Lade Inhalte...

Wiesbaden Ärger um geplantes Symposium der „Demo für Alle“

Das Bündnis „Demo für Alle“ will im Wiesbadener Kurhaus tagen. Die Stadt will den Vertrag prüfen.

Demo für Alle
Konservative Gruppen demonstrierten vergangenes Jahr in Wiesbaden gegen den Schul-Lehrplan zur Sexualkunde. Foto: dpa

Die Organisatoren der „Demo für Alle“, die im Oktober 2016 zu großen Protesten in Wiesbaden geführt hatte, laden Anfang Mai erneut in die hessische Landeshauptstadt ein. Ausgerechnet im Kurhaus, wo auch der Ball der Aids-Hilfe gefeiert wird, soll das Symposium „Sexualpädagogik der Vielfalt – Kritik einer herrschenden Lehre“ stattfinden. Widerstand formiert sich.

Hinter der „Demo für alle“ steckt ein Bündnis, das unter anderem gegen den im vorigen Jahr in Hessen überarbeiteten Lehrplan für Sexualerziehung protestiert hatte. Das neue Curriculum nennt als ein Lernziel die Akzeptanz nicht-heterosexueller Lebensformen, wogegen sich die Mitglieder des Bündnisses wehren. Kinder würden im Unterricht zu früh mit dem Thema Sexualität belästigt, zudem mit „Sexualität in allen Varianten“, hatte Organisatorin Hedwig von Beverfoerde Ende Oktober gesagt.

Das Symposium am 6. Mai solle nun die Wurzeln, Argumente und Methoden der Sexualpädagogik der Vielfalt betrachten und sie einer „kritischen Prüfung“ aus verschiedenen Perspektiven unterziehen, heißt es auf der Homepage des Veranstalters. Im Anschluss sollen Alternativen vorgestellt werden. Eingeladen sind unter anderem zahlreiche Referenten, Professoren, Politikwissenschaftler und auch der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualwissenschaft.

Nach Auffassung von Manuel Wüst vom Verein „Warmes Wiesbaden“, der die Gegendemonstration im vorigen Jahr mitorganisiert hatte, wollen die Veranstalter dem Symposium einen „pseudowissenschaftlichen Anstrich“ geben, um ihre „kruden Ansichten“ unters Volk zu bringen. „Die ,Demo für Alle‘ kooperiert mit zahlreichen rechten Organisationen und steht für eine Gesellschaft der Ausgrenzung und Ablehnung von Vielfalt“, sagt er und weist darauf hin, dass im Oktober unter anderem auch Neonazis vor Ort waren.

Darüberhinaus zeigt sich Wüst verwundert darüber, dass das Symposium ausgerechnet im Wiesbadener Kurhaus stattfinden soll – in einem Haus, das sich bislang als offen präsentiert habe. „Schließlich gibt es dort zahlreiche Charity-Events.“ Man sei geschockt gewesen, sagt Wüst und kündigt an, sich mit den Kooperationspartnern treffen zu wollen, um über eine Gegendemonstration zu beraten. Ein erstes Treffen soll am morgigen Donnerstag stattfinden.

Martin Michel will sich zu der Veranstaltung im Detail nicht äußern. Er ist seit dem 1. April dieses Jahres Geschäftsführer des Wiesbadener Kurhauses. Von seinem Vorgänger Markus Ebel-Waldmann habe man sich „im besten Einvernehmen“ getrennt, hatte die Stadt Mitte März mitgeteilt. Michel sagt auf Anfrage, er habe nach seinem Amtsantritt den Mietvertrag für das Symposium am 6. Mai vorgefunden. Diesen wolle er nun prüfen lassen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum