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Umweltschutz in Wiesbaden Giftige Sedimente im Schiersteiner Hafen

1. UpdateIm Schiersteiner Hafen liegen starke Gifte. Der Ortsbeirat möchte, dass er ausgebaggert wird. Wiesbadens Umweltdezernent Andreas Kowol (Grüne) will die Sanierung prüfen, warnt aber vor hohen Erwartungen.

Schierstein
Walter Richters am Schiersteiner Hafen. Foto: Renate Hoyer

Im Boden des Schiersteiner Hafens liegen starke Gifte, weshalb der Hafen eigentlich saniert werden müsste. Da das Ausbaggern der Sedimente nicht ganz billig ist, hat der Eigentümer, die Bundesrepublik, bislang daran kein Interesse. Jetzt hat der Schiersteiner Ortsbeirat Untersuchungsergebnisse früherer Studien erhalten und sieht sich bestätigt. „Das muss sauber ausgebaggert werden“, sagt Walter Richters (Grüne), „auch, um zu verhindern, dass der Hafen verschlammt.“ Auch ein Gutachten der Landeshauptstadt von 2002 habe einen mittelfristigen Handlungsbedarf gesehen, sagt Richters, der hofft, dass Dezernent Andreas Kowol (Grüne), seit dem Frühjahr im Amt, die Sache in die Hand nimmt. Der möchte jedoch keine falschen Hoffnungen wecken. Im Laufe des Jahres werde er sich mit Land und Bund erneut in dieser Sache auseinandersetzen und auch nach neuen technischen Methoden zur Sanierung forschen, sagte er auf Anfrage. Kostenberechnungen von 2002 zufolge würde dies auf mindestens elf Millionen Euro kommen.

Regelmäßig beantragt der Ortsbeirat während der städtischen Haushaltsberatungen, dass die Stadtverwaltung das Geld für die Sanierung des Hafens einstellen möge. Jedes Mal erhält er die Antwort, dass es keine Chance dafür gebe. Dieses Mal kam Ortsbeiratsmitglied Richters auf die Idee, auch nach den genauen Schadstoffen im Boden und im Wasser zu fragen. Als Antwort erhielt er Auszüge aus Studien aus den Jahren 2004 und 2007, die ihm bislang noch nicht vorlagen. „Es liegen sehr giftige Organozinnverbindungen und Schwermetalle im Sediment des Hafens“, resümiert Richters das Ergebnis. „Aktuell sind sie aber offenbar nicht wirklich gefährlich für das Hafenwasser, aber natürlich weiterhin ein Risiko.“ Denn die Gifte schlummern im Untergrund und verbinden sich zurzeit nicht mit dem Wasser. Auch das belegt eine Wasseruntersuchung von 2007.

Dennoch ist Richters der Meinung, dass die Gifte dort nicht hingehören. Angeln und Baden im Hafenwasser ist vorsorglich verboten. Der Ortsbeirat möchte jedoch den Freizeitwert des Schiersteiner Hafens erhöhen. „Die Werte sind nicht so schlecht, dass das Sediment in der Sondermülldeponie entsorgt werden müsste“, sagt Richters. Seiner Ansicht nach könnte es noch als Bausand verwendet werden. Die mikrobiologische Untersuchung des Wassers von 2007 ergab, dass die Qualität des Hafenwassers besser ist als die des Rheinwassers, wo sich unter anderem deutlich mehr fäkalcoliforme Bakterien, Fäkalstreptokokken und Salmonellen tummeln. Allerdings könnten die Werte je nach Wetter schwanken. Der Lindenbach, der in den Hafen mündet, bringt bei starkem Regen Verunreinigungen mit. Bei Hitze müffele das Hafenwasser zudem, berichtet Richters, weshalb das Gerücht umgehe, die Yachtbesitzer würden ihre Fäkalien dort entsorgen. Seitdem 2010 mehrere Teilnehmer des Ironman-Wettkampfs im Schiersteiner Hafen an Durchfall erkrankten, findet der Ironman dort nicht mehr statt.

Was dem Hafenbecken fehlt, ist die reinigende Strömung. Der Ortsbeirat möchte den Sackgasseneffekt beenden. Die Frage ist, wie dies geschehen kann. Ob das Öffnen des Verbindungsrohrs im Nordosten die richtige Lösung ist, bezweifelt Richters dagegen. Denn dies könnte die giftigen Sedimente in Bewegung bringen.

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