Lade Inhalte...

Weihnachtsbräuche Was macht die Gurke am Weihnachtsbaum?

Der Wiesbadener Pfarrer Jeffrey Myers von der der Evangelischen Marktkirchengemeinde ist der Tradition mit dem Gemüse an Weihnachten auf den Grund gegangen.

Im großen Christbaum in der Marktkriche will Pfarrer Jeffrey Myers die kleine Weihnachtsgurke verstecken. Foto: Michael Schick

Irgendwo zwischen Zweigen und Nadeln seines Weihnachtsbaums versteckt Pfarrer Jeffrey Myers an Heilig Abend eine kleine Gurke. „Wer als erster die Weihnachtsgurke findet, ohne den Baum zu berühren, bekommt ein Extra-Geschenk“, erklärt der Pfarrer der Evangelischen Marktkirchengemeinde.

Dieses lustige Spiel sei eine echte Weihnachtstradition, sagt Myers. Er habe sie im vergangenen Jahr auf dem Sternschnuppenmarkt kennengelernt. „Mir sind an einem Stand zwischen all dem Christbaumschmuck die kleinen Gurken aufgefallen“, erinnert sich Myers. Man habe ihm erklärt, was es mit dem Gemüse auf sich hat, und dass die Tradition aus Amerika käme. Myers wunderte sich, schließlich stammt er selbst aus den USA, doch von der Weihnachtsgurke hatte er noch nie gehört.

Also machte er sich auf Spurensuche und tatsächlich, die Weihnachtsgurke sei in seiner Heimat bekannt. Sie sei sogar sehr beliebt, erfuhr er. Doch die Amerikaner erzählten Myers, dass diese Tradition mit der Gurke aus Deutschland stamme.

Auf der Suche nach einer Erklärung dafür, steckte Myers seine Nase tief in Geschichtsbücher. „Vielleicht hängt die Legende, dass die Weihnachtsgurke aus Deutschland stammt, damit zusammen, dass Christbaumkugeln im 19. Jahrhundert ein Exportschlager in Amerika wurden“, sagt er. Er fand heraus, dass um das Jahr 1880 der Amerikaner Frank Winfield Woolworth die ersten Christbaumkugeln aus Deutschland in die USA importierte. „Alles, was mit Weihnachtsbrauchtum zu tun hatte, assoziierte man mit Deutschland und Europa“, sagt Myers.

Die Weihnachtsgurken, die es an vielen Ständen auf dem Sternschnuppenmarkt in allen Größen und Farben zu kaufen gibt, wurden nach Myers Recherchen erstmals im thüringischen Ort Lauscha hergestellt. Von 1847 an wurden dort Nüsse, Früchte und Gemüse aus Glas geblasen und als Christbaumschmuck verkauft. Später wurden daraus die Christbaumkugeln. Schon um 1900 soll hier die erste Weihnachtsgurke geblasen worden sein, die „Urgurke“, sozusagen.

Saure Gurke rettete kranken Soldaten das Leben

Doch warum hängen sich Amerikaner und neuerdings auch die Wiesbadener gläserne Gurken an den Weihnachtsbaum, fragte sich Myers. „Also das erste was mir einfällt, ist dass die Farbe Grün für Hoffnung steht“, sagt er.

Und er fand noch weitere Erklärungen. Eine davon ist besonders schön: „Es wird die Geschichte eines deutsch-amerikanischen Soldaten erzählt“, sagt Myers. „Er wurde im amerikanischen Bürgerkrieg gefangen genommen und dann so krank, dass er zu sterben drohte.“ Sein letzter Wunsch sei es gewesen, eine saure Gurke zu essen, weil er die so gerne mochte.

Er habe seine Gurke bekommen und durch sie soviel Kraft erlangt, dass er seine Gefangenschaft überlebt habe. Als er wieder frei war, habe er aus Dankbarkeit an Weihnachten eine Gurke im Weihnachtsbaum versteckt. Es hieß, dass derjenige der die Gurke fand, ein Jahr lang Glück haben sollte.

Jeffrey Myers verrät, dass er am Christbaum, der kommende Woche in der Marktkirche aufgestellt wird, auch eine Weihnachtsgurke verstecken wird. „Derjenige, der sie findet, bekommt eine extra Portion Glück und ein extra Geschenk“, sagt Myers und lächelt geheimnisvoll.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen