontrollieren. Aber das kann oder will er nicht“, sagt Kaffenberger.

Stattdessen habe Drott „ohne Not“ eine Betriebsvereinbarung unterschrieben, die den Abbau zementiere. „Jetzt hat die Belegschaft keinen Spielraum mehr. Drott macht sich zum Steigbügelhalter der Unternehmensleitung.“ Das sei mindestens ein Kompromiss zu viel gewesen. Die lückenlose Erfassung der Überstunden sei der letzte Ausweg der Belegschaft, sich effektiv gegen den Stellenabbau zu wehren.

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