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US-Militär Stadt in der Stadt

Das Siedlungsareal der US-Amerikaner auf dem Hainerberg wird runderneuert. Der Grund: Das Hauptquartier der US Army wird von Heidelberg nach Wiesbaden verlegt.

15.09.2011 21:58
Michael Grabenströer
In gut zwei Jahren soll dieses Modell in die Realität umgesetzt werden. Foto: Rolf Oeser

Das Siedlungsareal der US-Amerikaner auf dem Hainerberg wird runderneuert. Der Grund: Das Hauptquartier der US Army wird von Heidelberg nach Wiesbaden verlegt.

Dort, wo die Straßen in Wiesbaden Arizonastraße, Californiastraße, Mississippistraße oder Washington Straße heißen, liegt eine der derzeit größten Baustellen der Stadt. Die Amerikaner krempeln ihr Siedlungsareal auf dem Hainerberg um. Schulen werden neu hochgezogen, Sporthallen errichtet, Häuser modernisiert und dem heutigen Wohnungsstandard angepasst und ein riesiges Shopping-Center entsteht. Und alles wird künftig nur mit US-Militär-ID-Card, der militärischen Variante eines Personalausweises zugänglich sein. Rundherum wird das ganze Gebiet ab und eingezäunt. Die An- und Einfahrt ist dann nur noch durch eine einzige Kontrollstation mit Sicherheitschecks möglich.

Wann es soweit ist? Der Direktor des Erneuerungs- und Umgestaltungsprogramms, der „Transformation-Manager“ wie es auf amerikanisch heißt, Robert A. Gerber, spricht von Ende 2013/ Anfang 2014. Im Spätherbst 2013 soll das Hauptquartier der US Army in Europa (Usareur) von Heidelberg nach Wiesbaden verlegt sein. Mit den neuen Führungsstäben und Führungsstrukturen muss auch die Unterbringung, die Versorgung und die Unterhaltung bei Sport für die Neu-Wiesbadener stehen.

Dann wird das Tor zum Hainerberg definitiv zu sein – für Nichtamerikaner. Schon jetzt sind die meisten Gebäude nur mit Militärausweis zugänglich. Dies gilt für das Wiesbaden Entertainment Center mit kleiner Spielhalle, Bar und wechselnden Musik- und Comedy-Programm ebenso wie für das Hotel. Kindergärten und Schulen sind sowieso noch einmal extra eingezäuntes Sperrgebiet. Außerdem ist das ganze Gelände Euro-freie Zone. Gezahlt wird – ob Hotel, Pizza Hut oder Entertainment Center in US-Dollar.

Hügel von Schutt türmen sich an der künftigen Einfahrt auf, wo einmal der Sicherheitskontrollbereich entstehen wird. Die Schuttberge sind hinter grünen Plastikvorhängen verborgen. Hier soll das 20.000 Quadratmeter große Shopping-Center entstehen.

Ganze Arbeit

Ein Abrissunternehmen aus Hünfeld hat ganze Arbeit geleistet. Der noch längst nicht zerkleinerte Schutt soll in Raunheim zu einer Bodenfläche verarbeitet werden. Einige militärische Wohnblocks wurden dafür abgerissen. Noch gar nicht so alt. Gebäude, die man wenige Jahre zuvor erst energetisch ertüchtigt hatte, die neu isoliert und wärmegedämmt waren. Nun sind sie zu Schutthalden zusammen geschoben.

Vom Dach des Militärhotels „Wiesbaden Army Lodge“ hat man einen Überblick über die Bauvorhaben, auch über das High School Center unweit der Kirche. Dort wird bereits die Bodenplatte gelegt für den Schulteil in dem künftig Fachräume und die Cafeteria untergebracht werden. Ein Kindergarten daneben ist bereits fertig. Der Hort für die Betreuung vor und nach der Schule ist erstellt.

Der Hainerberg ist eine Stadt in der Stadt. Aber auch die Militärs erleben die Veränderungen auf dem Wohnungsmarkt. Die Häuserzeilen werden umgebaut, wenn immer sich die Möglichkeit durch Aus- oder Umzug bietet. Denn die Bewohner brauchen mehr Platz als noch vor 20 Jahren. In Blocks, in denen bislang 12 Wohnungen Platz hatten, sind es künftig nur noch 9. Das passiert in allen Blocks nach und nach, und sei nicht wegen der höheren Ränge des Führungspersonals der neuen Kommandostrukturen, die aus Heidelberg kommen, erforderlich.

Auch die Baustelle am Hainerberg, der sicher zu den gut überwachtesten Wohnlagen der Stadt zählt, ist vor der neuesten Mode von Dieben nicht sicher. Auf der Baustelle wurden seit dem Frühjahr rund eine halbe Tonne Metall, vor allem Kupferrohre gestohlen. Ein Bauarbeiter zählt auf und wundert sich: „Das auf amerikanischen Gelände, gut gesichert, zusätzlich gesichert durch einen Bauzaun und verschlossen in einem Lagercontainer.“ Mehr will er dazu nicht sagen.

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