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Wiesbaden Altes Gericht wird wiederbelebt

Im Alten Gericht in Wiesbaden wird anlässlich der Biennale Wiesbaden eine Ausstellung initiiert. Franz Kluge, Sprecher der Initiative für ein Haus der Stadtkultur, wertet die Entwicklung als positiv.

Kunst soll bald auch im Gebäude zu sehen sein. Foto: Michael Schick

Während an der einen Stelle an der Moritzstraße bereits gebaut wird, tut sich im Alten Gericht selbst derzeit noch nichts – zumindest nichts, was darauf schließen lässt, dass dort, wie geplant, in nächster Zeit Wohnungen entstehen könnten. Laut einem Pressesprecher der Nassauischen Heimstätte, die das Projekt realisieren will, laufen die Verhandlungen. Die Kaufverträge seien jedoch noch nicht unterschrieben. Stattdessen wird nun anlässlich der Biennale Wiesbaden eine Ausstellung initiiert. In dem Gebäude, das Künstler erst im März dieses Jahres wegen der gekappten Stromversorgung und Sicherheitsbedenken räumen mussten.

Wie es den Organisatoren des Staatstheaters gelungen ist, die Bedenken auszuräumen – die Anfrage ließ der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) gestern unbeantwortet. In Gesprächen mit den Verantwortlichen und Unterstützern lässt sich heraushören, dass es ein hartes Stück Arbeit gewesen sein muss, das Gebäude wieder betriebsfähig zu machen.

Gebäude wird zum Museum

In der Immobilie, die eine Bürgerinitiative als Haus der Stadtkultur nutzen will, ist vom 25. August bis zum 4. September eine Ausstellung des belgischen Thomas Bellinck geplant. „Domo de Europa Historio en Exzilo“ – Haus der europäischen Geschichte im Exil – ist ihr Titel. Das Alte Gericht sei „ein idealer Ort“ für das „Museum“ von Thomas Bellinck, erklärt Maria Magdalena Ludewig, die zusammen mit Martin Hammer die Biennale des Staatstheaters kuratiert. Ein Satz, der Musik in den Ohren der Mitglieder der Bürgerinitiative für ein Haus der Stadtkultur im Alten Gericht sein dürfte.

Franz Kluge, Sprecher der Initiative, wertet die Entwicklung als positiv. „Wir sind froh, dass das Gebäude kulturell öffentlich genutzt wird – wenn auch nur temporär“, sagt er. Zudem freue er sich über die künstlerische Installation, die den „Begriff des Museums“ mit Leben fülle.

Bellinck wird während der Biennale das Alte Gericht vom Erdgeschoss bis zum Dach bespielen. Im Haus der europäischen Geschichte im Exil lässt er noch einmal die alte Idee vom vereinten Europa aufleben, als wäre sie längst vergangen, sagt Kuratorin Ludewig. Zu sehen war Bellincks Ausstellung bereits in Athen. Jedoch sei seine utopische Vision vom Untergang Europas noch nie so aktuell wie derzeit.

Initiative wehrt sich gegen Wohnnutzung

Nach wie vor präsent ist auch das Bemühen Kluges und seiner Mitstreiter um eine öffentliche Nutzung des alten Wiesbadener Gerichtsgebäudes. Eine Petition, die Ende Mai endete, hatten mehr als 6500 Menschen unterschrieben. Demnächst soll sie dem Land Hessen übergeben werden, dem die umkämpfte Immobilie gehört.

Zudem seien unzählige Gespräche geführt worden, sagt Kluge. Auch mit den im Stadtparlament vertretenen Parteien, die sich vor der Wahl zu dem Vorhaben Altes Gericht geäußert hatten – zumeist positiv, wie Kluge betont. Details will er keine nennen, man habe Vertraulichkeit vereinbart.

Er hofft, dass durch die Ausstellung zur Biennale „eine gewisse Bewegung“ in das Vorhaben Haus der Stadtkultur kommen wird. Man warte nun auf die vor der Wahl von nahezu allen Parteien zugesagte ergebnisoffene Prüfung einer zukünftigen öffentlich-kulturellen Nutzung des Alten Gerichts.
Kluge macht aber auch deutlich, dass er und seine Mitstreiter auch vor einem Bürgerbegehren nicht zurückschrecken werden, falls in dem ehemaligen Gerichtsgebäude doch Wohnungen entstehen sollten. Die Wohnungsnot werde dadurch nicht gelindert. Durch den schwierigen, teuren Umbau entstehe hochpreisiger Wohnraum, den sich kaum jemand leisten könne.

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