Lade Inhalte...

TSG in Wiesbaden Der Neue mag Kartoffelpuffer

Wiesbadenes Weihnachtsmarkt und SPD-Politiker: Das geht nicht immer gut. Frag nach bei Kurt Beck. Thorsten Schäfer-Gümbel hat aber einen ruhigen Nachmittag - auch weil ihn kaum jemand erkennt. Von Gaby Buschlinger

09.12.2008 00:12
GABY BUSCHLINGER
Wie sind die Wahlaussichten? SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel (l.), Heidemarie Wieczorek-Zeul und Ernst-Ewald Roth befragen das Pendel. Foto: FR/Surrey

"Keine Ahnung, wer das war." Die Kartoffelpuffer-Verkäuferin auf dem Sternschnuppenmarkt ist empört über die blöde Frage, ob sie wisse, wem sie da gerade drei mal drei heiße Puffer mit Apfelmus verkauft hat. Schließlich hat sie gerade wahrlich andere Sorgen. Kleckse von Kartoffelmasse zischen auf dem heißen Fett, und am Stand von Puffer Christ'l ist es rammelvoll.

Am Tresen drängt sich der neue Spitzenkandidat der Hessen-SPD, Thorsten Schäfer-Gümbel, im Schlepptau Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul und die beiden Direktkandidaten für die Landtagswahl im Januar, Ernst-Ewald Roth und Michael David. Kartoffelpuffer-Esser wie alle anderen auch. Schäfer-Gümbel teilt brav mit Wieczorek-Zeul ("Ich liiiebe Kartoffelpuffer"), Roth verspeist seine Portion allein.

Normalerweise begleiten Spitzenpolitiker lokale Kandidaten bei Weihnachtsmarktbesuchen, um deren Bekanntheit zu steigern. Am Dienstag scheint es umgekehrt. Vielen Passanten ist vor allem Roth bekannt, als der Ex-Stadtdekan mit der "verpatzten OB-Anmeldung". Und auch die "rote Heidi" kommt mit dem Grüßen und Händeschütteln gar nicht nach.

Derweil drückt TSG Passanten kleine rote Zettelchen mit blauem Schoko-Weihnachtsmann in die Hand. Der 39-Jährige zwingt niemandem ein Gespräch auf. Ratlos blickt eine Rentnerin ihren Begleiter an. "Das war der Neue", raunt dieser ihr zu. Der Blick bleibt ratlos. "Na, von der SPD." Jetzt geht der Dame ein Licht auf: "Ach so, der", lächelt sie.

Zu Zwischenfällen wie vor zwei Jahren, als der damalige SPD-Bundesvorsitzende Kurt Beck dem arbeitslosen Henrico Frank auf dem Sternschnuppenmarkt empfahl, sich zu waschen und zu rasieren, kam es nicht. Und Fragen von Journalisten nach den angeblichen Handyfoto-Beweisen bei der Ministerpräsidentenwahl verbannt TSG ins Reich der Märchen: "Übermorgen sind wir dann schuld, wenn es Weihnachten nicht schneit." Als der Tross einmal um den Markt rum ist, bilanziert Schäfer-Gümbel: "Ich bin überrascht, dass so wenig karitative Stände dabei sind."

Selbst hat es der Gießener noch nicht geschafft, mit seiner Familie über einen Weihnachtsmarkt zu schlendern. Auch wenn der echte Wahlkampf samt Plakatierungen erst nach den Feiertagen starte, hetzt Schäfer-Gümbel nun quer durchs Land von einem Termin zum nächsten. Am Dienstag schaute er sich im Entwicklungszentrum von Opel für Brennstoffzellen in Kastel um.

Am kommenden Samstag beschließt die Landes-SPD die Liste für die Wahl am 18. Januar. In der jüngsten Umfrage sind die Genossen auf 23 Prozent abgestürzt. Vor elf Monaten hatte Roth seinen Wahlkreis direkt gewonnen. Trotzdem soll er diesmal auch wieder über die Liste abgesichert werden. SPD-Parteichef Arno Goßmann erwartet, dass Roth erneut mindestens Platz 19 bekommt.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen