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Wiesbaden Auch das Bärenhaus ist beschädigt

Nach dem Sturm wird in der Fasanerie aufgeräumt. Die Wölfin könnte an Herzversagen gestorben sein. Ein Luchs fehlt.

Wiesbaden
Nach dem Sturm beginnen in der Fasanerie die Aufräumarbeiten. Foto: Rolf Oeser

Woran genau die Wölfin bei dem Sturm am Dienstagmorgen zu Tode kam, ist noch nicht geklärt. Die Leiterin des Tierparks Fasanerie, Ute Kilian, hält es für plausibel, dass das 14 Jahre alte Tier in seinem Gehege von einem schweren Ast getroffen wurde, noch ein paar Schritte auf die Wiese lief und dann verendete. Denkbar sei aber auch, dass die für wölfische Verhältnisse betagte Dame während des außergewöhnlich starken Sturms an Herzversagen starb. Die genaue Todesursache werde im Hessischen Landeslabor in Gießen noch festgestellt.

Ute Kilian und ihrem Team ist die Erschöpfung nach zwei Tagen Aufräumarbeit anzusehen. Gewitter und Sturm haben mehrere Schneisen durch den Wildpark geschlagen. 50 bis 100 Bäume sind umgekippt wie Mikadostäbchen und haben die Zäune um mehrere Gehege auf längeren Strecken zerstört. Sogar eine Eiche mit ein Meter dickem Stamm wurde entwurzelt. Gestern kreischten Motorsägen auf dem weitläufigen Gelände im Stadtteil Klarenthal. Fasanerie-Mitarbeiter, Beschäftigte der Entsorgungsbetriebe Wiesbadens, ELW, sowie Forstarbeiter sägten die Stämme klein und räumten Geäst beiseite. Für die nächsten Tage wird ein Hubfahrzeug erwartet, dass die losen Äste, die sich in den Nachbarbäumen verfangen haben, herunterholt, damit sie nicht auf Besucher fallen. Der Tierpark ist daher bis etwa Mitte kommender Woche geschlossen. Die Löcher in den Zäunen sind schon provisorisch geflickt. Kilian schätzt die Schäden auf eine fünfstellige Summe.

Am Dienstag früh sei die Aufregung groß gewesen, berichtet Kilian. Denn der Zaun um das Gehege, wo die drei europäischen Braunbären und die beiden Wölfe gemeinsam untergebracht waren, wurde auf eine Länge von 20 Metern zerstört. Die Bären hätten unbedingt in ihr Bärenhaus gelockt werden müssen, um zu verhindern, dass sie über das Loch im Zaun, das allerdings von einer mächtigen Baumkrone ausgefüllt war, ausbüxten, sagt Kilian. „Nicht auszudenken, was passiert wäre“, sagt Kilian. Der beschädigte Zaun liegt an der Seite zum Wildschweingehege, das wiederum an die Aarstraße, die B54, grenzt. Der Zaun ist dort ebenfalls auf eine Länge von 30 Metern kaputt. Die Bären hätten darüber verschwinden können. Ein Beschäftigter des städtischen Ordnungsamts und ein Tierarzt seien mit einem Gewehr, einem Narkosegewehr und einem Blasrohr mit einem Narkosemittel in Stellung gegangen, um im Notfall die Bären zu töten oder zu betäuben. Gleichzeitig hätten Tierpfleger die Tiere mit Leckereien locken können. Glücklicherweise seien die drei nach zwei Stunden in ihr Haus getrottet, erzählt Kilian. Dort müssten sie bleiben, bis die Zäune repariert seien – für die Braunbären nach ihren Angaben kein großes Ärgernis. „Die Bären fühlen sich dort wohl, das ist ihre Höhle, es gibt ein Hochbett, Stroh und gutes Futter“, sagt Kilian. Auch das Bärenhaus ist nicht heil geblieben. Den Schaden können die Fasanerie-Mitarbeiter jedoch erst begutachten, wenn die Bären wieder ins Gehege dürfen. Die Reparatur, vermutet Kilian, werde teuer werden.

Aus Sicht der Tiere ist der Tag nach dem Sturm gar nicht so übel. Wisente, Hirsche und Ziegen etwa freuen sich an den frischen Blättern der umgestürzten Bäume, an die sie sonst nie herangekommen wären. Sie stehen in Gruppen um das Wipfellaub und knabbern zufrieden. Die Wildschweine zeigen sich interessiert an den Forstarbeiten. In der aufgewühlten Erde finden sie leckere Würmer. Einige der Stämme und Äste sollen in den Gehegen liegen bleiben und den Tieren als Klettergerüst oder Unterschlupf dienen. „Wir räumen nur fort, was stört oder gefährlich ist“, sagt Kilian.

Für einen der Luchse hat das Unwetter vielleicht die Freiheit gebracht, denn ein Tier wird noch vermisst. Der überlebende Wolfsrüde soll eine neue Gefährtin erhalten. Kilian schätzt die Chance als gut ein, in anderen Tierparks eine geeignete Partnerin zu finden. Mit ihr soll der zwölfjährige Rüde ein Rudel begründen, hofft Kilian. Die verstorbene Wölfin hatte nie Junge.

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